Es ist der wahrgewordene Albtraum eines Sportlers. Kurz vor dem Start, aber immer noch rechtzeitig genug, um nicht in Hektik zu verfallen, drückt die Blase, ein vermeintlich kurzer Gang auf die Toilette – und dann öffnet sich die Tür nicht mehr. Die Uhr tickt, der Wettkampfstart rückt näher, aber die Tür bleibt verschlossen.
So erging es jetzt Kanu-Olympiasieger Tom Liebscher-Lucz beim Weltcup-Start in Szeged/Ungarn. Der 32-Jährige saß eine halbe Stunde vor dem Halbfinale am Freitag plötzlich fest. Eingesperrt auf dem Klo. „Ich bin auf die Toilette gegangen. Und als ich wieder raus wollte, ging die Tür nicht mehr auf“, erzählt der Dresdner. Und es ging ja nicht nur um ihn: Liebscher-Lucz sitzt im Kajak-Vierer. Ohne ihn können die anderen nicht starten.
Was wie ein Witz klingt, war für ihn purer Stress, denn schließlich rückte der Start des Rennens immer näher, seine K4-Kollegen warteten auf ihn und alle Befreiungsversuche endeten erst mal erfolglos. „Ich habe noch die Trainer angerufen und um Hilfe gebeten“, sagt Liebscher-Lucz. Aber selbst von Außen konnten die Coaches auch mit Werkzeug die Tür nicht öffnen.
25 Minuten vor dem Start half dann nur noch ein Kraftakt: „Ich habe dann Stopp gesagt und die Tür mit der Schulter aufgebrochen“, erzählt er. „Es tut mir leid für die Tür, aber ich wollte einfach nur zum Rennen.“
Platz im Boot zurück erkämpft – LA 2028 als Ziel
Im Gold-Vierer der Olympischen Spiele von Paris paddelte er dann mit Jacob Schopf, Max Lemke und Max Rendschmidt zur zweitschnellsten Halbfinal-Zeit. Im Finale am Samstag reichte es für das deutsche Quartett allerdings nur zu Platz fünf – der Sieg ging an Ungarn vor Australien und Litauen.
Für Liebscher-Lucz war der Weltcup-Start dennoch etwas Besonderes. Nach schwachen Leistungen hatte der Sachse im Vorjahr seinen Platz in dem deutschen Paradeboot verloren. Statt aufzuhören, arbeitete er sich zurück und ist in dieser Saison wieder fester Bestandteil des K4.
„Ich bin hart mit mir ins Gericht gegangen, habe viel analysiert, einige Sachen umgestellt und mich schlicht und einfach mit viel Fleiß und Disziplin zurückgekämpft“, sagte Liebscher-Lucz bereits vor seiner Abreise nach Ungarn. „Es war ein schönes Gefühl und ein Genuss, nach 365 Tagen, in denen ich nicht im Boot gesessen hatte, wieder mit den Jungs gemeinsam zu paddeln.“
Sein Ziel sind die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Nach Rio 2016, Tokio 2021 und Paris 2024 wären es seine vierten Spiele. Jedes Mal saß er im K4 – und jedes Mal gewann er mit seinen Teamkollegen Gold.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke