Sein Name ist unweigerlich mit einer bestimmten Uhrzeit verbunden. Wenn Sky das Einzelspiel der Fußball-Bundesliga am Samstagabend um 18.30 Uhr überträgt, führt Sebastian Hellmann durch die Sendung. Seitdem der TV-Sender im Jahr 2009 mit der Partie TSG Hoffenheim gegen FC Bayern (1:1) erstmals das Topspiel zeigte, ist Hellmann mit dabei. Bei Sky und dem Vorgänger Premiere arbeitet er seit 1999.

Frage: Herr Hellmann, Samstag gibt es ein Jubiläum. St. Pauli gegen Bayern ist das 500. Topspiel auf Sky. Wie viele davon haben Sie verpasst?

Sebastian Hellmann: Wenn ich mich richtig erinnere: drei. Zweimal wegen Krankheit, einmal wegen meines 50. Geburtstags. 500, was für eine Zahl!

Frage: Wie viele Sky-Sakkos haben Sie in der Zeit verschlissen?

Hellmann: Unsere Währung sind eher die Krawatten. Wir hatten zehn bis zwölf unterschiedliche Exemplare im Laufe der Zeit. Die hängen auch alle noch bei mir zu Hause im Schrank.

Frage: Ist mal ein Experte nicht erschienen?

Hellmann: Einmal standen Julia Simic und ich in Stuttgart allein im Stadion. Wolff (Fuss; d. Red.) und Lothar (Matthäus; d. Red.) waren dem Schneechaos zum Opfer gefallen. Die kamen aus München nicht weg und waren dann im Studio. Das ist gar nicht so lange her.

Topspiel-Besetzung in dieser Saison: Sebastian Hellmann, Julia Simic – im Wechsel mit Tabea Kemme – und Lothar Matthäus (v.l.)

Frage: Können Sie sich noch an das erste Topspiel erinnern?

Hellmann: Das war 2009 Hoffenheim gegen Bayern. Die Anfangscrew war Reif, Beckenbauer, Hellmann. Das war schon fett. Franz hatte eine ungeheure Wucht. Wenn man mit ihm irgendwo auftauchte, war immer was los. Außergewöhnlich war, als wir einmal in Hamburg waren – beim Spiel gegen Bayern – und ich mit Franz und Uwe Seeler am Tisch stand. Die hatten sich vorher schon getroffen und eingestimmt. Die waren so gut drauf und hatten eine so gute Expertise – mega. Mehr geht nicht. Das waren die schönen Momente. Aber manchmal ging es auch stürmisch zu.

Frage: Zum Beispiel?

Hellmann: 2023 in Dortmund mit Thomas Tuchel, der damals Bayern-Trainer war. Er hatte sich vorher schon über unsere Berichterstattung und mangelnden Respekt aufgeregt. Es ging richtig zur Sache, er verließ den Tisch, wo ich mit Lothar Matthäus allein stehenblieb. Und dann gab es im selben Jahr das legendäre Streitgespräch zwischen dem Bayern-CEO Oliver Kahn und Matthäus über die Ausrichtung der Bayern. Da hat es auch richtig gescheppert. Dabei ist das gar nicht unsere Herangehensweise. Wir fragen konsequent nach, sind aber nie unfair oder auf Konfrontation aus. Wir treiben die Leute nicht in irgendeine Schlagzeile.

Frage: Sie hatten zahlreiche Experten an Ihrer Seite. Wer hat Sie am meisten beeindruckt?

Hellmann: Alle auf ihre Weise. Lothar steht über allen, weil wir jetzt seit knapp 14 Jahren fast jede Woche zusammenarbeiten. Das verbindet. Fachlich schätze ich an ihm, dass er ein Spiel lesen kann wie kein anderer. Franz Beckenbauer war in jeder Hinsicht einmalig. Der hatte einfach eine unfassbare Aura. Er rannte kurz vor dem Anpfiff noch über den Platz und unterhielt sich mit den Schiedsrichtern, was sonst keiner darf. Ottmar Hitzfeld hatte etwas Väterliches. Er hat mich bei den Interviews oft beschützt und ist eingesprungen, wenn es brenzlig wurde. Bei ihm fühlte ich mich immer gut aufgehoben. Bei Stefan Effenberg habe ich gelernt, wie eine Mannschaft funktioniert. Seine Kapitäns- und Brust-raus-Attitüde hatte er auch am Sky-Tisch. Genauso Steffen Freund: Der war auch als Experte ein Kämpfer und hat die Grätschen rausgeholt. Jan Aage Fjörtoft hat jede Diskussion in Schwung gehalten, weil er immer den Gegenpart übernommen hat. Markus Merk war ein Wahnsinns-Analytiker.

Frage: Wie haben Sie den redseligen Reiner Calmund im Zaum gehalten?

Hellmann: Da hatte ich extra einen Buzzer auf dem Moderationstisch stehen. Wenn seine Antworten zu lang wurden, konnte ich auf den Knopf drücken.

Frage: Was bringen Tabea Kemme und Julia Simic mit?

Hellmann: Eine tolle Expertise. Tabea hat bis vor Kurzem gespielt, Julia ist Trainerin. Sie sind extrem nah dran an Trainingsmethodik und -steuerung.

Frage: Lothar Matthäus ist schon seit 2012 dabei. Haben Sie ein gemeinsames Ritual?

Hellmann: Einer muss immer Stadionwürstchen organisieren. Lothar, Wolff und ich wechseln uns da ab. Lothar ist sehr großzügig und zahlt meistens.

Frage: Wo ist die Wurst am besten?

Hellmann: Leipzig, würde ich sagen. Lothar schmeckt die Wurst in Gladbach immer besonders gut.

Frage: Welche unschönen Erlebnisse gab es?

Hellmann: Markus Merk wurde auf Schalke einmal mit einer kleinen Billardkugel beworfen. In Bremen haben wir einen Bauhelm-Schlüsselanhänger abbekommen. Und in Dortmund knallte eine 50 Zentimeter lange Eisenstange auf den Tisch. Da hört es dann wirklich auf.

Oktober 2011 auf Schalke: Die Expertenrunde mit Markus Merk (l.) musste mit Schirmen geschützt werden, eine kleine Billardkugel verfehlte den Ex-Schiri nur knapp

Frage: Wie oft war Ihr Lieblingsverein Arminia Bielefeld im Topspiel dabei?

Hellmann: Ich weiß nur, dass ich zu ­Drittliga-Zeiten einmal leichtfertig angekündigt habe: Sobald ­Arminia gegen Bayern das Topspiel ist, höre ich auf. 2020 war es dann so weit. Meinen Rücktritt musste ich zurückziehen.

Das Interview wurde für das Sportkompetenzcenter (WELT/BILD/SPORT BILD) geführt und erschien zuerst in SPORT BILD.

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