Rund sechs Minuten waren noch zu spielen. Genügend Zeit, um dem Spiel noch eine Wende zu geben. Aber an genau dieser, so hatte es am Sonntagnachmittag den Anschein, waren weder der Gastgeber, der Greifswalder FC, noch die Gäste vom 1. FC Lok Leipzig interessiert.
In der Partie, die am vorletzten Spieltag in der Regionalliga Nordost 1:1 endete, hatte Tristan Wagner Greifswald nach vier Minuten in Führung gebracht. Leipzig rutschte dadurch in der Tabelle auf Platz zwei hinter Carl Zeiss Jena. In der 65. Minute aber gelang den Gästen durch Ayodele Adetula der Ausgleich und damit der Sprung zurück an die Tabellenspitze. Mit einem weiteren Tor hätten die Leipziger den Vorsprung wieder auf zwei Punkte ausbauen können, liefen aber gleichzeitig Gefahr, bei einem erneuten Gegentor auf Platz zwei zurückzufallen, wodurch die Sachsen die Meisterschaft am letzten Spieltag nicht mehr in eigener Hand gehabt hätten.
Und so riskierte die Mannschaft von Trainer Jochen Seitz nicht mehr allzu viel. Weil auch Greifswald als Tabellen-15. mit dem Punkt leben konnte, bedeutete er doch den sicheren Klassenerhalt – Greifswald hat drei Punkte mehr und ein um elf Treffer besseres Torverhältnis als der Tabellen-16. FC Meuselwitz –, verständigten sich beide Seiten auf eine Art Nichtangriffspakt. Sie stellten das Fußballspielen ab der 85. Minute quasi ein. Während Greifswald den Ball nur noch durch die eigenen Reihen schob, griff Leipzig nicht mehr an. So liefen die Minuten ohne weitere Ereignisse bis zum Abpfiff herunter.
„Wir wollten kein Risiko eingehen“, sagt der Lok-Trainer
Leipzig kann am letzten Spieltag nun gegen den 1. FC Magdeburg II die Meisterschaft fix machen – und damit als Sieger der Nordost-Staffel die zwei Relegationsspiele mit dem Vertreter der Regionalliga Bayern (Würzburger Kickers) um den Aufstieg in die Dritte Liga absolvieren.
„Das hat mit Sportsgeist wenig zu tun. Das ist peinlich und nicht gut für die Regionalliga Nordost“, sagte MDR-Kommentator Alex Küpper in seinem Beitrag. Auch in den Sozialen Medien wurde das Verhalten beider Teams heftig kritisiert.
Leipzigs Trainer Seitz sagte nach Angaben des Portals „liga3-online.de“ nach der Partie: „Greifswald hatte Ballbesitz. Wir haben dann keine Veranlassung mehr gesehen, vorne draufzugehen, denn wir wollten kein Risiko eingehen. Und wenn beide mit einem Unentschieden zufrieden sind, ist es absolut legitim, den Punkt mitzunehmen.“ Greifswald-Coach Björn Lipfert sagte: „Wenn du nicht gewinnen kannst, darfst du nicht verlieren. Das war heute unser Motto. So ist dann der Fußball.“ Etliche Fans quittierten das Gebaren auf dem Platz mit Pfiffen, von Carl Zeiss Jena gab es bis Montagmorgen keine Reaktion.
Ein Spiel mit einem faden Beigeschmack – und es weckte Erinnerungen, etwa an ein Spiel bei der WM 1982.
Nach dem 1:2 gegen Algerien musste Deutschland zum Vorrundenabschluss gegen Österreich gewinnen, um nicht vorzeitig die Heimreise antreten zu müssen. Ein Sieg mit ein bis zwei Toren Unterschied, so die Ausgangslage vor der Partie, würde sowohl Deutschland als auch Österreich in die nächste Runde bringen, während Algerien ausscheiden würde.
In der elften Minute erzielte Horst Hrubesch am 25. Juni 1982 im Stadion von Gijon das 1:0 für Deutschland. Nach diesem Tor aber stellten beide Mannschaften das Fußballspielen dann weitestgehend ein. Es wurde sich nur noch der Ball hin- und hergeschoben, ohne ernsthafte Angriffsbemühungen. Das Publikum in Gijon reagierte mit Pfiffen, ARD-Kommentator Eberhard Stanjek stellte aus Protest die Kommentierung ein. Als Konsequenz änderte der Weltverband Fifa im Anschluss die Gruppenphase und beschloss, dass die letzten Spiele einer Gruppe seither zeitgleich angepfiffen werden.
Mit Blick auf die Regionalliga Nordost ist die Konstellation nun folgende: Leipzig und Jena, das 2:0 in Halle gewann, gehen punktgleich mit 69 Zählern ins Saisonfinale am Sonntag um 14.00 Uhr. Lok hat das um vier Treffer bessere Torverhältnis (+32) gegenüber Verfolger Jena (+28). Leipzigs Gegner Magdeburg steht auf Tabellenplatz neun, Jena tritt zu Hause im Thüringer Derby gegen das drittplatzierte Rot-Weiß Erfurt an.
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