Einmal als Spieler bei einer WM dabei sein. Gegen die Stars von Brasilien antreten und die legendären Gesänge der schottischen Fans erleben. Für die meisten Spieler der deutschen Oberligen bleibt das für immer ein Traum. Oder ein Erlebnis an der Playstation.
Nicht für Josué Duverger. Der 26-Jährige erlebt in diesem Sommer ein wahres Fußball-Märchen. Sein Traum wird wahr: Er zählt zum 26 Spieler umfassenden Aufgebot Haitis für die am 11. Juni beginnende WM in den USA, Kanada und Mexiko. Das gab der nationale Fußball-Verband Freitagabend bekannt. Der Torwart spielt für den FC Cosmos Koblenz in der Oberliga – und könnte nun plötzlich auf der ganz großen Fußballbühne stehen.
Von Koblenz zur WM – es ist eine verrückte Geschichte. Normalerweise spielt Duverger in der fünften Liga gegen den TSV Gau-Odernheim oder Hertha Wiesbach. Jetzt geht es gegen große Gegner mit einigen Stars aus den besten Ligen der Welt. Duverger ist einer von drei nominierten Torhütern, die mit Haiti zur WM reisen.
Wie die WM 1974 für Haiti lief
Bei dem Weltturnier ist Haiti in seiner Vorrundengruppe krasser Außenseiter. Gegner sind Rekordweltmeister Brasilien, WM-2022-Halbfinalist Marokko und Schottland. Die Schotten sind am 14. Juni in Boston erster Kontrahent der Auswahl des Karibikstaates. Haiti ist erstmals seit dem Turnier 1974 in Deutschland wieder bei einer WM dabei.
Damals startete die Mannschaft optimal ins Turnier, ging gegen Italien 1:0 in Führung. Doch es reichte nicht. Sie schied nach drei Niederlagen und 2:14 Toren in der Vorrunde aus: 1:3 gegen Italien, 0:7 gegen Polen und 1:4 gegen Argentinien. Alle Partien stiegen im Münchner Olympiastadion.
Mit Wilner Nazaire vom französischen Zweitligaklub FC Valenciennes gehörte lediglich ein in Europa unter Vertrag stehender Spieler zum Aufgebot. Der Weltverband Fifa schreibt auf seiner Internetseite: „Dabei spielten sich die Haitianer bei ihrer ersten Teilnahme an einer WM-Endrunde in die Herzen der Fans, insbesondere in die der deutschen Anhänger, die den krassen Außenseiter nach Kräften unterstützten.“
24. Juni 1974, WM in Deutschland: Polen siegt in München 7:0 gegen HaitiJetzt ist wieder WM-Stimmung in Haiti – und in Koblenz. Für den Torwart ist das Ganze selbst Monate nach der gelungenen Turnier-Qualifikation kaum zu realisieren. „Es ist immer noch schwierig, es sind jede Menge Emotionen“, sagte Duverger: „Es ist ein sehr großer Erfolg in meiner Karriere. Ich habe es noch nicht realisiert, aber ich denke, je näher der Wettbewerb kommt, desto eher verstehe ich es.“
Zwei Premier-League-Spieler im Team
Zwei seiner Nationalelf-Kollegen spielen in der Premier League und verdienen ein Vielfaches seines Gehalts: der Stürmer Wilson Isidor vom AFC Sunderland und Mittelfeldprofi Jean-Ricner Bellegarde von den Wolverhampton Wanderers.
Der Stolz von Koblenz: Torwart Josué Duverger (l.) mit Admir Softic, Geschäftsführer des FC CosmosDie Nachricht der Nominierung sorgt in seinem Klub und Umfeld für Freude und Euphorie. Dass Duverger dabei ist, sei „eine große Ehre für unseren Verein und ein stolzer Moment für die gesamte Gemeinde“, schreibt sein Klub auf der Homepage.
„Für uns ist er nicht nur ein Torwart. Er ist ein Vorbild an Haltung, Charakter und Bescheidenheit. Jemand, der zeigt, was möglich ist, wenn man an sich glaubt. Wir sind unglaublich stolz auf seine Geschichte und auf das, was jetzt vor ihm liegt“, heißt es vom Fünftligaklub aus Rheinland-Pfalz: „Wir supporten dich. Für Haiti. Für die WM. Und für deinen nächsten großen Schritt.“
Und weiter: „Es ist nicht nur eine persönliche Auszeichnung, sondern auch eine außergewöhnliche Geschichte, die zeigt, wohin harte Arbeit, Glaube und Entschlossenheit führen können. Genieße jeden Moment dieser einmaligen Reise, die gesamte Cosmos Familie steht hinter dir!“
Geboren wurde Duverger in Kanada, seine Wurzeln liegen in Haiti. Fußballerisch ausgebildet wurde er in Portugal, unter anderem im Nachwuchs des Traditionsklubs Sporting Lissabon. Zuletzt spielte er in der dritten portugiesischen Liga – ehe er ablösefrei nach Koblenz wechselte. Ein Freund überzeugte ihn vom Projekt beim FC Cosmos.
„Am Ende ist es einfach Fußball“
Er lebt mit Partnerin und Kind in Rheinland-Pfalz. Die Umstellung war groß. „Im Vergleich mit Portugal ist es sehr, sehr kalt, aber ich mag es. Es ist eine ruhige Stadt. Es ist schön hier, der Rhein, die Umgebung, es ist sehr schön.“
Duvergers Botschaft: „Ich denke, für die jungen Spieler, die anfangen, Fußball zu spielen, ist das Wichtigste, dass sie an sich glauben und hart arbeiten. Alles ist möglich.“
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