Es ist gar nicht lange her, da feierte Yomif Kejelcha bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften Silber über 10.000 Meter. Jetzt, gut sieben Monate später wagte sich der Äthopier an sein Marathon-Debüt – und legte in London die herausragendste Premiere auf den 42,195 Kilometern hin, die die Laufszene je gesehen hat. Er hätte damit weltweit die Schlagzeilen dominiert, wenn, ja wenn nicht der Kenianer Sabastian Sawe elf Sekunden vor ihm und damit als erster Mensch bei einem offiziellen Rennen die Zwei-Stunden-Marke unterboten hätte.
Sawes Weltrekord machte Kejelcha am Sonntag zum Nebendarsteller. Eine Sensation aber ist auch die Leistung des Äthiopiers – und zwar in doppelter Hinsicht: weil er die magische Marke unterbot, und weil er sie gleich beim ersten Marathon seines Lebens knackte. Als zweiter Mensch überhaupt.
Der 28-Jährige, der seit Oktober 2024 den Halbmarathon-Weltrekord hält (57:30 Minuten), hatte es vor dem Rennen noch als unmöglich für sich betrachtet, direkt beim ersten Mal unter dieser Marke zu bleiben – auch wenn er mutig mit der Spitzengruppe anlaufen wolle. Er tat dies und noch mehr. Lange Zeit war er dem späteren Sieger ebenbürtig. „Es ist ziemlich verrückt, ich fühle mich großartig, mir fehlen die Worte“, sagte Kejelcha nach dem Rennen. „Ich habe nicht erwartet, die Zwei-Stunden-Marke zu knacken, aber London ist mein Traummarathon. Ich bin so glücklich.“
„Ich dachte immer, fünf Kilometer und Halbmarathon wären meine Lieblingsdistanzen“
Glücklich – und vollkommen erschöpft nach dieser Leistung. Auf dem letzten Kilometer war er am Limit gewesen. „Wenn wir bei 41 Kilometern aufgehört hätten, wäre ich zufrieden gewesen“, sagte der Äthiopier lachend. „Meine Beine haben einfach nicht mehr mitgemacht. Sie waren am Ende.“ Aber sie trugen ihn noch bis ins Ziel.
WM 2025: Yomif Kejelcha (l.) bei der Siegerehrung mit dem Franzosen Jimmy Gressier (M.) und dem Schweden Andreas AlmgrenKejelcha hatte schon als junger Athlet auf sich aufmerksam gemacht, siegte 2013 bei der U18-WM über 3000 Meter und ein Jahr später über die gleiche Distanz bei den olympischen Jugendspielen sowie bei der U20-WM über 5000 Meter. 2019 feierte er dann im Erwachsenenbereich Silber über 10.000 Meter und wiederholte das Ergebnis vergangenes Jahr in Tokio. Dazwischen lag der Halbmarathon-Weltrekord von Valencia.
„Ich dachte immer“, sagte er nun in London, „fünf Kilometer und der Halbmarathon wären meine Lieblingsdistanzen, aber jetzt denke ich, der Marathon ist das Beste.“ Und mit 28 kann er auf dieser Distanz noch einige Jahre vor sich haben.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke