Hamburg steht vor einer Entscheidung von bemerkenswerter Tragweite: Von Ende April an und bis zum 31. Mai stimmen die Bürger darüber ab, ob sich die Stadt für die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben soll. Während die Auseinandersetzung zunehmend an Schärfe gewinnt, trat am Dienstag am Jungfernstieg eine Initiative an die Öffentlichkeit, die der Debatte bewusst ein anderes Bild entgegensetzen will. Unter dem Namen „OlympJA Hamburg“ wirbt ein Zusammenschluss aus Kulturschaffenden, Sportfunktionären, Unternehmern und Ehrenamtlichen für ein Ja beim Referendum – und für eine Kampagne, die auf Emotionen, Beteiligung und Zuversicht setzt.
Einer der Mitinitiatoren ist Matthias Onken, Journalist und Kommunikationsberater. Ziel sei es, sichtbar zu machen, dass es in Hamburg mehr gebe als „Bedenken und schlechte Laune und Verhinderung und Blockade“. Die Initiative wolle möglichst viele Teile der Stadtgesellschaft ansprechen, von Sportvereinen über Kultur bis hin zu Jugendlichen. Gerade dort nehme man große Unterstützung wahr. „Wir erleben, dass die Jugendlichen in dieser Stadt sehr, sehr hinter der Idee von Olympischen Spielen, Paralympischen Spielen in Hamburg stehen. Und dem wollen wir ein Gesicht geben“, sagt Onken. Und schon zur Vorstellung der Initiative waren Schülerinnen und Schüler der Sportschule Alter Teichweg gekommen.
Monica Lierhaus (l), Journalistin und Fernsehmoderatorin, unterstützt die neue Initiative, für die unter anderem Kommunikationsberater Matthias Onken stehtDie Initiative betont, dass es sich nicht um ein Projekt des Senats handele, sondern um ein Engagement aus der Mitte der Stadt, das gänzlich frei von eigenen wirtschaftlichen Interessen sei – Olympiagegner hatten diesen Vorwurf erhoben. Das derzeit vorliegende Konzept der Stadt Hamburg sei nach dem Verständnis der neuen Initiative lediglich eine Skizze. „Was jetzt im Moment vorliegt, ist eine Blaupause, wie es aussehen könnte“, sagt Onken. Das Referendum eröffne die Möglichkeit, dieses Konzept weiterzuentwickeln, zu schärfen und auch kritische Stimmen einzubinden. Eine mögliche Austragung liege mit hoher Wahrscheinlichkeit – die Spiele 2036 werden wohl nach Asien vergeben – frühestens in anderthalb Jahrzehnten. „Da ist viel Zeit, da wird sich die Welt noch sehr viel weiter drehen“, so Onken.
Diese Haltung verbindet sich mit der Ankündigung einer großen Kundgebung am Freitag, 24. April, um 16 Uhr am Jungfernstieg – just zu dem Zeitpunkt, an dem die Briefwahlunterlagen für das Referendum versandt werden. Organisiert wird sie unter anderem von Neuland-Concerts-Kulturmanager Christian Gerlach. Geplant ist eine Mischung aus Musik, persönlichen Statements und sportlichen Aktionen. „Uns geht es darum, dass wir möglichst viele unterschiedliche Menschen hier zusammenbringen“, sagt Gerlach. Sportvereine sollen in Trikots erscheinen, persönlich begrüßt werden und gemeinsam ein symbolisches „Hamburgs größtes Training“ absolvieren. „Wir wollen so ein bisschen dieses Gefühl von dem Einlauf der Athletinnen und Athleten hier schon mal vorleben.“
Auch die Alster soll einbezogen werden. Geplant ist, dass Segler, Kanuten und andere Wassersportler mit ihren Booten Teil der Kundgebung werden. „Die Alster soll voller Wassersportler sein“, sagt Onken. Man sei zuversichtlich, die nötigen Genehmigungen zu erhalten.
Rückhalt kommt auch aus dem organisierten Sport. Katharina von Kodolitsch vom Hamburger Sportbund spricht von einer Initiative, die ausdrücklich nicht von oben komme. „Es ist einfach nicht vom Senat, es ist nicht vom Vorprojekt, sondern es ist von uns, von der Mitte der Bevölkerung raus“, sagt sie. Nach ihren Angaben unterstützen die 25 größten Sportvereine der Stadt das Vorhaben und wollen mobilisieren. Darüber hinaus hätten zahlreiche weitere Vereine ihre Teilnahme zugesagt.
Auch migrantische Unternehmerinnen und Unternehmer sollen eingebunden werden. Kazim Abaci von „Unternehmer ohne Grenzen“ sieht in Olympischen Spielen „eine echte Chance, in dieser Stadt dieses Erlebnis gemeinsam zu erreichen“, sagt Abaci. Spiele könnten Menschen mit unterschiedlichen Biografien zusammenbringen, Nachbarschaften stärken und neue Perspektiven für Kinder und Jugendliche eröffnen. Unterstützung komme unter anderem aus der Türkischen Gemeinde.
Gegner mobilisieren auf ihre Art
Während Initiativen wie OlympJA Hamburg auf positive Bilder setzen, zeigen sich die Gegner der Bewerbung zunehmend aggressiv. In sozialen Netzwerken kursieren Darstellungen, in denen der Senat als „kokssüchtiger Stadionverehrer“ verunglimpft wird; andere Motive verherrlichen Messergewalt im Zusammenhang mit Olympia. Die Linksfraktion veröffentlicht Animationen, die Olympia als Griff des Staates in die Taschen der Bürger darstellen.
Uwe Bergmann, Mitinitiator von OlympJA und erfahrener Veranstalter, plädiert dennoch dafür, Sorgen ernst zu nehmen. Viele Menschen befürchteten steigende Mieten oder soziale Verwerfungen. „Ich finde es ganz wichtig, dass diese Sorgen artikuliert und berücksichtigt werden“, sagt Bergmann. Zugleich verweist er auf den langen Planungshorizont. Hamburg habe Zeit, es besser zu machen. „Wir haben die Möglichkeit, uns einzumischen“, sagt er. Kritische Stimmen seien ausdrücklich eingeladen, mitzuwirken. „Nein sagen ist für mich keine Alternative.“
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