Für Timo Becker sind diese Tage die erquickendsten in seiner Karriere, wenn nicht gar in seinem Leben. „Es gibt nichts Schöneres, als jetzt gerade für Schalke 04 zu spielen“, sagte der Abwehrspieler. Die Begeisterung der Fans, die Stimmung bei den Spielen und die Vorfreude auf das, was möglicherweise schon recht bald passieren kann – all das fixt den 29-Jährigen regelrecht an. Für Becker, in Herten geboren und im Gelsenkirchener Stadtteil Buer aufgewachsen, ist Schalke weit mehr als nur ein Arbeitgeber. Er wünscht sich nichts sehnlicher, als mit dem Verein, für den er schon als Kind geschwärmt hat, aufzusteigen.

Diese erwartungsfrohe Atmosphäre beflügelt Becker. Von Druck, weil nun alle den Aufstieg erwarten, könne keine Rede sein. „Da sieht man, was Schalke mit mir macht. Wenn man hier mit dem Herzen dabei ist und sieht, wie die Fans jedes Wochenende ins Stadion rennen, um uns zu unterstützen, dann weiß man, wie viel man zurückgeben kann, wenn man einfach nur Gas gibt“, erklärte er.

Die Mannschaft führt die Tabelle der 2. Liga an – mit drei Punkten Vorsprung auf den zweitplatzierten SC Paderborn. Die Schalker schwimmen seit Wochen auf einer Erfolgswelle – und lassen böse Gedanken, was passieren könnte, falls ihre Serie von mittlerweile zehn ungeschlagenen Spielen ausgerechnet auf der Zielgeraden reißen sollte, nicht zu. Wozu auch? Selbst bei einer Niederlage – zum Beispiel am Sonntag im Spitzenspiel in Paderborn (13:30 Uhr) – hätten die Knappen den Aufstieg immer noch in eigener Hand.

Planung für die 1. Liga birgt große Herausforderungen

Lampenfieber vor dem Showdown? Davon kann keine Rede sein. Dafür wirkt die Mannschaft, die in der ersten Saisonhälfte vor allem durch ihre kompakte Defensive und in der Rückrunde dann auch fußballerisch überzeugen konnte, zu selbstbewusst. „Wir sind klar, wir sind gefestigt, wir sind strukturiert. Wir haben das in den vergangenen Monaten vorbereitet, haben darauf hingearbeitet, dass die Mannschaft auf dem Peak ist, wenn es um alles geht“, sagte Trainer Miron Muslic.

Auch vor dem schweren Gang nach Paderborn wird es deshalb keine besonderen Maßnahmen geben. Ähnlich zielstrebig, wie der Trainer die entscheidenden Wochen angeht, wird hinter den Kulissen die Zukunft geplant – die sehr wahrscheinlich erstmals nach drei Jahren wieder eine erstklassige sein wird.

Leicht dürfte es aber trotz der guten Entwicklung nicht werden, eine Mannschaft zu bauen, die auch reelle Chancen haben wird, dauerhaft oben zu bleiben. Die Schalker müssen aller Voraussicht nach sogar einen Transferüberschuss erwirtschaften, um die Auflage der Deutschen Fußball Liga (DFL) erfüllen zu können, das negative Eigenkapital zu verringern. Sie müssten wohl selbst bei einem Aufstieg zwei Millionen Euro mehr durch Spielerverkäufe einnehmen, als sie für Verkäufe ausgeben dürften.

Möglicherweise müsste sogar ein Leistungsträger verkauft werden. Es gibt mehrere Kandidaten: Mittelfeld-Antreiber Soufiane El-Faouzi, Innenverteidiger Mertcan Ayhan und Stürmer Moussa Sylla. Sportvorstand Frank Baumann und Kaderplaner Maximilian Lüftl müssen innovativ sein. Denn klar ist: Ohne substanzielle Verstärkungen dürfte es in der 1. Liga schwer werden. Zu klären sind zudem Schlüsselpersonalien: Bleibt Torhüter Loris Karius, der sich zu einem echten Rückhalt entwickelt hat? Sein Vertrag läuft zwar noch für eine weitere Saison, doch es gibt immer wieder Wechselgerüchte. Auch die Zukunft des spektakulären Winterzugangs Edin Dzeko, mittlerweile 40 und verletzt, ist offen.

Die Neuausrichtung des Vereins kommt voran

So vielversprechend die sportliche Situation ist – sie erfordert nach wie vor Einfallsreichtum, die Zukunft zu planen. Das in der ersten Liga um bis zu 16 Millionen Euro steigende TV-Geld würde für den Umbau der Mannschaft dringend benötigt werden. Geplant ist für den Aufstiegsfall, den Profi-Etat von 22 Millionen Euro auf knapp 40 Millionen Euro zu erhöhen. Umso erleichterter wirkte Matthias Tillmann, der Schalker Vorstandschef, als er am vergangenen Mittwoch einen neuen Hauptsponsor präsentieren konnte. Für mindestens die kommenden drei Jahre wird der Schriftzug der Beumer Group, ein Unternehmen, das im Maschinen- und Anlagebau sowie in der Intralogistik tätig ist, auf das Trikot kommen. „Der Abschluss einer so langfristigen Partnerschaft gibt uns Planungssicherheit mit Blick auf beide Ligaszenarien“, sagte Tillmann.

Beumer wird den Schalkern in der Bundesliga knapp unter sieben Millionen Euro pro Jahr zahlen, in der zweiten Liga würden es rund 3,5 Millionen Euro sein. Vor allem aber soll eine Klausel verabredet worden sein: Nach Informationen der „Sport Bild“ ist die Vereinbarung auf ein Gesamtvolumen von rund 20 Millionen Euro ausgelegt. Sollte Schalke also in den kommenden drei Jahren nicht durchgehend in der ersten Liga spielen, müssten die 20 Millionen Euro dennoch fließen. Zur Not dadurch, dass der Vertrag verlängert wird.

Schalke-Trainer Miron Muslic jubelt mit seinen Spielern

Die Vereinbarung ist ein Mosaikstein bei der Neuausrichtung des Vereins, den immer noch Verbindlichkeiten in Höhe von knapp 150 Millionen samt Zins- und Tilgungslast drücken. Doch gerade in der laufenden Saison ist die Restrukturierung erheblich vorangekommen. Durch eine im November aufgelegte Anleihe sammelte der Klub mehr als 90 Millionen Euro ein, deutlich mehr, als kalkuliert worden war. „Wir waren in einer Phase, in der es darum ging, den Kopf über Wasser zu halten. Jetzt kommen wir in die nächste Phase, in der sich die Chance bietet, ins Gestalten zu kommen“, sagte Tillmann.

Der wesentliche Faktor, dass dies gelingen konnte, ist der Erfolg der Mannschaft – und die möglicherweise bevorstehende Rückkehr in die Bundesliga. Sollte das Wochenende optimal verlaufen, könnte Schalke schon in einer Woche mit einem Heimsieg über Fortuna Düsseldorf den Aufstieg perfekt machen.

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