Mit diesem skurrilen Problem haben die Organisatoren der Fußball-WM in Mexiko, Kanada und den USA vermutlich nicht gerechnet: Aktuell planen europäische Fußballfans, die Tickets für die Spiele im Sommer ergattert haben, ihre Reise nach Amerika – und stellen im Netz Fragen, die bei den Einheimischen für Überraschung oder gar Fassungslosigkeit sorgen.
Für viele Fans aus Europa gehört es ganz selbstverständlich dazu, gemeinsam zum Stadion zu laufen. Zu Fuß. Oft entweder aus dem Stadtzentrum oder von einem nahegelegenen Bahnhof aus. Und unterwegs gönnt man sich schon mal ein „Wegbier“, singt oder trifft andere Fangruppen.
In zahlreichen Austragungsorten in den USA – Atlanta, Houston, Kansas City oder New York etwa – sorgt genau diese Vorstellung jedoch nun für Irritationen. Alkohol in der Öffentlichkeit ist in den Vereinigten Staaten ohnehin ein Tabu. Und zu Fuß unterwegs zu sein, ist in den autofokussierten Städten auch nicht wirklich vorgesehen.
Fußball-WM in den USA: Europäer wollen laufen
In Online-Foren häufen sich derzeit Fragen internationaler Besucher: Kann man von einem bestimmten Hotel zum Stadion laufen? Vom Hauptbahnhof? Zwei, drei Kilometer – das sei doch sicher kein Problem? Die Antworten vieler US-Amerikaner dazu fallen jedoch überraschend deutlich aus: Zu Fuß zu gehen, so der Tenor, sei in vielen Städten weder üblich noch empfehlenswert. Die unschuldigen Fragen der europäischen Fans wirken in den USA fast exotisch. Ein Reddit-Nutzer ließ seinem Frust darüber kürzlich freien Lauf:
„Online wurde jetzt viel darüber diskutiert, ob man zum Stadion laufen kann, und ich sehe immer wieder, wie Leute darauf BEHARREN, dass man dorthin laufen könne und die Autos schon für sie anhalten würden. Wir Amerikaner seien es nur nicht gewöhnt, längere Strecken zu Fuß zu gehen“, schrieb der User und warnte: „IHR KÖNNT NICHT ÜBER DIE I-95 laufen! Es geht nicht um die Länge der Strecke, es geht um die Sicherheit!“
Jetzt könnte man sich darüber lustig machen, dass US-Amerikaner nicht zu Fuß gehen und sich deshalb nicht vorstellen könnten, dass man anderswo ganz selbstverständlich mehrere Kilometer läuft. So einfach ist das aber nicht. Denn tatsächlich sind viele amerikanische Städte so stark auf den Autoverkehr ausgelegt, dass Gehwege zugunsten breiter Highways und noch mehr Straßenspuren teilweise komplett fehlen oder abrupt enden. Überwege oder Ampeln sind ebenfalls selten und nicht immer sicher. Autofahrer sind es zudem kaum gewohnt, auf Fußgänger zu achten. Laufen wäre hier schlicht gefährlich.
Laufen ist in vielen US-Städten nicht vorgesehen
Für Einheimische ist der Weg zum Spiel (meist eher zum Football- oder Baseball- als zum Fußball-Match) für gewöhnlich alles andere als entspannt. Staus rund um die großen Arenen sind an Spieltagen die Regel, Parkplätze knapp und teuer. Wer auf öffentliche Verkehrsmittel ausweicht, muss lange Anfahrtszeiten in Kauf nehmen – viele Stadien sind außerdem nur begrenzt an den öffentlichen Nahverkehr angebunden.
Vielleicht bietet die anstehende WM den gastgebenden Städten ja eine gute Gelegenheit, hier im Hinblick auf die Infrastruktur noch einmal aufzurüsten. Davon hätten später dann auch die Einheimischen etwas – und vielleicht finden sie dann ja Gefallen am Spazierengehen.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke