Viele Fans freuen sich sehr über dieses besondere Comeback: Sergio Pérez ist zurück in der Königsklasse des Motorsports. Zwischen 2021 und 2024 fuhr er als Teamkollege von Max Verstappen bei Red Bull Racing und wurde 2023 Vize-Weltmeister.

Nach einem Jahr Auszeit kehrte er zur Saison 2026 für den Neueinsteiger Cadillac in die Formel 1 zurück und bildet dort eine Fahrerpaarung mit Valtteri Bottas. An diesem Sonntagabend (von 22.00 Uhr auf 19.00 Uhr verschoben, Sky) fährt er den Grand Prix in Miami. Im Interview spricht der 36-jährige Mexikaner über sein Comeback, die Ziele mit Cadillac und das besondere Verhältnis zu Audi-Pilot Nico Hülkenberg. 

Frage: Herr Pérez – nach einem Jahr Pause sind Sie zurück in der Formel 1. Wie fühlt sich das an?

Sergio Pérez: Großartig! Ich merke, wie sehr ich den Wettkampf genieße. Es fühlt sich toll an, mit einem Team zusammenzuarbeiten. Diese Energie, die man für ein Renn-Wochenende aufbringt, davon habe ich noch sehr viel in mir. So viel, dass ich meine Pläne geändert habe. Als ich in die Formel 1 zurückkam, dachte ich, dass das ein kurzes Kapitel wird. Aber jetzt will ich, dass ich länger bleibe. Ich fahre auf hohem Niveau, kann noch mithalten.

Frage: Wenn Sie „länger bleiben“ sagen, von welchem Zeitraum reden wir da?

Pérez: Mein Vertrag hier läuft zwei Jahre. Ich denke aber mehr so an vier Jahre. Solange ich konkurrenzfähig bin, werde ich weitermachen. Und meine Familie muss mitziehen. Das tut sie. Meine Frau und meine Kinder sind sehr glücklich, dass ich wieder in der Formel 1 bin.

Frage: Wie haben Sie Ihre Auszeit verbracht?

Pérez: Wir sind viel gereist. Meine Frau und ich waren zweimal in Afrika. Das ist unser absoluter Lieblingsort. Und natürlich habe ich jedes Rennen geschaut.

Frage: Und haben Sie auch „Drive to survive“ gesehen, um über das, was im Fahrerlager passiert, auf dem Laufenden zu bleiben?

Pérez: Nein, die Serie habe ich nicht geschaut. Aber ich war in ständigem Austausch mit Menschen aus der Formel 1. Ich habe viele Freunde bei meinen früheren Rennställen und wollte immer wissen, was intern vor sich geht. Dadurch habe ich irgendwann gemerkt, dass ich den Sport einfach zu sehr mag, um komplett weg zu sein.

Frage: Die Formel 1 hat sich in Ihrer Abwesenheit verändert, hat sich neue Regeln gegeben. Ist das besser oder schlechter als früher?

Pérez: Ich mag die Änderungen nicht wirklich. Es ist eine ganz andere Formel 1 geworden, an die wir uns alle erst gewöhnen müssen. Der Wettbewerb ist natürlich nach wie vor da, man kämpft gegen die besten Fahrer und Teams der Welt. Aber ich glaube, dass wir zusammen ein besseres sportliches Produkt auf die Beine stellen könnten, als wir es derzeit haben. Ich verstehe die Richtung, in die sich der Sport entwickeln muss, um wirtschaftlich attraktiv zu bleiben. Aber es gibt noch viel zu tun. Letztendlich sind wir hier, weil wir den Rennsport lieben. Und ich habe das Gefühl, dass wir in dieser Hinsicht ein bisschen was verloren haben.

Sergio Perez in seinem Wagen während der Qualifikation in Miami

Frage: Viele Fahrer beschweren sich über das konstante Energie-Management während der Rennen.

Pérez: Dadurch macht die Formel 1 weniger Spaß als früher. Jetzt werden die Regeln ja ein bisschen geändert, weil wir Fahrer das so wollten. Aber die Verantwortlichen müssen uns noch besser zuhören, es gibt noch weitere Dinge, die wir ändern wollen.

Frage: Eine Konstante im Rennsport ist dagegen Nico Hülkenberg. Hätten Sie vor 15 Jahren gedacht, dass Sie beide 2026 noch im Cockpit sitzen?

Pérez: Nein, das hätte ich damals nicht gedacht. Aber ich habe gespürt, dass wir beide eine gute Zukunft vor uns haben. Wir haben 2005 zusammen bei BMW angefangen und sind im Grunde die Einzigen aus unserer Generation, die es nicht nur in die Formel 1 geschafft haben, sondern die auch auf eine so lange und erfolgreiche Karriere zurückblicken können. Ich freue mich jedes Mal für ihn, wenn er Erfolg hat. Als er es in Silverstone endlich aufs Podium geschafft hat, war ich richtig begeistert.

Frage: Ist das Verhältnis zu ihm anders als zu den anderen Fahrer?

Pérez: Ja. Es fühlt sich einfach anders an, weil wir aus einer Generation kommen. Dazu kommt, dass wir beide unterschätzt wurden und auch nicht die Autos hatten, die wir verdient gehabt hätten. Wobei ich da etwas mehr Glück hatte in meiner Karriere als er.

Frage: Wer waren Ihre drei besten Teamkollegen seit Ihrem Debüt 2011?

Pérez: Ich hatte viele gute Teamkollegen. Die Nummer ist Max Verstappen. Nico war sehr schwer zu schlagen. Aber auch Jenson Button und Valtteri Bottas. Die beiden würde ich mit Nico in eine Gruppe packen. Max ist da nicht allzu weit vorne weg. Natürlich ist er ein ganz besonderes Talent, aber wenn wir alle ein Auto gehabt hätten, in dem wir uns zu hundert Prozent wohlgefühlt hätten, wären wir alle sehr nah beieinander gewesen.

Frage: Vermissen Sie es, in Deutschland zu fahren?

Pérez: Ja, Deutschland hat großartige Strecken. Den Lausitzring, den Norisring. Jedes Mal, wenn ich am Nürburgring war, bin ich auch über die Nordschleife gefahren. Ich habe ganz besondere Erinnerungen an Deutschland, meine europäische Karriere hat ja dort begonnen. Ich kam als 15-jähriger Junge nach Bayern, habe erst in einem Hotel an der Autobahn gewohnt, und dann über einem Restaurant. Deutschland hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Ich hoffe, dass die Formel 1 dorthin zurückkehrt.

Frage: Sprechen Sie Deutsch?

Pérez: Nein. Als ich nach Deutschland kam, konnte ich noch nicht mal Englisch. Ich habe also zuerst Englisch gelernt. Und als ich dann so weit war, Deutsch lernen zu wollen, bin ich nach England gezogen.

Frage: Lassen Sie uns über das Rennen in Miami sprechen...

Pérez: Das ist ein ganz besonderer Grand Prix für mich, eine Art Heim-Grand-Prix. Für Cadillac ist es das erste Rennen in den USA und in Miami gibt es viele, viele Mexikaner, die mich unterstützen. Das spüre ich, wenn ich hier ins Auto steige.

Frage: Was ist das Ziel für dieses Wochenende?

Pérez: Fortschritte im Vergleich zu Suzuka (Platz 17/d.Red.) machen. Wenn uns das gerade bei diesem Rennen gelingt, bei dem alle große Updates bringen, dann wäre das ein sehr gutes Wochenende.

Frage: Und generell für diese Saison?

Pérez: Andere Teams hinter mir lassen. Wenn uns das als neuem Rennstall gelingt, wäre das großartig. Ich träume davon, zwei oder drei etablierten Teams zu schlagen.

Frage: Letzte Frage – eine zum Thema Fußball: Steigt das WM-Fieber in Mexiko?

Pérez: Oh ja! Die Menschen zählen die Tage bis zum Start runter. Sie wollen zeigen, was wir für ein tolles Land sind. Ich hoffe übrigens, dass Deutschland gut abschneidet.

Das Interview wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Bildam Sonntag“ veröffentlicht.

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