Frankreich hat es erwischt. Jene Mannschaft, die bei dieser WM so begeistert hat und bereits vor dem Turnier als Favorit auf den Titel galt. Vor dem Halbfinale gegen Spanien umso mehr. Bei einer Umfrage auf dieser Website legten sich 79 Prozent auf die Franzosen als Sieger fest. Nun, es kam anders. Ganz anders. Am eigenen Nationalfeiertag hat Frankreich kapituliert und gegen den Europameister verdient 0:2 (0:1) verloren.

Es war ein merkwürdiges Spiel, in dem Frankreich alle guten Eigenschaften widerlegte, die seiner Mannschaft in den vergangenen Wochen völlig zurecht nachgesagt wurden. Da wäre zum einen die starke Defensive, die in zuvor drei K.-o.-Spielen noch kein Gegentor zugelassen hatte. Gegen Spanien aber leistete sich die Abwehr Unzulänglichkeiten, mit denen man schlicht nicht Weltmeister wird.

Vor dem 0:1 per Elfmeter durch Mikel Oyarzabal gab es ein selten klares und überflüssiges Foul, weil Linksverteidiger Lucas Digne seinen Gegenspieler Lamine Yamal einfach nicht wahrnahm und statt des Balls den spanischen Junior trat. Vor dem 0:2 reichte ein einfacher Doppelpass, um die komplette spanische Abwehr auszuhebeln. Dass Pedri dabei so frei stand, war auch der Verweigerung des eingewechselte Manu Koné geschuldet, den Laufweg mit seinem Gegner mitzugehen. Er blieb einfach stehen.

Die spanische Nationalmannschaft erhöht gegen Frankreich. Pedro Porro leitet den Angriff selbst ein, spielt auf Dani Olmo, der den Ball unter Druck genial ablegt. Frei vor dem Tor schiebt Porro zum 2:0 ein. Sehen Sie das Tor hier im Video.

Kylian Mbappé schüttelte bei dieser Szene ungläubig den Kopf, ehe er schnell anfeuernd in die Hände klatschte. Hier geht noch was, sollte das bedeuten. Doch es ging nichts, weil auch die gefeierte Offensive gegen die geschickt und hart verteidigenden Spanier so gut wie keinen Stich sah.

Olises zweite bittere Halbfinal-Schlappe

Mbappé weitestgehend wirkungslos, Ousmane Dembélé und Michael Olise zwischen ratlos und überfordert. Es war nichts zu sehen von den berühmten Steckpässen, den Rochaden um den Strafraum oder den gefährlichen Dribblings, welche die Zuschauer bei dieser WM so begeistert hatten. Diesmal war Spaniens Defensive um den einmal mehr starken Linksverteidiger Marc Cucurella zu gut. Sie zermürbten Frankreich, nahmen dem Gegner Lust und Elan.

Wer Olise bereits als Weltfußballer sah, muss sich noch ein wenig gedulden. Seine Auswechslung in der 72. Minute war folgerichtig und besiegelte den zweiten bitteren Halbfinal-Abend des Bayern-Profis binnen weniger Wochen. In der Champions League war Olise im Rückspiel gegen Paris Saint-Germain ebenso blass geblieben und konnte das Ausscheiden nicht verhindern.

Und auch der zurecht hochgelobte Trainer Didier Deschamps konnte bei seiner letzten Mission nicht entscheidend eingreifen. Er versuchte es, war schon zur Pause bedient und nahm etliche Wechsel vor. Doch sie alle verpufften. Und so rätselte auch er über die Fehler seiner Mannschaft: „Es war einfach zu wenig, das hat nicht gereicht. Spanien war einfach besser und hat das Spiel kontrolliert.“

Am Ende steht ein unzweifelhaftes Fazit: Das wahrlich nicht spektakuläre Spanien steht verdient im Finale, Frankreich verdient im Spiel um Platz drei. Obwohl, dieses Spiel hat eigentlich keiner verdient.

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