Nach der Rückkehr von Manuel Neuer als Nummer eins ins Tor der deutschen Nationalmannschaft gehen die Meinungen der Fußball-Experten auseinander. Während Lothar Matthäus die Entscheidung von Julian Nagelsmann begrüßte, sieht Stefan Effenberg in Neuers Comeback zur WM ein großes Risiko.
„Wir haben ja gefordert, er soll die besten Spieler mitnehmen zur Weltmeisterschaft. Und Manuel ist nach wie vor, auch aufgrund der gezeigten Leistung in den letzten Monaten, einer der besten Torhüter der Welt“, sagte Matthäus in der „Bild“-Sendung „Lothar legt los“. Und weiter: „Es tut es mir ein bisschen leid für Oliver Baumann, aber Leid braucht keiner. Es wird nach Leistung gegangen.“
Der Rekordnationalspieler hob neben der sportlichen Leistung auch die Aura Neuers hervor: „Wenn Vinicius auf ihn zugelaufen ist, dann hat er einen kleinen Strich hinten in der Hose gehabt. Und deswegen glaube ich, dass Manuel Neuer für diese deutsche Nationalmannschaft mit seiner Erfahrung, mit seiner Qualität, aber vor allem auch mit seiner Persönlichkeit ein Riesengewinn ist.“
Ex-Profi Effenberg sieht in Neuers Rückkehr hingegen wegen des Alters ein Risiko. „Denn die Fitness und Gesundheit des mittlerweile 40-jährigen Neuer ist stets ein Thema“, schrieb Effenberg in seiner Kolumne für das Nachrichtenportal „t-online“. „Nicht ohne Grund stand er nur in 37 von 54 Saisonspielen auf dem Platz.“ Erst im letzten Saisonspiel des FC Bayern war Neuer wegen Waden-Beschwerden ausgewechselt worden.
Jetzt ist der Kader offiziell! Bundestrainer Julian Nagelsmann hat sein Aufgebot für die Weltmeisterschaft bekannt gegeben. Mit dabei ist auch Torhüter Manuel Neuer.Effenberg warnt vor einem Ausfall des Torhüters in der Turnier-Vorbereitung, die Nagelsmann in Nöte bringen würde. „Dann kann ihm diese Entscheidung noch auf die Füße fallen. Neuer soll offensichtlich seine Trumpfkarte für das Turnier sein – wenn er diese aber verliert, hat er nichts mehr“, schrieb Effenberg.
Matthäus insgesamt zufrieden mit Nagelsmann
Matthäus sieht das anders. Er erwartet von Hoffenheims Baumann, dass sich dieser im Fall eines Neuer-Ausfalls voll reinhängt. „Das verlange ich von einem Torhüter, dass er sofort da ist. Das muss funktionieren. Der hat keine Anlaufzeit. Es verletzt sich ja auch im Spiel häufig mal ein Torhüter. Und dann muss er ausgewechselt werden. Dann muss der Ersatztorwart da sein, dann muss er bereit sein“, sagte Matthäus.
Nagelsmanns Kommunikation in der Causa Neuer/Baumann nahm Matthäus in Schutz. Der Bundestrainer hatte ein Comeback Neuers öffentlich lange ausgeschlossen, bei der Kaderbekanntgabe am Donnerstagmittag aber gesagt, dass er Baumann schon im März über ein Treffen mit Neuer unterrichtet hatte. „Man muss sich in Nagelsmanns Position hineinversetzen und natürlich kann er nicht sagen, wir holen Manuel Neuer zurück. Aber dass man sich mit ihm beschäftigen muss, das waren ja auch die Forderungen von uns, von der Öffentlichkeit“, sagte Matthäus. „Durch seine Spiele gegen Real Madrid, gegen Paris in der Champions League wurde er in der ganzen Welt ausgestrahlt. Wenn er dann auch von seiner Seite aus ein Zeichen setzt, dass er spielen will, hätte die ganze Welt über uns gelacht, wenn wir diesen Torwart zu Hause gelassen hätten.“
Insgesamt zeigte sich Matthäus zufrieden mit der Auswahl Nagelsmanns. „Das sind im Großen und Ganzen die besten Spieler, die wir in Deutschland haben. Deswegen gebe ich jetzt mal vorsichtshalber Note Zwei. Eine Eins kann ich nicht geben, weil ich das eine oder andere anders gemacht hätte“, sagte der 65-Jährige. Unter anderem fehlt Matthäus der Kölner Said El Mala im Kader. „Ich hätte ihn gerne dabei gesehen“, sagte er.
Stattdessen ist Galatasarays Leroy Sané dabei. Matthäus hätte ihn nicht nominiert: „Er ist nicht einmal Stammspieler bei Galatasaray. Er hat die Erwartungen nicht erfüllt.“ In der Nationalmannschaft habe er zwar einzelne Weltklasseleistungen gezeigt wie in der WM-Qualifikation gegen die Slowakei (6:0). „Aber langt das?“, fragte Matthäus.
Auch der Freiburger Matthias Ginter fehlt Matthäus – etwa als Backup als Rechtsverteidiger für Joshua Kimmich. „Julian Nagelsmann hätte keinen Fehler gemacht, wenn er Matthias Ginter mitgenommen hätte“, sagte Matthäus.
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