Ihren ersten Titel der Saison feierten sie nur kurz. Am Sonntagabend kamen die Profis und Verantwortlichen des FC Bayern in der Spieler-Lounge des Münchner Stadions zusammen und genossen nach dem 4:2 (3:1) gegen den VfB Stuttgart den Gewinn der 35. Meisterschaft. „Wir haben den wichtigsten Titel gewonnen, aber es ist more to come. Und wir haben am Mittwoch ein ganz wichtiges Spiel“, sagte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen.

Die Bayern sind nur noch fünf Spiele vom dritten Triple der Vereinsgeschichte entfernt. Im DFB-Pokal steht Mittwoch (20.45 Uhr, ZDF und Sky) das Halbfinale bei Bayer Leverkusen an. In der Champions League geht es im Halbfinale gegen Paris Saint-Germain (am 28. April in Paris, am 6. Mai in München).

Für Dreesen hat sich unter Trainer Vincent Kompany ein Mannschaftsgeist wie beim Triple 2013 entwickelt. Er sagte über Kompanys Art, jeden hervorzuheben, aber gleichzeitig immer die Mannschaft in den Vordergrund zu stellen: „Das ist genau die richtige Art und Weise. Deswegen haben wir so eine gute Stimmung. Dieser Spirit, den wir in der Mannschaft spüren – der erinnert mich ein bisschen an vor 13 Jahren.“

Damals waren neben den Offensivstars Arjen Robben und Franck Ribéry mit ihren besonderen Aktionen auch Spieler wie Dante, Javi Martínez und Anatolij Timoschtschuk wichtig. Künstler und Arbeiter – diese Mischung ist bei den Bayern jetzt wieder entscheidend.

Zu den auffälligsten Spielern der Münchner gehören in dieser Saison unter anderem Michael Olise und Harry Kane, zuletzt war gegen Real Madrid auch Luis Diaz entscheidend. Doch enorm wichtig sind auch drei Spieler, die seltener mit spektakulären Aktionen glänzen. Und auch außerhalb des Rasens eher still daherkommen.

Konrad Laimer

Weltmeister Thomas Müller lobte den Österreicher einst als Vorbild für Arbeitsmoral und Fleiß, so entstand der Begriff „Konni-Laimer-Gefühl“. Die „SZ“ schrieb, der 28-Jährige sei vielseitig wie Schauspielstar Robert De Niro, weil er auf mehreren Positionen spielen kann.

Konrad Laimer (r.) hat sich beim FC Bayern zu einem wichtigen Faktor entwickelt

Tatsächlich ist Laimer sehr flexibel einsetzbar, laufstark und bissig in den Zweikämpfen. Ein polyvalenter Antreiber. 2023 wechselte er ablösefrei von RB Leipzig zum FC Bayern. Viele sagten: Da wird er wenig spielen. Doch es kam anders. Laimer entwickelte sich zu einem wichtigen Teil der Mannschaft. In seinen ersten beiden Saisons musste öfter auf die Bank, in dieser Spielzeit unter Trainer Vincent Kompany kommt er sehr oft zum Einsatz.

Laimer kam als Mittelfeldspieler nach München, spielt nun aber vor allem als Rechts- oder Linksverteidiger und agiert stabil bis sehr gut, immer mal wieder auch herausragend. Er bewegt sich clever in den Halbräumen und blockiert offensive Außenverteidiger des Gegners. Gerade bei der Rückeroberung des Balles ist er stark. Zudem bereitete er in dieser Saison ereits Tore vor. Ehrenpräsident Uli Hoeneß sagte gerade über Trainer Vincent Kompany: „Er hat jeden unserer Spieler besser gemacht.“ Laimer zählt fraglos in diese Kategorie.

Dank ihm konnten die Bayern Verletzungen wie die von Alphonso Davies kompensieren. Manchmal wechselt Laimer auch während des Spiels die Seiten. In der Mannschaft ist er beliebt, der Österreicher ist das Sinnbild des Teamplayers. Er steht für Mentalität und Intensität. „Seine Energie und sein Hunger zeichnen ihn aus“, sagt Kompany. „Diese Energie hilft der Mannschaft. Wir haben viel Qualität, aber man braucht auch Energie, das ist sehr wichtig für uns.“

Laimers Vertragendet im Sommer 2027. Über eine Verlängerung des Kontrakts wurden sich beide Seiten bislang nicht einig. Laimer sagte zuletzt, es gehe um Wertschätzung, in Fußballersprache meist ein Synonym für das Wort Geld. „Wir würden gern mit Konni verlängern. Gespräche gab es, momentan ruht es“, betonte Bayerns Sportvorstand Max Eberl. „Man hat Vorstellungen, wir haben Vorstellungen, die müssen zusammenpassen in irgendeiner Art und Weise. Das tun sie momentan nicht, aber das ist auch nicht schlimm.“

Der Poker um Laimer dürfte den Klub in den kommenden Wochen beschäftigen.

Aleksandar Pavlovic

Einst Balljunge beim FC Bayern, gab der 21-Jährige vor knapp drei Jahren sein Debüt bei den Profis. Inzwischen ist er eine Stütze und deutscher Nationalspieler. Aus dem Mittelfeld des Meisters ist er kaum mehr wegzudenken, er hat sich zu einem sehr konstanten Spieler entwickelt, der körperlich enorm robust ist und eine besondere Überzeugung ausstrahlt. Sein Spiel ist diese Saison deutlich gereift.

„Pavlovic ist eine Ballmaschine“, sagte Lothar Matthäus, Rekordnationalspieler und Sky-Experte: „Er strahlt Sicherheit aus, geht auch mal in die Offensive und kann Tore aus der Distanz erzielen. Er ist ein spielerischer Sechser, der sich die Bälle holt. Pavlovic ist ein wichtiger Spieler, bei Bayern und in der Nationalmannschaft.“ Er habe „etwas von Toni Kroos“.

Pavlovics Passquote ragt oft heraus. Den Daten des Anbieters Opta zufolge war er phasenweise nicht nur in der Bundesliga der Mittelfeldspieler mit der höchsten Passquote (94,5 Prozent), sondern in allen Top-fünf-Ligen Europas und in der Champions League (95,6). Im Spiel gegen Royale Union Saint-Gilloise in der Vorrunde gelangen ihm 150 Pässe, so viele wie noch nie einem Bayern-Spieler in der Königsklasse.

Im Vergleich zur Vorsaison hat sich Pavlovic in vielen Bereichen verbessert, kommt auf mehr Aktionen am Ball. „Das, was man offensiv beschreibt, das hat er immer gebracht. Aber ich glaube, dass er auch verteidigend viele Schritte gemacht hat“, sagt Kompany. Sein geschätzter Marktwert ist auf 75 Millionen Euro gestiegen.

Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann lobte Pavlovic zuletzt: „Pavlo ist superkonstant, spielt fast immer das gleiche Niveau und immer den gleichen Stiefel. Das klingt negativ, ist aber sehr positiv gemeint.“

Pavlovic sagte neulich bei Sky, es sei seine Aufgabe, Ruhe ins Spiel der Bayern zu bringen: „Wenn auch mal ein Querpass dabei ist, ist ein Querpass dabei.“ Seine Entwicklung habe viel mit Kompany zu tun. Der Trainer wisse, „wie ich Fußball spiele, wie ich ticke und hat mich auch defensiv auf ein anderes Level gebracht“.

Josip Stanisic

Uli Hoeneß verriet gerade, dass Thomas Tuchel als Trainer der Bayern einst Stanisic gefragt habe, ob dieser Deutsch spreche. Tuchels Nachfolger Vincent Kompany fragte das nicht – Stanisic ist in Deutschland geboren und unweit der Klubzentrale an der Säbener Straße aufgewachsen. Seine Eltern stammen aus Kroatien, er ist Nationalspieler des Landes. Und hat sich unter Kompany ebenfalls enorm entwickelt – zu einem der besten Außenverteidiger der Bundesliga.

Nach seiner Zeit als Leihspieler bei Bayer Leverkusen ist der 26-Jährige für die Bayern immer wichtiger geworden. Zuletzt spielte er meist als Rechtsverteidiger und überzeugte. „Ich glaube schon, dass ich nach meiner Rückkehr aus Leverkusen anders gesehen wurde“, sagte er kürzlich.

Josip Stanisic spielt bereits seit 2017 für den FC Bayern, vorher war er unter anderem beim TSV 1860 München

In der Defensive war er schon immer sehr gut. In den vergangenen Monaten hat er sein Offensivspiel verbessert, traut sich nach vorn mehr zu und ist effektiver geworden. In der bisherigen Saison kommt er in den drei Wettbewerben insgesamt auf drei Tore und sieben Vorlagen. Stanisic übernimmt mehr und mehr Verantwortung.

„Er kann rechts spielen, er kann links spielen, er kann innen spielen, er ist universell einsetzbar“, sagte Sportchef Christoph Freund. „Er wird fußballerisch immer besser, traut sich auch nach vorn immer mehr zu und ist dadurch ein Führungsspieler. Er ist ein Junge von unserem Campus und hat eine super Entwicklung genommen.“

Der Traum der Bayern vom Triple lebt – auch dank ihrer drei stillen Macher.

Julien Wolff ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit Jahren über den FC Bayern und die Nationalmannschaft. Es ist die 13. Meisterschaft der Münchner, die er als Bayern-Reporter erlebt.

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