Jetzt erst recht. „Alle in Rot“ steht auf dem Transparent, das seit Montag an einer Brücke an der Segerothstraße aufgehängt worden ist. Die Fans von Rot-Weiss Essen machen mobil: Sie fordern jeden auf, der es mit dem Klub hält, sich am Samstag bereits um 9.00 Uhr in der Dubois-Arena im Stadtteil Borbeck einzufinden – um von da dann gemeinsam an die Hafenstraße zu pilgern.
Die Mannschaft hat die Unterstützung im Saisonendspurt bitter nötig. Denn die Essener müssen ihr Heimspiel gegen den SC Verl (14 Uhr/live Magenta Sport) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gewinnen, um noch reelle Chancen auf den Aufstieg in die Zweite Liga zu haben. Zwei Spieltage vor dem Ende liegen sie mit zwei Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz auf Rang vier. Dritter, und damit nach aktuellem Stand in der Aufstiegsrelegation, ist der MSV Duisburg. Ausgerechnet Duisburg – aus Sicht der Essener. Die beiden Traditionsvereine aus dem Revier verbindet viel: eine große Vergangenheit, vor allem aber eine gepflegte Rivalität.
Das Aufstiegsrennen in der Dritten Liga ist ein einziges Drama: Zwar steht der VfL Osnabrück als Meister und damit erster Aufsteiger bereits seit dem vergangenen Wochenende fest – doch noch haben fünf weitere Vereine Chancen, sich ihren Traum zu erfüllen: Energie Cottbus (2. Platz/66 Punkte), Duisburg (3./66), Essen (4./64), Verl (5./61) und Hansa Rostock (6./61). Sie alle können den zweiten Platz, der ebenfalls zum direkten Aufstieg berechtigt, erreichen. Der Dritte darf in den Play-offs gegen den Drittletzten der Zweiten Liga.
Die Schiedsrichter als Sündenböcke
Die damit verbundene Dramatik zerrt an den Nerven. Bereits an den vergangenen Wochenenden gab es reichlich Nebengeräusche. Die Opfer des Drucks, unter dem die Verantwortlichen der Klubs stehen, sind oft die Schiedsrichter.
„Es zieht sich wie ein roter Faden – in diesem Spiel, in unserem Spiel in Osnabrück. Ein Schiedsrichter, der seine Karriere beendet, mit solchen Entscheidungen“, hatte Claus-Dieter Wollitz, der Trainer von Energie Cottbus, am vergangenen Sonntag geschimpft. Referee Robert Kampka hatte den Lausitzern in der Nachspielzeit einen Eckball verweigert, Duisburg gewann am Ende 2:1. Bereits nach dem Spitzenspiel in Osnabrück, das Cottbus 0:1 verloren hatte, war Wollitz auf den Unparteiischen losgegangen – damals wegen eines nicht gegebenen Foulelfmeters.
Anfang der Woche bekam Marc-Nicolai Pfeifer Post vom DFB. Der Vorstandschef der Essener muss 2000 Euro Strafe zahlen, weil er die Schiedsrichter in der Halbzeitpause des Spiels gegen den 1. FC Saarbrücken (1:2) verbal attackiert hatte. Er habe, erklärte der DFB, auf das Gespann „lautstark, konfrontativ und beharrlich“ eingeredet und es bis zur Schiedsrichterkabine verfolgt. Auch vor dem Beginn der zweiten Halbzeit habe er seine Beschimpfungen fortgesetzt.
In Essen liegen die Nerven blank – denn die Mannschaft von Trainer Uwe Koschinat, die lange als nahezu sicherer Aufsteiger galt, erlebte in den vergangenen Wochen einen regelrechten Systemabsturz mit drei herben Niederlagen in Folge – und das nach zuvor sieben Siegen in Serie.
Das Drama begann beim 3:5 in Cottbus, wo die Essener noch bis zur 73. Minute 3:1 geführt hatten. Auch gegen Saarbrücken führten die Essener, unterlagen aber mit 1:2. Dann folgte der Zusammenbruch: mit 1:6 kam RWE bei der Zweitvertretung des VfB Stuttgart unter die Räder. Einige der fast 3000 mitgereisten RWE-Fans drehten durch und machten ihrem Unmut auf hässliche Weise Luft: Sie randalierten und verwüsteten die sanitären Anlagen.
„Wir wollen es jetzt durchziehen“, sagt der MSV-Trainer
„Wir müssen uns auf die Basics konzentrieren und die Spieler identifizieren, die in der Lage sind, mit dieser immensen Drucksituation umzugehen“, sagte Koschinat. Als erste Maßnahme wurden sämtliche Trainingseinheiten bis zur Partie gegen Verl für nicht-öffentlich erklärt. Diesmal soll nichts die Konzentration stören.
Der erfahrene Coach sieht sich in der Bringschuld, sein verunsichertes Team wieder in die Spur zu bringen. Koschinat traut sich das zu. Er erinnerte an die Situation zu Beginn des Jahres 2025. Damals befand sich RWE im Abstiegskampf, doch durch ein 5:1 gegen Hannover 96 II gelang der Befreiungsschlag. „Damit konnten wir eine Aufholjagd einleiten. Das muss auch diesmal unser Ansatz sein“, so Koschinat.
Ganz anders ist die Stimmung in Duisburg. Nach dem Sieg über Cottbus glauben die „Zebras“, die erst im vergangenen Sommer aus der Regionalliga zurückgekehrt waren, fest an den Durchmarsch. „Wir wollen es jetzt durchziehen“, sagte Trainer Dietmar Hirsch im Hinblick auf die Partie beim bereits als Absteiger feststehenden Klub Erzgebirge Aue, mit denen der vorletzte Spieltag Freitag eröffnet wird (19:00 Uhr/Magenta Sport). Der MSV wird von 2000 Fans ins Erzgebirge begleitet werden. „Wir fahren mit sehr viel Mut, sehr viel Freude und sehr viel Selbstvertrauen nach Aue“, erklärte Hirsch.
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