Alexander Zverev sei mal geschrieben worden, dass er seinen Handycode ändern solle, weil dieser im Bild zu sehen gewesen sei. Diese skurrile Anekdote berichtete der größte deutsche Tennis-Star im Rahmen des Turniers in München. Es überschreite Grenzen, wenn solche private Details gefilmt und geteilt werden. Zverev äußerte sich deutlich zu der Situation: „Das ist mir zu viel.“
Er sprach damit ein Thema an, das viele Tennisspieler in diesen Zeiten bewegt: die hohe Kamerapräsenz, mit der sich die Sportler konfrontiert sehen. Mit seiner Kritik ist Zverev bei Weitem nicht alleine.
In der Corona-Pandemie habe die „extreme“ Entwicklung hin zu einer hohen Kamerapräsenz laut Zverev angefangen. Fans sollen aus Gründen der Vermarktung so nah wie möglich an den Akteuren dran sein können. Zverev sagte: „Für Fans ist es schön, die Spieler hinter den Kulissen zu sehen. Zu sehen, wie sie ticken. Das verstehe ich auch.“ Genug Privatsphäre vermisst Zverev jedoch. „Aber es sollte schon Bereiche geben, wo man Ruhe hat, wo man für sich selbst sein kann.“
Die aktuelle Nummer zwei der Welt, Carlos Alcaraz, äußerte sich ebenfalls kritisch. Die Spieler hätten zu wenig geschützten Raum für sich selbst. Tennislegende Boris Becker sprang ihm in einem Kommentar auf X zur Seite: Endlich spreche jemand „über den totalen Verlust der Privatsphäre der Spieler bei Turnieren“. Weiter: „In meinen Tagen hätten wir das nicht zugelassen!“
Die Tenniswelt wurde durch den Wutausbruch von US-Star Coco Gauff bei den Australian Open am Anfang der Saison so richtig auf das Thema aufmerksam. Sie hatte sich unbeobachtet gewähnt, als sie nach ihrem Aus im Viertelfinale in den Katakomben ihren Schläger zerstörte. Der Ausraster wurde gefilmt, er war somit für alle zu sehen.
Gauff kritisierte im Anschluss die ständige Videobewachung auf der Anlage. Ihre Kollegin aus der Tour, Iga Swiatek, fragte: „Sind wir Tennisspieler? Oder sind wir Tiere im Zoo?“ Die Nummer vier der WTA-Weltrangliste war 2024 gefilmt worden, wie sie nach einem Sieg auf der Massagebank weinte.
Diese Woche laufen die Sandplatz-Events der ATP in München und der WTA in Stuttgart. Die Kamerapräsenz ist dort geringer als bei den größten Turnieren der Saison. Die Nummer 51 der Welt, Laura Siegemund, berichtete in Stuttgart: „Mittlerweile sind auf den großen Turnieren in jedem Raum Kameras. Dass im Klo noch keine ist, ist wirklich gerade alles.“ Hinzu kommt: „Wir sind uns nicht jedes Mal bewusst, dass alles überall gefilmt wird.“
Coco Gauff während des Viertelfinales der Australian Open 2026 gegen Elina Svitolina„Man muss sich entsprechend verhalten, wenn man sich in Anführungszeichen nicht angreifbar machen will“, ergänzte Siegemund. Das sei zu arg. „Muss das sein, dass eine Kamera in dem Eingangsbereich ist, wo der Fahrdienst Autos vorfahren lässt?“, fragte Siegemund. Ihre Antwort: „Ich weiß es nicht.“
Patrik Kühnen, selbst Ex-Profi und Münchens Turnierdirektor, kann beide Sichtweisen nachvollziehen: „Ich glaube, dass Tennis als Sportart profitieren kann.“ Die Spieler müssten „einen guten Spagat“ hinbekommen.
Mögliche Lösung und Unterstützung durch die WTA
Coco Gauff und Eva Lys wünschen sich eine Beschilderung mit Kennzeichnung, wo Kameras sind und wo keine sind. „Es geht einfach darum, zu kontrollieren, was gezeigt wird und was nicht“, so Gauff.
Gauff erklärte: „Wir sind Sportler, wir bieten auf dem Platz eine Show, aber ich glaube nicht, dass wir alles, was wir abseits des Platzes tun, dafür opfern müssen. (...) Manche Menschen haben auf die Handys der Leute herangezoomt, ihre Textnachrichten gelesen.“
Unterstützung verspricht die Frauen-Profiorganisation WTA. Bei WTA-Events seien Schritte eingeleitet und die Kameras reduziert worden. Die Organisatoren der Australian Open hatten ebenfalls angekündigt, Anpassungen vorzunehmen.
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