Debattieren Sie mit!

  • Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.
Jetzt registrieren

Bereits registriert? Hier anmelden

Rund um die Kadernominierung von Julian Nagelsmann entstehen ganz ähnliche Diskussionen wie bei der Walrettung. Und: Familien-Drama im Modeimperium. Die Lage am Morgen.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

Sie haben es sicherlich mitbekommen: Der Wal ist tot, schon seit dem Wochenende. Jener Wal, der erst vor Timmendorf und dann vor der Insel Poel gestrandet war, dem Medien und Aktivisten Namen gegeben hatten, dem Wissenschaftler keine Überlebenschance einräumten und den eine private Rettungsinitiative nach wochenlangem Hin und Her doch in die Nordsee gebracht hatte. Nun liegt sein Kadaver vor der dänischen Insel Anholt.

Harter Themenwechsel: Julian Nagelsmann hat gestern seinen Kader für die Fußball-WM, die am 11. Juni beginnt, vorgestellt. Die 26 Spieler, die er mitnehmen möchte zum Turnier in den USA, Mexiko und Kanada. Und seit Tagen schon erleben wir ganz ähnliche Diskussionen wie im Fall des Buckelwals aus der Ostsee.

Alle meinen, es besser zu wissen als Wissenschaftler und Bundestrainer

Das Thema Buckelwal hat sich nämlich gerade noch rechtzeitig erledigt, damit sich Tausende von vermeintlichen Meeresbiologen als Bundestrainer betätigen können. Jeder weiß ganz genau, warum dieser Spieler unbedingt hätte dabei sein müssen und jener auf keinen Fall hätte nominiert werden dürfen. Wer im Tor stehen und wo Joshua Kimmich spielen muss. Warum die deutsche Nationalmannschaft mit diesem Kader keine Chance bei der Weltmeisterschaft hat und Nagelsmann ohnehin der Falsche für den Job ist.

Gefühlt ist das Land voll von Universalgelehrten, deren Expertenwissen sich in den vergangenen Jahren über die Felder Virologie, Verfassungsrecht, Nahost-Konflikt und Meeressäuger erstreckte. Und erst recht auf solch ein profanes Thema wie Fußball. Einschätzungen von Experten werden nur noch als bloße Meinungen wie jede andere behandelt, ein jeder meint, es besser zu wissen.

So war es beim Buckelwal: Anerkannte Wissenschaftler hatten das Tier aufgegeben, weitere Rettungsversuche als „Tierquälerei“ bezeichnet. Es folgten Proteste, KI-Songs, eine obskure Rettungsinitiative und schließlich eine Rettung, bei der man heute davon ausgeht, dass sie dem Tier nur weitere Schmerzen bereitet hat. Das hätte alles nicht sein müssen, hätte man an den Empfehlungen derer festgehalten, die wissen, wovon sie reden.

So ist es auch beim Thema Nationalmannschaft: Seit Wochen geisterte der Name Manuel Neuer durch die Medien, immer deutlicher zeichnet sich ein Comeback des Torwarts im DFB-Tor ab. Offiziell bestätigt wurde es erst gestern. Im Netz und an den Stammtischen hat allerdings längst jeder eine Meinung zu dem Thema – und ja, natürlich gilt das auch für Journalisten. Nagelsmann kann es kaum richtig machen. Wirklich relevant für die Bewertung seiner Entscheidungen wird ohnehin ausschließlich das Abschneiden bei der WM sein.

Womöglich gab es dieses Phänomen der Besserwisserei schon immer, und es wird nur durch das Internet und soziale Online-Netzwerke gebündelt. Und die Pandemie hat viele Hemmungen fallen lassen. Das ständige Meckern passt aber auch zum wachsenden Misstrauen gegenüber Institutionen und Eliten. Kritisches Denken ist gut – aber lasst doch auch einfach mal die Fachleute die Arbeit machen, für die sie zuständig sind. Das hat nämlich meistens einen guten Grund.

Unfall oder Mord? Das Drama in der Modedynastie

Isak Andic, Gründer des Moderiesen Mango, war einer der reichsten Menschen Spaniens. Sein Vermögen wurde auf rund 4,5 Milliarden Euro geschätzt. 2024 starb Andic im Alter von 71 Jahren bei einer Bergwanderung. Sein Sturz aus 100 Metern Höhe sei ein Unfall gewesen, hieß es.

Diese Version bekommt Risse: Sein Sohn Jonathan Andic, Erbe von Mango, geriet in Verdacht, in dieser Woche wurde er verhaftet. Der heutige 45-jährige Andic junior soll für den Tod seines Vaters verantwortlich sein, verschiedene Indizien sprechen gegen ihn. Dahinter steckt ein ganzes Familiendrama, das klingt wie eine besonders blutige Folge von „Succession“ oder eine Neuauflage von „House of Gucci“.

Familiendrama im Modeimperium Lange sah es wie ein Unfall aus, doch nun steht der Erbe unter Mordverdacht

5-Minuten-Talk: Was wird aus der Rente mit 70?

Als gestern die Meldung die Runde machte, die Rentenkommission wolle eine Rente mit 70 vorschlagen, war der Aufschrei groß. Auch innerhalb der schwarz-roten Koalition herrschte helle Aufregung. Was wirtschaftlich notwendig sein mag, erscheint menschlich wie eine Zumutung.

Das hilft es wenig, dass die Kommission umgehend dementierte, dass man sich bereits auf eine Empfehlung festgelegt hat. Was aber steckt hinter der Indiskretion – und welche Folgen hat sie?

Weitere Schlagzeilen im Überblick

  • US-Präsident Trump will 5000 Soldaten mehr in Polen stationieren
  • Kommission billigt Bau von Trumps Triumphbogen
  • Legendäre „Ente“ kommt als E-Auto zurück

Das passiert am Freitag, dem 22. Mai 2026

  • Der Bundestag stimmt über eine Apothekenreform ab. Das Gesetz soll unter anderem zusätzliche Leistungen für Patienten ermöglichen – etwa Vorsorge-Angebote und Impfungen.
  • Die Außenminister der Nato-Staaten bereiten in Schweden den Bündnisgipfel im Sommer vor. Auch US-Außenminister Marco Rubio wird in Helsingborg erwartet.
  • Rot-Weiß Essen will in die 2. Liga aufsteigen, Greuther Fürth den Klassenerhalt sichern. Beide Klubs treffen um 20.30 Uhr im Hinspiel der Relegation aufeinander.

Unsere stern+-Empfehlung des Tages

Beim Yin Yoga werden Positionen minutenlang ruhig gehalten, um eine möglichst tiefe Dehnung zu erreichen. Warum das gegen Stress helfen kann – und wie Sie anfangen können.

Yin Yoga gegen Stress Machen Sie am besten so wenig wie möglich!

Wie hat Ihnen dieser morgenstern gefallen? Schreiben Sie es mir gerne: eugen.epp@stern.de. Sie können dieses Morgen-Briefing auch als Newsletter in Ihr Postfach erhalten. Melden Sie sich einfach unter folgendem Link an.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag! 

Eugen Epp

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke