Mit Ausbootungen vor dem sportlichen Highlight der Karriere hat auch Oliver Kahn so seine Erfahrungen gesammelt. Vor der als Sommermärchen 2006 in die Historie eingegangenen Weltmeisterschaft im eigenen Land wurde der Torwart, der sich den Spitznamen „Titan“ erworben hatte, zur Nummer zwei degradiert. Zwei Monate vor dem Turnierstart erfuhr Kahn seinerzeit von Bundestrainer Jürgen Klinsmann, dass er das Nachsehen gegenüber Jens Lehmann habe. Der überehrgeizige Bayern-Torwart fügte sich der Rolle und fuhr als Ersatzmann zum globalen Kräftemessen, das Deutschland auf Platz drei beendete.
Mithin ist einer wie Kahn bestens in der Lage, das sich nun anbahnende Last-Minute-Comeback von Manuel Neuer in den deutschen Kasten während der Weltmeisterschaft bestens einzuschätzen – und auch die Rolle des in diesem Fall leidtragenden Keepers, dem Hoffenheimer Oliver Baumann, adäquat einschätzen zu können. In der bei Sport 1 ausgestrahlten Sendung „Doppelpass“ bezog der heute 56-Jährige am Sonntagmorgen jedenfalls ausgiebig Stellung zu der in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierten Debatte.
Oliver Kahn (l.) und Jens Lehmann während der WM 2006„Wenn Julian sich jetzt auf einmal Gedanken macht, hier noch mal schnell einen Torwarttausch vorzunehmen, dann ist das natürlich schon abenteuerlich“, befand Kahn deutlich. „So eine Entscheidung hat ja nicht nur eine Ausstrahlung auf die Torhüter, vor allem auf Oliver Baumann, sondern auch auf die Mannschaft selbst. Die wird sich auch die Frage stellen: Wie glaubwürdig, wie verlässlich sind denn jetzt Aussagen, wenn sie hier in Zukunft kommen?“, fragte Kahn.
In vier Wochen beginnt die WM in den USA, Kanada und Mexiko. Bislang war Baumann als Stammkraft im Kasten gesetzt, der Hoffenheimer hatte auch während der Qualifikation im Tor gestanden. Dass nun erneut über Neuers Comeback, der 2024 zurückgetreten war, debattiert wird, überraschte viele Experten wie Kahn.
„Es wird immer zuerst der Spieler kontaktiert“
Nagelsmann selbst vermied es, zwölf Stunden vor dem „Doppelpass“ im ZDF-„Sportstudio“ eine klare Aussage in der Causa zu treffen. „Ich halte an meiner Eingangsthese fest, dass ich das Gespräch mit dem Spieler zuerst suche, mit allen. Ganz unabhängig, wie er heißt. Es wird immer zuerst der Spieler kontaktiert. Das hat noch nicht stattgefunden“, eierte der Bundestrainer herum.
Julian Nagelsmann und Oliver Kahn (l) (Archivbild)„Ich glaube, es war ja eigentlich immer relativ klar, dass Oliver Baumann die Nummer eins im deutschen Tor sein wird“, fasste Kahn zusammen. Der TV-Sender Sky dagegen hatte Neuers Rückkehr bereits als fix vermeldet, sofern in den kommenden Tagen nichts Außergewöhnliches passieren werde und sich der Weltmeister von 2014 beim 5:1 gegen den 1. FC Köln nicht schwerer an der Wade verletzt habe. „Wenn Nagelsmann geplant hat, Neuer mitzunehmen und jetzt kann er nicht, weil er verletzt ist, was erzählst du jetzt dem Oliver Baumann?“, so Kahn. „Den machst du jetzt stark für die WM, dass der mit Selbstvertrauen im deutschen Tor steht. Ja, viel Spaß und guten Flug“, ergänzte der frühere Weltklassetorwart.
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