Der FC Bayern wird vorzeitig Meister und profitiert dabei von einer Konkurrenz, die sich in ihre Rolle als Sparringspartner gefügt hat. Das kann nicht mal den Münchenern gefallen. 

Am 14. April 2024 begann in der Bundesliga eine neue Zeitrechnung. Man schrieb das Jahr eins „n. Lev.“, das erste Jahr nach der Meisterschaft von Bayer Leverkusen. Damals hatte sich eine Tür zu einer besseren Fußballwelt geöffnet: Der FC Bayern, der den Titel zuvor elf Mal in Folge gewonnen hatte, war endlich abgelöst worden, und das von einer Leverkusener Mannschaft, die vor Begabung nur so strotzte. Sie hatte in Xabi Alonso einen von vielen Spitzenklubs begehrten jungen Trainer. Sie hatte Florian Wirtz, das größte Talent des Kontinents, sie hatte Jeremie Frimpong, einen der schnellsten Flügelspieler Europas, und sie hatte Jonathan Tah, den besten Innenverteidiger der Liga. 

In dieser Mannschaft steckte so viel Zukunft und Phantasie, dass man mit guten Gründen glauben konnte, Leverkusen wachse zu einem Widersacher heran, der die Bayern auf Jahre würde quälen können.  

Der FC Bayern stößt auf wenig Gegenwehr

Heute, ziemlich genau zwei Jahre später, ist Ernüchterung eingetreten. Jedenfalls bei allen, die es nicht mit den Münchenern halten. Die Bayern sind am Sonntag Meister geworden, und das nach einer starken Saisonleistung, die an frühere Regentschaften erinnert, in denen sich lediglich die Frage stellte, wann sie den Titel holen. Ob bereits im April oder erst im Mai. 

Und Leverkusen, die Mannschaft, mit der sich einst die schönsten Träume verbanden? Längst zerfallen. Alonso, Wirtz, Frimpong, Tah, alle weg. Bis auf Jonathan Tah, der ironischerweise zu den Bayern wechselte, wurden sie in der Fremde nicht wirklich glücklich. Xabi Alonso etwa scheiterte nach nur sieben Monaten bei Real Madrid und ist seit Januar beschäftigungslos.

Die Bayern hätten Alonso allzu gern gern verpflichtet, zunächst 2023 nach der Trennung von Julian Nagelsmann und 2024 nach dem Zerwürfnis mit Thomas Tuchel. Heute spricht in München niemand mehr über Alonso, sondern alle über Vincent Kompany, der den FC Bayern gerade ins Halbfinale der Champions League geführt hat. 

Die nationale Dominanz der Bayern ist jedoch nicht allein auf die Coachingkünste von Kompany zurückzuführen. Sie ist auch als Ausweis einer Schwäche der Konkurrenz zu deuten. Die sogenannten Bayern-Verfolger Leverkusen, Leipzig und Dortmund sind mit je eigenen Problemen beschäftigt. Leverkusen und Leipzig leiden noch immer unter den Spätfolgen eines großen Kaderumbruchs im Sommer 2025. Beide Klubs haben vielversprechende Talente geholt, aber aus diesen losen Ansammlungen ergibt sich bislang noch kein Ganzes. Für den straff organisierten FC Bayern eine leichte Beute. Er schlug RB Leipzig 6:0 und 5:1, was eine mittlere Identitätskrise bei den Sachsen auslöste. Red Bull-Fußballchef Jürgen Klopp reiste eigens nach Leipzig, um seine heilenden Hände aufzulegen.

Borussia Dortmund gelang es noch am besten, in Tuchfühlung zu den Bayern zu bleiben. Doch zu keinem Zeitpunkt in der laufenden Saison wurden sie den Münchenern ernsthaft gefährlich. Dortmund ist zwar Zweiter, schaut aber stets nur nach unten, auf die Mitbewerber um die Champions League-Plätze. Das kann man gesunden Realismus nennen oder aber auch Ambitionslosigkeit. Wer den BVB zuletzt hat spielen sehen, zum Beispiel am Samstag gegen Hoffenheim, der fragt sich, welchen Plan Trainer Niko Kovac mit seiner Mannschaft verfolgt. Wo ist die große Linie, für welchen Fußball soll der BVB stehen? 

Die Bundesliga als Aufwärmprogramm 

Dass diese Fragen vier Spieltage vor Saisonende noch immer nicht beantwortet werden können, ist keine gute Nachricht. Nicht für Dortmund, und erst recht nicht für die Bundesliga, weil schwächelnde Borussen den FC Bayern nur noch riesenhafter und entrückter wirken lassen. 

Die Bundesliga steht heute, im Jahr zwei „n. Lev.“, an einem Wendepunkt. Sie wandelt sich gerade zu einem Dienstleister, der dem FC Bayern Sparring auf gehobenem Niveau anbietet. Ein Aufwärmprogramm, das die Münchener nutzen können, um sich für die eigentliche Herausforderung, die Champions League, in Schwung zu bringen. Diese Selbstverzwergung der Liga ist nicht nur traurig, sondern auch langweilig. 

Das werden selbst Bayern-Fans so sehen. 

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