Den ausgelassenen Jubel von Titelverteidiger Paris St. Germain ertrugen die abgekämpften Spieler des FC Bayern mit versteinerten Mienen. Trainer Vincent Kompany gratulierte erst kurz seinem Gegenüber Luis Enrique, dann schritt er in aufrechtem Gang über den Rasen und richtete seine Profis um Kapitän Manuel Neuer nacheinander wieder auf.
Kein Finale, kein Triple – der ganz große Traum vom Henkelpott ist für Kompany und die Münchner gegen den Champions-League-Sieger jäh geplatzt. Das 1:1 (0:1), das nach einem wilden 4:5 im Hinspiel in Paris folgte, reichte nicht mehr. Nach einem Blitztor von Weltfußballer Ousmane Dembélé nach nicht einmal drei Minuten konnten die Münchner gegen den Titelverteidiger keine Wende erzwingen.
Bayerns Torwart Neuer, der mit einigen Paraden Paris weitestgehend in Schach hielt, fand deutliche Worte: „Wir waren heute keine Killer in der Offensive. So richtig krasse Torchancen, bei denen wir sagen, das ist eine hundertprozentige, haben wir nicht oft gehabt.“
PSG zwar auch nicht oft, bilanzierte Neuer, „aber sie waren einfach Killer. So etwas hätten wir einfach gebraucht. Und ich glaube, man hat gesehen, dass wir dem Finale eigentlich nahe gewesen sind, aber das Ding nicht zu Ende spielen konnten. Dieser Schlüsselmoment im Spiel hat einfach gefehlt. Das Stadion war da gewesen, wir waren auch da, aber ich glaube, vorne in der Box von PSG war das dann nicht klar genug.“
„Der FC Bayern hat gar nicht so viel falsch gemacht“, sagt Khedira
Die Münchner kamen nach dem Wahnsinn von Paris im Halbfinal-Rückspiel in der heimischen Allianz Arena nicht über ein Remis hinaus, weil sie zu harmlos waren. Der ganz späte Treffer von Harry Kane (90.+4 Minute) reichte nicht mehr zur ersehnten Verlängerung.
„Nach meiner Ansicht haben die Bayern gar nicht so viel falsch gemacht, sondern sie wollten, sie waren aktiv, sie waren diszipliniert“, sagte Experte Sami Khedira bei DAZN. „Aber man muss klar herausstellen, dass PSG einfach ein unfassbares Kaliber ist – nicht nur in der Offensive, sondern gerade auch durch diese defensive Stabilität und Disziplin.“
Michael Ballack schloss sich an. In beiden Spielen sei „die bessere Mannschaft weitergekommen. Sie waren das Quäntchen besser, heute vielleicht sogar noch dominierender. Die Bayern haben nicht enttäuscht, sie sind ein bisschen an ihre Grenzen gestoßen. PSG war einen Tick frischer, auch hinten raus.“
Das habe er nicht erwartet, analysierte Ballack: „Und die Bayern haben heute einfach nicht ihr bestes Spiel gemacht, obwohl sie es probiert haben. Sie haben die Lösung nicht gefunden, aber PSG hat ihnen auch nichts angeboten. Und manchmal musst du Dinge erzwingen. Das haben sie probiert, aber sie haben es nicht geschafft.“
So laut die Bayern-Fans ihre Mannschaft anfeuerten – es war wieder ein großer Abend von Paris St. Germain und Trainer Luis Enrique in München, ein Jahr nach dem triumphalen 5:0 im Finale gegen Inter Mailand an gleicher Stelle.
Bevor Torjäger Harry Kane und Kollegen den ersten Schuss auf das PSG-Tor abgaben, lag der Ball im Kasten von Schlussmann Neuer. Ein simpler Doppelpass zwischen Chwitscha Kwarazchelia und Fabián Ruiz öffnete viel Raum für den georgischen Stürmer.
Der Ball gehörte Bayern, und Paris konnte ganz auf Umschaltaktionen setzen
Kwarazchelia bediente mit großer Übersicht den Ex-Dortmunder Dembélé, der unhaltbar für Neuer vollendete. Schon im Hinspiel waren die Urgewalt Kwarazchelia und der Weltfußballer Dembélé als Doppel-Torschützen zum Bayern-Albtraum geworden. Es ging also ganz bitter los für die Bayern, so wie im Viertelfinale gegen Real Madrid, als es nach einem krassen Neuer-Patzer schon nach einer halben Minute 0:1 stand.
Der Unterschied: Damals hatten die Münchner das Hinspiel in Madrid gewonnen. Jetzt lagen sie im Gesamtergebnis mit zwei Toren in Rückstand. Die Rollen waren damit verteilt. Der Ball gehörte Bayern (62 Prozent Ballbesitz), und Paris konnte ganz auf Umschaltaktionen setzen. Kompanys Elf – diesmal mit Konrad Laimer statt Alphonso Davies in der Startelf – musste sich in die Partie hineinbeißen. Also weiter anrennen. Mehr blieb nicht. Alles versuchen.
Mehr war nicht möglich gegen einen Gegner, der viel kontrollierter als im wilden Hinspiel agierte, als die Pariser in ihrer Euphorie eine 5:2-Führung beinahe komplett aus der Hand gegeben hätten. Wiederholung? Nein. Die Bayern suchten verzweifelt Lösungen, fanden sie aber zu spät mit dem 1:1 durch Kane. Was nach dem Schlusspfiff blieb, waren Frust, Wut – und große Leere.
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