Der Blick geht nach vorn. Die Bayern im DFB-Pokalfinale am Samstag gegen den VfB Stuttgart (20.00 Uhr, im Sport-Ticker der WELT). Entertainer Harald Schmidt freut sich sehr darauf („Und wie!“), wie er im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ kundtat. „Ich gehe ja auf jeden Fall als Gewinner vom Platz“, sagte er.
Der 68-Jährige ist Mitglied beim FC Bayern und beim VfB Stuttgart. Das kam so: „Thomas Helmer war einer der ersten Bayern-Spieler, die zu Gast in meiner Show waren“, erzählte Schmidt in dem Gespräch, „er hat eine Mitgliedschaft ins Studio mitgebracht. Und beim VfB Stuttgart bin ich Mitglied, weil mich Hansi Müller mal in der Tiefgarage im Neckarstadion erwischt hat.“ Es habe „kein Entkommen“ gegeben, berichtete Schmidt: „Keine Chance! Wir sind im selben Jahr geboren: 1957. Ich mag beide Mannschaften, fürchte aber, dass da eine rote Sturmfront auf den VfB zurollt. Ich als Zuschauer lerne ja gerade mit Begeisterung die neuen Fußballsätze wie: Das ist nicht zu verteidigen!“
Schmidt blickte aber auch auf andere Bereiche des Fußballs. Die TV-Legende über ...
… die Rückkehr von Manuel Neuer ins Tor der deutschen Nationalmannschaft bei der WM: „Der Bundestrainer nähert sich dem Bundeskanzler an: Leistung Weltklasse, verbesserungsbedürftig. Nach meiner langjährigen Erfahrung als größter Schmutzwerfer der Nation behaupte ich: Julian ist medial angezählt. Sein Desaster-Auftritt war jener im ,Aktuellen Sportstudio‘. Ich wundere mich, dass der Julian, was Interviews angeht, nicht besser geschult ist, obwohl seine Gattin doch bei der ‚Bild‘-Zeitung gearbeitet hat. Aber die Lust scheint groß zu sein, ihn medial weichzuklopfen. Sobald man mit dem Vornamen genannt wird, ist es kritisch. Alle Welt spricht von dem Julian. Das Ende von Laschet war, als er der Armin wurde.“
… was er von der DFB-Elf bei der WM erwartet: „Wir haben schon gute Leute. Trotzdem fürchte ich: Für den Julian wird es eng, wenn es ein bisschen wackelt in Übersee. Aber zumindest politisch, finde ich, könnte die Nationalelf ein Zeichen setzen: Die Spieler sollten im ersten Gruppenspiel nicht mit Kindern an der Hand einlaufen, sondern mit Rentnern. Um den demografischen Wandel zu unterstützen. Ich freue mich jedenfalls jetzt schon auf eine politisch verrutschte Aktion der Nationalspieler vor dem ersten Spiel!“
… über das Geheimnis und die Magie von Bayern Münchens Erfolgstrainer Vincent Kompany: „Kompany ist ein Kosmopolit. Die Vielsprachigkeit gibt ihm eine Sicherheit. Er switcht ja einfach mal auf Französisch oder Englisch. Und auch seine Biografie hat ihm Stabilität verschafft. Der Vater ist aus dem Kongo geflüchtet, das heißt: Der Sohn hat zu Hause schon auch mitbekommen, welche Härten das Leben bringen kann. Und dann kommt noch seine Weltkarriere als Spieler hinzu: Er war jahrelang Kapitän unter Pep Guardiola. Da kann man sich doch vorstellen, welchen Eindruck er in der Kabine hinterlässt. Kompany besitzt eine Gabe wie ein Top-Schauspieler, der Ihnen, bevor Sie zur Premiere auf die Bühne müssen, zwei Sätze zuraunt. Die haben vielleicht gar nicht viel mit dem Stück zu tun, aber in ihnen spiegelt sich dann die Meisterschaft.“
… warum Kompany seinen Spielern das Gefühl vermitteln kann, sie müssten sich auf Real Madrid vorbereiten wie auf den FC St. Pauli: „Weil er es eben draufhat! Genau wie Carlo Ancelotti damals bei Real Madrid. Er hat auch nie gesagt: Übrigens, Cristiano, achte mal darauf, dass dein rechter Fuß etwas weiter nach unten zeigt. Ein Ancelotti sorgt dafür, dass die Stars bei Laune bleiben. Er ist auch der einzige Mensch, von dem ich Kaugummikauen ertragen kann. Ich mag überhaupt diesen Typ Trainer: Man fliegt morgens bei Chelsea raus und unterschreibt am Nachmittag in Neapel. Emotionslos geht man vom Hof. Die Abfindung regeln die Anwälte. Einfach rein in den Privatjet. Und schon heißt es: aus Heimwehgründen – Ancelotti Nationaltrainer in Brasilien! Kann man ja verstehen. Ich habe gerade einen Bericht gesehen über den Trainingscampus in Brasilien. Der ist so schön, da will man gar nicht mehr raus!“
… warum es nicht geklappt hat, dass vor ein paar Jahren bei den Bayern Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić als Vorstände installiert wurden und alle dachten: Jetzt hat Uli Hoeneß den Hof übergeben: „Haben Sie nie ,Der Pate‘ gesehen? Der FC Bayern ist sein Leben! Alle anderen sitzen in der Loge und brezeln sich auf. Uli Hoeneß sitzt da in einer Adidas-Jacke und mit einem Bayern-Schal. Und wenn es schneit, schippt er an der Säbener Straße Schnee. Nicht für die Fotografen. Er will einfach nicht, dass da Schnee liegt! Ich freue mich, wenn ich täglich zwei Interviews von ihm lese. Dazu nimmt er noch einen Podcast auf. Oder er ruft live im Fernsehen an. Das Gute an Hoeneß ist: Er haut die Dinger raus. Und er weiß, wovon er redet. Wenn der Sportdirektor Freund und der Trainer Kompany im Sommer extra zu ihm rausfahren an den Tegernsee, dann sagt er: Ihr kriegt keinen Xavi! Aber ihr könnt gerne noch ein Stück Apfelkuchen haben. Ich weiß gar nicht, ob der Vinz, wie Hoeneß ihn natürlich nennt, Apfelkuchen mag?“
… über den ehemaligen Leverkusen-Manager Reiner Calmund und dessen Trainer Christoph Daum (†), der damals wegen einer Kokain-Affäre in Verruf geriet: „Wenn es bei uns in der Sendung thematisch trübe war, habe ich oft einfach Callis Namen als Pointe reingeworfen – und dann wurde sicherheitshalber gelacht. Calli ist ein super Typ! Allein sein Satz damals zu Christoph Daum (spricht mit rheinischem Dialekt) rund um die Koks-Affäre: ‚Sach, datte krank bist, dann verzeih isch dir …‘ Von dem Satz haben wir zwei Wochen gelebt! Ich habe alle fünf Minuten zu Helmut Zerlett gesagt: ‚Sach, datte krank bist, dann verzeih isch dir …‘ Irgendwann war ich auf dem Geburtstag von Waldi Hartmann, drei Tische weiter saß Calli. Ich sagte hallo, und er machte so (winkt mit einem Zeigefinger). Souverän! Es gab damals nur zwei Kategorien für uns: Welcher Gag bietet sich an? Und wer ist fällig? Wir haben niemals auf kleine Leute eingehauen. Nur auf Millionäre und Leute, die im Fernsehen stattfinden und sich aus dem Fenster lehnen. Aber für ‚Sach, datte krank bist, dann verzei isch dir …‘ hätten wir dem Calli eigentlich eine Kiste Wein schicken müssen. Genialer Satz! Damit müsste Friedrich Merz mal Trump kommen im Weißen Haus.“
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