Die Runde bei MagentaTV war eigentlich schon prominent genug besetzt. Zwischen Moderator Johannes B. Kerner und Moderatorin Laura Wontorra hatte sich zum WM-Finale in East Rutherford bei New York alles eingefunden, was Rang und Namen hatte – und die letzten sechs Wochen im Dauereinsatz war. Aufgereiht stand dort das Experten-Quartett Tabea Kemme, Mats Hummels, Thomas Müller und Jürgen Klopp. Für einen großen Namen war aber dennoch Platz.

In der Nachberichterstattung des spanischen Finalerfolgs über Argentinien (0:1 nach Verlängerung) crashte plötzlich Robbie Williams die Runde. Der Weltstar war vor der Partie gemeinsam mit Laura Pausini und Nicole Scherzinger aufgetreten, hatte die offizielle Fifa-Hymne „Desire“ gesungen. Nun hatte er offenbar noch Zeit für einen Auftritt im deutschen Fernsehen.

Und der Start verlief zunächst etwas kurios, weil Williams erst einmal von Klopp darauf hingewiesen werden musste, dass er seine Sonnenbrille noch aufhatte. Zudem erklärte der designierte Bundestrainer mit breitem Grinsen in seiner typischen Manier: „Als ich ihn das letzte Mal getroffen habe, trug er nur Unterwäsche.“ Weitere Details gab es zu dieser Anekdote nicht. „Das sind zu viele Informationen“, sagte Kerner nur.

Was dann folgte, waren erstaunlich fundierte Einschätzungen, an denen sich manche Experten noch orientieren sollten. „Heute Abend gab es nur Spanien. Von Anfang an waren sie völlig überlegen. Argentinien war wirklich nicht präsent. Es war ein merkwürdiges Spiel. Es war kein flüssiges, schönes Spiel, aber das sind Endspiele ja auch sehr selten“, sagte der Superstar – und fasste die Geschehnisse in fünf Sätzen perfekt zusammen.

Auch zum Abgang Lionel Messis, für den es sehr wahrscheinlich der letzte Auftritt bei einer WM war, fand Williams passende Worte: „Es war sehr bewegend, Messi am Ende zu sehen. Mit Tränen in den Augen. Es fühlt sich so an, als wäre es das letzte Mal, dass wir ihn auf einer internationalen Bühne sehen. Er ist der Beste, den es je gab. Und man weiß ja nie. Vielleicht hat er noch zwei Weltmeisterschaften vor sich.“

Williams kritisiert Einstellung in der Heimat

Nach einer kurzen Schwärmerei über die abgelaufene XXL-WM („Das war meine Lieblings-WM.“), die Expertin Kemme mit einer Einladung zur Frauen-WM im kommenden Jahr in Brasilien verband, wurde der Engländer dann noch zur Leistung der eigenen Nationalmannschaft befragt. Die Mannschaft von Thomas Tuchel wurde zwar Dritter, der deutsche Trainer musste nach dem Halbfinal-Aus gegen Argentinien (1:2) aber einige Kritik aus der Heimat über sich ergehen lassen.

Williams atmete schwer, dann setzte er zu einer kleinen Wutrede auf die Landsleute in seiner Heimat an. „Ich glaube, es gibt ein psychologisches Problem in England. Wir reden uns gegenseitig ein, dass wir es nicht schaffen können. Wir dürfen nicht sagen: ‚Ich kann das. Ich bin derjenige, der das schaffen wird.‘ Wir Engländer fragen stattdessen: ‚Für wen hältst du dich eigentlich?‘“, zeigte der 52-Jährige auf.

England sichert sich in einem epischen Spiel die Bronzemedaille. Zur Pause liegen die Three Lions mit vier Toren vorne, doch dann startet Frankreich eine irre Aufholjagd und rettet sich beinahe in die Verlängerung. Sehen Sie die Highlights hier im Video.

„Wir haben einen Typ, der da vorne steht und sagt: ‚Ich kann das‘. Das ist Jude Bellingham. Und jeder in England versucht, ihn nach unten zu ziehen“, analysierte der Sänger die aus seiner Sicht mangelhafte Einstellung in seinem Land.

Die Kritik an Nationaltrainer Tuchel hält Williams für undifferenziert. „Die englische Presse zerstört Thomas, aber das macht sie mit jedem, der dieses Amt hat. Es ist egal, ob das Thomas ist oder Gareth Southgate oder Eddie Howe“, sagte Williams, der nicht geboren war, als England mit dem WM-Titel 1966 zuletzt einen Triumph feiern durfte.

Williams versucht Klopp, ins Amt des Bundestrainers zu reden

Am Ende seines Auftritts unternahm Williams dann noch einen schmeichelhaften Versuch, Klopp ins Amt des Bundestrainers zu quatschen. Er habe gehört, dass Deutschland einen „charismatischen Anführer braucht, der ein Gewinner ist“. Ganz auf dem neuesten Stand war Williams dabei offensichtlich nicht. Klopp hatte vor der Partie selbst gesagt, dass er kurz davor steht, das Amt zu übernehmen.

„Es ist nichts final“, hatte Klopp gesagt, alle Gespräche gingen aber in diese Richtung: „Ich habe eine Einigung und eine Regelung mit Red Bull gefunden. Eine großzügige Regelung, wenn man so will. Der Sache steht praktisch nichts mehr im Wege.“

Gegenüber Williams zeigte sich Klopp nun noch einmal um Aufklärung bemüht. „Es läuft alles in die richtige Richtung. Wir haben schon darüber gesprochen. Aber ich hatte keine Zeit, das unter Dach und Fach zu bringen (...). Es ist noch nichts unterschrieben“, sagte der ehemalige BVB- und Liverpool-Trainer.

Dann endete der Kurzbesuch in der MagentaTV-Runde. Williams bekam noch einen signierten Fußball als Geschenk überreicht – und seine Sonnenbrille zurück. Die hatte sich Thomas Müller kurzzeitig aufgezogen.

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