Uli Hoeneß verzichtet aus Verärgerung über die extrem hohen Ticketpreise auf eine Reise zur Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko. „Da muss ich sagen, da kriege ich die Krätze“, schimpfte der Ehrenpräsident des FC Bayern München im Interview mit DAZN. Er habe vorgehabt, auf Einladung eines guten Freundes, der ihm auch eine Unterkunft in dessen Haus anbot, zur WM zu fliegen, „aber das mache ich nicht mit“.
Auf einer Wiederverkaufsseite des Weltverbandes Fifa waren jüngst vier Tickets für das WM-Finale für je fast 2,3 Millionen Dollar angeboten worden. Das gehe nicht mehr, sagte der 74-Jährige. „Ich bin für Kommerz, aber nicht für so eine Ausuferung“, betonte Hoeneß. Seiner Meinung nach könnten dies vielleicht Fans aus China machen, die sich so ein Spiel einmal im Jahr gönnten. „Aber ein ganz normaler, vernünftig denkender deutscher Fan fährt dafür in der Regel nicht hin.“
Karten für das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika am 11. Juli in Mexiko-Stadt wurden für 2985 Dollar (2590 Euro) verkauft. Für das Finale am 19. Juli in East Rutherford sollten Tickets der teuersten Kategorie 10.990 Dollar (9535 Euro) kosten. Auf dem für die Fifa profitablen Zweitmarkt wurden für einen Platz im Unterrang beim ersten Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Curaçao in Houston 2300 Dollar (1955 Euro) verlangt.
Hoeneß erneuert Kritik an Nagelsmann
Zu den deutschen Aussichten bei der WM äußerte sich Hoeneß ebenfalls. Dass das Team von Julian Nagelsmann schlechte Chancen habe, wolle der 74-Jährige so nicht unterstreichen. „Das kann man nicht so sagen. Er hat das Glück, dass man eine relativ leichte Gruppe hat. Man kann sich da einspielen, und wenn er es da schafft, eine Mannschaft zusammenzustellen, die funktioniert, dann kann es noch funktionieren“, sagte Hoeneß.
Die Kritik an Nagelsmann erneuerte der Weltmeister von 1974 jedoch. Gefragt nach der möglichen Favoritenrolle beim Weltturnier sagte Hoeneß: „Das kann ich so gar nicht sagen, denn die deutsche Mannschaft hat noch nie zweimal hintereinander mit derselben Elf gespielt. Und das werfe ich Julian auch vor – das habe ich ihm persönlich schon gesagt“, sagte Hoeneß. Er vermisse eine klare Linie. „Wer ist unser Mittelstürmer? Wer spielt im Tor? Wer ist rechter Verteidiger, wer linker? Und wenn es so weitergeht, wird es passieren, dass wir zum ersten WM‑Spiel eine Mannschaft auf den Platz schicken, die so noch nie zusammengespielt hat. Und das funktioniert nicht“, erklärte Hoeneß weiter.
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Zuletzt hatte der Bayern-Patron im Podcast mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) unter anderem Nagelsmanns Umgang mit dem aus der Nationalmannschaft zurückgetretenen Manuel Neuer bemängelt. Nun also die neue Kritik. Nagelsmann sei nach einem Gespräch mit Hoeneß „leicht beleidigt“ gewesen, berichtete dieser.
Beim Bundestrainer vermisst Hoeneß „die Bereitschaft, zuzuhören und anzunehmen“ – gerade von erfahreneren Personen im Business. „Ich hätte mir gewünscht, dass er sich auch einmal mit Leuten wie mir zusammensetzt – mit Rudi Völler macht er das ja –, um sich auch etwas mitzunehmen. Ich habe das Gefühl, dass dafür im Moment wenig Offenheit da ist. Aber das ist seine Entscheidung. Er wird mit seinen Entscheidungen leben müssen. Wenn er erfolgreich ist, bin ich der Erste, der ihm gratuliert. Wenn nicht, dann wird es für ihn schwer“, sagte Hoeneß.
Uli Hoeneß sprach im Interview mit DAZN zudem über …
… das Rückspiel der Bayern gegen PSG: „Nein, das wird es nicht geben (ein weiteres Spektakel, d. Red.). Aber es wird vielleicht ein 3:1 oder ein Unentschieden, wenn wir ausscheiden sollten. Aber wenn wir gewinnen, dann glaube ich nicht, dass da vier, fünf Tore fallen. Wenn sie fallen, dann fallen sie.“
… eine mögliche Fußballrente: „Wir greifen ja ins Tagesgeschäft überhaupt nicht ein. Wir sind im Aufsichtsrat tätig. Wenn aber jemand morgen im Klub käme und sagt: Jetzt wird es langsam Zeit. Da bin ich der Erste, der sagt: Das war’s. Ich glaube nur nicht, dass sich der Verein erlauben kann, derzeit auf Karl-Heinz (Rummenigge, d. Red.) z. B. zu verzichten.“
… Angst vor dem Alter: „Ein bisschen Angst. Ich war immer jemand, der positiv war. Und dann gibt es natürlich auch Momente, in denen ich merke: Momentan sterben in meinem Umfeld sehr viele Menschen oder werden schwer krank. Das macht mir ehrlich gesagt ein bisschen Sorge. Ich kannte das früher überhaupt nicht, dass mich so etwas nervös gemacht hat. Meine Frau und ich stellen fest, dass wir inzwischen viel öfter darüber sprechen – wieder ist jemand gestorben, wieder gehen wir auf eine Beerdigung. Das war früher ganz anders.“
… Manuel Neuers Zukunft: „Karl-Heinz und ich haben mit ihm ein sehr gutes privates Verhältnis, aber die Gespräche führen Max und Christoph (Eberl und Freund, d. Red.). Und wenn es da haken würde, dann würde ich ihn sicherlich mal zum Kaffeetrinken einladen.“
… Thomas Müller: „Thomas hat ja am Schluss mehr geredet als Fußball gespielt. Am Schluss war er nur noch der Pressesprecher und ich habe wirklich mit ihm gar kein Problem. Aber der hat es schon geschickt verstanden, sich persönlich super zu verkaufen, auch zu einem Zeitpunkt, als er bei uns schon auf der Bank saß.“
… Vincent Kompany: „Trainer gibt es viele, aber als Mensch ist er – würde ich sagen – nahezu perfekt. Er ist sehr intelligent, das waren die anderen zwar auch, aber er bringt darüber hinaus etwas Besonderes mit. Er ist polyglott, spricht vier oder fünf Sprachen fließend und wechselt mühelos von einer zur anderen. Bei unserem ersten gemeinsamen Abendessen ist mir vor allem eines enorm positiv aufgefallen: Für ihn ist das Wichtigste in diesem Beruf die Arbeit. Das Wort ‚Arbeit‘ kam immer wieder in unserem Gespräch vor. Er hat klar gesagt: Ich werde der Erste sein, der morgens kommt, und der Letzte, der abends geht. Damit hat er nicht nur etwas angekündigt, sondern auch deutlich gemacht, dass er genau das leben wird. Ich glaube, das war ein ganz entscheidender Punkt.“
… eine Botschaft ans Land: „Wir Deutschen müssen begreifen, dass wir in einem der besten Länder der Welt leben – mit Demokratie, Meinungsfreiheit, sozialen Einrichtungen und einem guten Gesundheitswesen. Das alles sorgt dafür, dass ich mich hier sehr wohlfühle. Deshalb schaue ich nicht zurück. Ich hoffe vielmehr, dass unsere Politiker es auch in Zukunft schaffen, all das zu bewahren, was unser Land ausmacht. Dann können wir alle zufrieden sein.“
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