Schalke 04 kämpft um die Rückkehr in die Bundesliga. Sonntag steht ein vorentscheidendes Spiel an, um 13.30 Uhr tritt der Tabellenführer beim Dritten Elversberg an und kann mit einem Sieg einen großen Schritt Richtung Aufstieg gehen. Zu den Leistungsträgern der Mannschaft gehört fraglos Torwart Loris Karius. Der 32-Jährige hat seine Karriere bei den Knappen noch einmal angekurbelt und hat große Ziele. Ein Gespräch.
Frage: Sechs Spieltage vor Schluss ist Schalke Spitzenreiter. Ist Ihnen der Aufstieg noch zu nehmen?
Loris Karius: Es ist unglaublich eng. Wir können uns nicht ausruhen. Wenn wir unsere Form der letzten Wochen durchziehen, und uns sogar noch etwas steigern, haben wir gute Chancen.
Frage: Die vergangenen zwei Jahre steckte Schalke im Abstiegskampf. Wann haben Sie gemerkt: Dieses Jahr ist der Aufstieg möglich?
Karius: Unser 2:1 gegen Hertha BSC direkt am ersten Spieltag hat mir ein gutes Gefühl gegeben. Ich habe hier auch nicht unterschrieben, um ein bisschen zum Spaß zu kicken. Ich strebe nach dem Höchsten.
Frage: Ein Erfolgsgarant ist, auch wenn er jetzt verletzt ist, Edin Dzeko. Stehen Sie mit 40 Jahren auch noch auf dem Platz?
Karius: Ausgeschlossen ist das nicht. Aber es geht darum, wie gut der Körper mitmacht. Wenn ich das Niveau halten kann und mich gut fühle – warum nicht? Ich denke schon, dass ich noch zwei Verträge in meiner Karriere unterschreiben kann. Aber ich bin nicht der Typ, der zwanghaft dann noch in der 3. Liga oder sonst wo spielen will. Dafür waren meine bisherigen Stationen zu gut.
Frage: Bleiben Sie auch auf Schalke, wenn es mit dem Aufstieg schiefgehen sollte?
Karius: Grundsätzlich will ich noch einmal Bundesliga spielen. Das ist mein Anspruch. Hinzu kommt: Ich habe 95 Bundesliga-Spiele auf dem Buckel, will die 100 unbedingt vollmachen – das ist mein nächstes Ziel. Sollte das nicht klappen, habe ich hier noch einen Vertrag bis 2027. Und ich habe nie gesagt: „Ich muss dann weg …“
Frage: Haben Sie schon Pläne für nach der Karriere?
Karius: Keine konkreten. Allerdings wäre der Trainer-Job wohl eher nichts für mich. Nach 15 Jahren als Spieler wäre ein etwas anderer Tagesablauf mal schön. Als Manager kann man sich seine Termine ein bisschen selbst zurechtlegen, ist etwas mehr sein eigener Chef.
Frage: Apropos Trainer: Ist Miron Muslic kommende Saison noch Schalke-Coach?
Karius: Viel größere Aufgaben als hier auf Schalke gibt es ja fast nicht. (lacht) Im Ernst: Miron macht es super, ist total authentisch, hat uns alle abgeholt und mitgenommen. Auch er strebt nach dem Höchsten. Ich bin mir sicher, dass er aktuell nur Schalke im Kopf hat und sein Ziel ist, hier auch weiterzuarbeiten.
Frage: Kann Muslic Bundesliga?
Karius: Die Medien haben am Saisonanfang immer kritisiert, dass er nur einen Plan A und keinen Plan B habe. Auch Miron hat sich hier weiterentwickelt. Wir haben ein neues System mit der Viererkette, sind flexibel und variabel geworden. Miron hat den nächsten Schritt gemacht, ist lernwillig, detailversessen und will sich jeden Tag verbessern. Warum sollte er nicht auch in der Bundesliga einen weiteren Schritt nach vorne machen?
Frage: Schon mal heimlich vom Derby gegen Dortmund geträumt?
Karius: Nein, noch nicht. Ich denke gerade echt nur an Elversberg. Aber natürlich: Es wäre schon überragend, wenn ich hier als Torwart ein Derby erleben dürfte. Ich persönlich war noch bei keinem im Stadion, habe mir aber sagen lassen, dass es dabei richtig rund geht.
Frage: Von der Zukunft in die Vergangenheit: Welche Erinnerungen haben Sie an den 18. November 2014?
Karius: Puh. Nee. Das sagt mir gar nichts …
Frage: U21-Länderspiel in Tschechien mit einem gewissen Loris Karius im Tor. Ihr bisher letzter DFB-Einsatz. Wann kommt der nächste?
Karius: Ich weiß nicht, ob noch einer dazukommt. Zu große Hoffnungen mache ich mir da nicht. Ich glaube, der Bundestrainer geht den Weg mit einem jungen Keeper als drittem Torwart. Das ist für mich in Ordnung. Wenn er aber meint, er braucht doch noch mal einen Mann mit Erfahrung und denkt dabei an mich, dann stehe ich sehr gerne zur Verfügung. Ich habe für den Sommer, wenn die WM stattfindet, noch keinen Urlaub gebucht. Das hängt aber in erster Linie damit zusammen, dass meine Frau Diletta ihr zweites Kind erwartet und wir eh nicht groß verreisen werden. Aber: Ich bin da durchaus flexibel …
Frage: Bei der EM 2028 wären Sie 34. Träumen Sie noch von der Nationalmannschaft?
Karius: Das mal zu schaffen – dafür spiele ich jede Woche. Natürlich ist und bleibt das ein Ziel. Oliver Baumann wird jetzt auch schon 36 und kam erst sehr spät zur Nationalmannschaft. Es ist also nicht unmöglich, ich werde weiter Gas geben.
Frage: In Liverpool war Jürgen Klopp Ihr Coach: Wäre er ein guter Bundestrainer?
Karius: Ist doch klar, dass sein Name immer genannt wird bei seinen ganzen Erfolgen. Er wäre sicherlich irgendwann ein sehr guter Bundestrainer mit seiner Persönlichkeit, und ich glaube, er selbst kann sich das auch sehr gut vorstellen.
Frage: Zurück zu Schalke: Was leisten Sie sich von der Aufstiegsprämie?
Karius: (lacht) Kinder sind teuer. Und das zweite ist auf dem Weg … da werde ich gut investieren. Was Diletta bekommt, weiß ich noch nicht. Erst einmal müssen wir ja aufsteigen. Aber bei uns beiden geht es nicht so sehr um das Materielle. Gemeinsame Zeit ist das Wichtigste.
Frage: Ihre Tochter Aria ist jetzt zwei. Was kann Vater Loris richtig gut, was überhaupt nicht?
Karius: Ein Vater-Tochter-Verhältnis ist immer etwas ganz Besonderes. Wir haben eine sehr enge Bindung. Und sie ist einfach immer froh, wenn ich da bin, da sie ja die meiste Zeit in Mailand und ich in Gelsenkirchen bin. Wir gehen dann in den Park, spielen gemeinsam. Im Windelnwechseln bin ich aber tatsächlich nicht der Beste und immer froh, wenn mir das abgenommen wird.
Frage: Wann kommt Ihr zweites Kind? Und wird es ein Junge oder wieder ein Mädchen?
Karius: Im Mai. Den genauen Stichtag darf ich aber nicht verraten. Diletta möchte den selbst verkünden. Genau wie das Geschlecht unseres Babys. Das überlasse ich ihr.
Frage: Der letzte Zweitliga-Spieltag ist am 17. Mai. Wird es ein Aufstiegs-Baby?
Karius: Ja, es könnte sein. Die Daten liegen nah beieinander. Klar ist: Das Kind kommt in Mailand zur Welt, im selben Krankenhaus wie unsere Tochter. Ich hoffe aber, Schalke schenkt mir rechtzeitig einen Strampler und einen Schnuller in Vereinsfarben.
Frage: Und was machen Sie, wenn Schalke noch um den Aufstieg kämpft und plötzlich geht’s los? Kreißsaal oder Kicken?
Karius: Ich hoffe, dass es einen Tick früher kommt. Ansonsten muss der Trainer halt das Handy mit auf die Bank nehmen, mich im Notfall auswechseln und dann düse ich los Richtung Mailand (lacht). Aber ernsthaft: Ich werde meiner Frau nicht sagen: „Hey, die Geburt stellen wir jetzt mal hinten an.“ Das funktioniert nicht. Sie ist jetzt in der Schwangerschaft so lange und häufig ohne mich, da würde ich sie bei der Geburt keinesfalls alleinlassen.
Dieser Text wurde für das Sportkompetenzcenter (WELT, BILD, SPORTBILD) verfasst und erschien zuerst in BILD AM SONNTAG.
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