Es dürfte das Bild der Heidenheimer Saison werden: Der Schuss von Bayern Münchens Superstar Michael Olise landete am Pfosten, prallte zurück, traf den Rücken von Torwart Diant Ramaj und kullerte in der zehnten Minute der Nachspielzeit zum 3:3 über die Linie. Ein Drama. Noch dazu im 100. Bundesligaspiel in der Geschichte des kleinen Klubs von der Ostalb.
Sinnbildlich dürften damit auch die realistischen Chancen auf den Klassenerhalt des in den vergangenen Wochen so tapfer kämpfenden Tabellenletzten über die Klippe gefallen sein. Heidenheim am Abgrund. Nun also doch.
Schwer zu fassen: Heidenheims Mikkel Kaufmann nach dem AbpfiffMit dem unerwarteten Auswärtssieg wäre der FCH nach Punkten mit dem Vorletzten VfL Wolfsburg gleichgezogen, St. Pauli auf Platz 16 wäre nur noch einen Zähler entfernt gewesen. Sollten die beiden Konkurrenten ihre Spiele am Sonntag gewinnen, wäre der Abschied aus der Bundesliga nun aber nach drei Jahren bereits besiegelt.
Da St. Pauli und Wolfsburg am 34. Spieltag noch gegeneinander spielen, wäre der Punktabstand zu groß. Frank Schmidt wird der Konkurrenz am Sonntag überraschend nicht zuschauen. „Ich habe zwar DAZN, aber morgen noch etwas anderes vor. Am liebsten ist es mir, es kommen keine Nachrichten rein. Dann heißt es, es ist in den zwei Spielen noch alles möglich. Wir wollten heute mit Glaube und Mut spielen, und so wollen wir auch in die letzten zwei Spiele gehen“, zeigte sich Heidenheims Trainer weiter kämpferisch.
Siwsiwadse trifft doppelt
Sein Team war der Sensation auch sehr lange nah gewesen. Die Heidenheimer hatten durch Budu Siwsiwadse (22./76. Minute) und Eren Dinkçi (31.) mit 2:0 und 3:2 geführt. Doch die Bayern kamen vier Tage vor dem großen Halbfinal-Rückspiel gegen PSG nach einem Vierfachwechsel zur Pause – Harry Kane, Michael Olise, Luis Díaz, Joshua Kimmich kamen – wie eine Woche zuvor beim 4:3 in Mainz zurück, wenn auch nur zu einem Remis.
Zum Niederknien Budu Siwsiwadse hat tatsächlich zum 3:2 für Heidenheim getroffenVor Olise war Nationalspieler Leon Goretzka doppelt erfolgreich. Erst traf der 31-Jährige mit einem wunderbaren Freistoß (44.) zum 1:2. Dann erzielte er nach einer Ecke mit einem eingesprungenen Volleyschuss das 2:2 (57.). Kimmich verpasste bei einem Lattentreffer das mögliche 3:2 (67.).
„Hier so ein Spiel abzuliefern, und dann in der letzten Sekunde mit Abpfiff noch den Ausgleich zu kassieren, ist bitter. Aber ja, was sollen wir jetzt rumheulen?“, fragte sich Heidenheims Spieler Manon Busch und fasste im Interview bei DAZN wenige Minuten nach dem Abpfiff neuen Mut.
Mainka und der Heidenheimer Wahnsinn
„Wir nehmen den Punkt mit. Ich denke, die wenigsten Leute haben uns heute überhaupt irgendwas hier zugetraut“, erinnerte Busch: „Wir haben alles auf dem Platz reingeworfen. Ich bin unglaublich stolz auf die Mannschaft. Was wir hier heute geleistet haben: richtig, richtig geil. Das nehmen wir mit, da knüpfen wir die nächsten Wochen dran an. Und wer weiß, was der Punkt am Ende wert ist.“
Auch als bei den Bayern die Stars wie Kane und Olise auf den Platz kamen, schwand der Heidenheimer Widerstand nicht. Das 3:3 war maximal unglücklich. „Das wäre im 100. Bundesligaspiel des Vereins wirklich eine Sensation gewesen. Auch so ist es Wahnsinn eigentlich, dass man jetzt hier nach einem 3:3 in der Allianz Arena steht und sagen muss, dass man enttäuscht ist“, so Heidenheims Patrick Mainka, der erst der vierte Spieler ist, der jedes der ersten 100 Bundesliga-Spiele eines Klubs bestritt: „Abstiegskampf ist brutal. Jetzt haben wir einen Riesenrückschlag in München. Das ist Wahnsinn, wenn man das so formuliert: Ein Rückschlag in München.“
Das weiß natürlich auch Schmidt. Doch der Trainer glaubt weiter an die Chance: „Man kann sich ärgern und überlegen, warum. Es bringt aber nichts. Ein Punkt ist etwas wert. Wie viel er wert ist, werden die beiden nächsten Wochen zeigen. Ich traue uns auf jeden Fall zwei Siege zu.“
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