Boxen, Formel 1, Golf, Fußball, Darts – Sie können sich eigentlich eine beliebige Sportart aussuchen, es wird in jüngerer Vergangenheit ein großes Event in Saudi-Arabien gegeben haben. Das Land und sein Staatsfonds PIF kauften fast besinnungslos und oft sinnlos Sportveranstaltungen zusammen, um die eigene Bekanntheit in der Welt zu mehren. Und auf Sicht sollte natürlich auch Geld verdient werden. Diese Rechnung aber geht nicht auf. Daher schließt das Paradies seine Pforten.
Am augenscheinlichsten wird das im Golfsport, in den die Saudis sagenhafte fünf bis sechs Milliarden Dollar stopften. Sie gründeten mit LIV-Golf eine eigene Liga, warben für Unsummen bekannte Profis von der PGA Tour ab und überhäuften auf ihren Turnieren auch die größten Verlierer noch mit lächerlich hohen Preisgeldern. Selbst der Spieler auf dem letzten Platz bekommt noch 50.000 Dollar überwiesen. Ein anderes Beispiel: Der Caddie von LIV-Superstar Jon Rahm, also der Mann, der die Tasche des Spaniers über den Platz trägt und ihm Tipps gibt, hat gerade sein Anwesen in North Carolina zum Kauf angeboten. Preis: 14 Millionen Dollar.
Jetzt ist Schluss mit dem Geldstarkregen. LIV-Golf will trotz der Stars nämlich kaum jemand sehen. Die Einschaltquoten sind mies, ein Return of Invest ist nicht in Sicht. PIF zieht sich daher zum Jahresende zurück, das dürfte faktisch den Tod der Retorten-Tour bedeuten.
Welche Sportarten noch betroffen sind
Golf ist das prominenteste Beispiel der neuen strategischen Ausrichtung, in der es nicht mehr um Wachstum um jeden Preis geht, sondern plötzlich die Frage nach der Rendite gestellt wird. Es gibt aber noch weitere.
Der Boom der nationalen Fußball-Liga ebbt auch längst ab. Gaben die Klubs 2023/24 noch rund 900 Millionen Euro für neue Spieler aus, war es vor dieser Saison nur noch ein Drittel, Tendenz fallend. Mit Al-Hilal hat der Staatsfonds einen Topklub schon an einen privaten Investor verkauft, weitere sollen folgen. Auch wird darüber spekuliert, dass der WM-Gastgeber von 2034 den englischen Premier-League-Klub Newcastle United abstoßen könnte. Gekauft wurde er 2021 für 350 Millionen Euro, heute gilt er als deutlich wertvoller.
Auch in anderen Sportarten geht es (nicht mehr) zur Sache. Wie im Billard: Das Saudi Arabia Snooker Masters wurde genauso gestrichen wie die World Pool Championship. Auch sollten die WTA-Finals der Tennis-Damen in diesem Jahr zum letzten Mal in Riad stattfinden. Die Bewerbung um die Rugby-WM 2035 wurde ebenso aufgegeben wie der Plan, die Asian Winter Games ausrichten zu wollen. Auch eine ersonnene Sportevent-Kooperation mit dem früheren Football-Star Tom Brady ist Geschichte.
Golfspieler gern, Golfprofis nicht unbedingt
Es gibt mehrere Gründe, warum Sport in den neuen Strategiepapieren der Saudis nicht mehr sonderlich prominent auftaucht. Zum einen geht der Plan, dass auf diesem Weg der Tourismus angekurbelt wird, nicht in dem Maße auf, dass die immensen Ausgaben zu rechtfertigen sind: Saudi-Arabien will sehr wohl Golfspieler im Land haben, aber nicht mehr zwingend Golfprofis.
Hinzu kommen Kostenexplosionen und geopolitische Risiken. Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran sorgt für massive wirtschaftliche Schäden (auf sportlicher Ebene fiel das Formel-1-Rennen aus). Der Tourismus und die Einnahmen aus den Öl-Verkäufen gehen zurück, das Land hat im Gegenzug enorme Verteidigungsausgaben. Im Sport kann nun schnell und effizient gekürzt werden.
Und da auf dieser Welt ja mittlerweile alles irgendwie mit allem zusammenhängt, bekommt das LIV-Aus auch Donald Trump zu spüren. In diesem Jahr soll die Tour auf zwei Plätzen des US-Präsidenten, der den Krieg im Iran initiierte, gastieren. Im kommenden Jahr dürfte es diese Einnahmen für Trump nun nicht mehr geben.
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