Karim Adeyemi ist bei Borussia Dortmund und (vorerst) in der Nationalelf gescheitert. Trotzdem wird er sich jetzt als großer Gewinner fühlen. Vom BVB-Bankdrücker und Nicht-WM-Fahrer zum FC Barcelona – sein Wechsel (bestandener Medizincheck vorausgesetzt) gehört definitiv zu den größten Überraschungen dieses Transfer-Sommers. Und belegt einmal mehr, warum der deutsche Fußball gegen die Wand gefahren ist.
Die Gucci-Generation um Adeyemi und Co. sieht es in Teilen als selbstverständlich an, dass wenig Leistung am Ende noch belohnt wird. Warum für große Ziele gemeinsam schuften, wenn’s doch auch so immer weitergeht? Hauptsache stylish gekleidet und in der Selbstvermarktung weit vorn – das Ego-First-Prinzip als Basis des kollektiven Scheiterns. Adeyemi, 24 Jahre alt, als Sinnbild einer Mentalitätsproblematik, die sie in Dortmund nur allzu gut kennen.
Die Abschiedsworte, die BVB-Boss Lars Ricken zum Trainingsstart spricht, sind wuchtig. „Wir haben – wahrscheinlich auch mit Karim Adeyemi – vier Spieler dann abgegeben. Leider waren das auch alles nicht mehr die Unterschiedsspieler in der letzten Saison“, sagte Ricken.
Der hoch veranlagte Adeyemi hat es in vier Dortmund-Jahren unter keinem seiner Trainer (Sahin, Terzic, Tullberg, Kovac) geschafft, dauerhaft zum echten Unterschiedsspieler zu werden. Sein Marktwert stürzte von 60 auf 40 Millionen Euro ab: 146 Pflichtspiele, 36 Tore (0,24 Treffer pro Partie) – nur 15 Einsätze über 90 Minuten. Wahr ist auch: An guten Tagen kann Adeyemi (gemessene Top-Geschwindigkeit: 36,65 km/h) Weltklasse liefern, an schlechten ist er bedauernswerter Durchschnitt. Beim BVB haben die Kraut-und-Rüben-Tage überwogen. Auch, weil Adeyemi offensichtlich ein Problem mit seiner Selbstwahrnehmung hat.
Er fordert ein Gehalt jenseits der zehn Millionen Euro, schmort beim Anpfiff aber meist nur auf der Ersatzbank. Er hält sich für einen Dribbel-König à la Lamine Yamal (19/gleiche Berater-Agentur), fädelt aber oft schon an Hindernis 2 ein. Seine Ballbehandlung ist mal top, dann beim Erstkontakt wieder schlampig wie in der Kreisklasse.
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Dass zu einem erfolgreichen Spiel auch Defensivarbeit gehört, konnte ihm keiner seiner BVB-Trainer wirklich nachhaltig beibringen. Wie man hört, hat Coach Niko Kovac mit keinem Spieler mehr Einzelgespräche geführt als mit Adeyemi. Ist er beratungsresistent, unkonzentriert oder einfach nur gleichgültig? Fakt ist: Eine Weiterentwicklung hat bei Adeyemi in den Pott-Jahren nicht stattgefunden.
Adeyemi ist auf dem Platz immer zwischen Genie und Phlegma unterwegs – keine planbare Größe für einen Trainer. Auch in der Nationalelf hat er es so bisher nur zu elf Einsätzen (1 Treffer) unter Julian Nagelsmann (38) und zuvor Hansi Flick (61) gebracht. Seine Nichtnominierung für die WM war einfach nur dramatisch und konsequent. Ob das aber zum Aha-Moment für Adeyemi wird?
Karim Adeyemi (r.) in einem Champions-League-Spiel des BVB gegen OSC LilleFür den BVB wird sein Abgang (Gehälter herausgerechnet) zu einer Art Nullsummenspiel: 2022 für 30,5 Mio. Euro aus Salzburg verpflichtet, bringt Adeyemi (Vertrag bis 2027) inklusive Boni jetzt eine ähnliche Ablöse ein. Sauber verhandelt von Sportdirektor Ole Book und Chef Ricken, die insgeheim durchatmen dürften, dass sie die tickende Zeitbombe Adeyemi entschärft haben: Waffenaffäre (Stichwort: Mysterybox), Flaschenwurf, Wechsel-Frust, nächtliche Twitch-Interviews mit Rapper-Frau Loredana, unruhiges Berater-Umfeld – allein in der letzten Saison war Adeyemi ein permanenter Unruheherd und Skandal-Faktor.
Und wie geht es mit Adeyemi weiter? Mit Flick bekommt er in Barcelona einen Trainer, der ihn bestens kennt. Wenn jemand Adeyemis Potenzial nachhaltig heben kann, dann ein Retter-Typ wie Flick. Es bleibt Adeyemi zu wünschen, dass er in Spanien den Durchbruch schafft. Bank-Angestellter war er lange genug. Die Qualität, um La Liga zu begeistern, ist definitiv vorhanden. Mehr Eigenmotivation wird schlussendlich aber zwingend notwendig sein.
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