Der deutsche Textilunternehmer Wolfgang Grupp hat seine Biografie veröffentlicht. Sie heißt „Wolfgang Grupp: Die autorisierte Biografie“ (Deutscher Wirtschaftsbuchverlag) und widmet sich den Höhen und Tiefen seines Lebens.
Begonnen haben die Arbeiten für das Buch laut dem Autor Volker ter Haseborg ein halbes Jahr, bevor der 84 Jahre alte Firmenpatron versucht habe, sich in seinem Haus selbst zu töten. Grupp erzählt ihm darin, dass er seit 1953 Tagebuch führe, „damals war er elf Jahre alt“. Durch dieses Tagebuch lässt sich jetzt rekonstruieren, warum Bayern Münchens damaliger Manager Uli Hoeneß ein Versprechen gebrochen haben soll. Zumindest aus Grupps Sicht.
Der wollte 1983 Trikotsponsor mit Trigema beim FC Bayern werden. Zwischen 1979 und 1997 warb Trigema bei elf Vereinen der 1. und 2. Liga auf der Brust, etwa bei Schalke 04, Borussia Mönchengladbach, Werder Bremen und Hertha BSC.
Im Rittersaal werden die Bayern-Granden empfangen
„Aus der Perspektive von Wolfgang Grupp“, heißt es im Buch, „lief die Sache damals so: Er habe beim FC Bayern angefragt, ob es möglicherweise eine Chance gebe, dass Trigema Trikotsponsor werden könne. Uli Hoeneß, damals Manager des Vereins, und der damalige Schatzmeister Fritz Scherer seien dann nach Burladingen gekommen.
Wann das war? Grupps Kalender gibt darüber Auskunft: am 10. November 1983, ab 19 Uhr. Er habe die Gäste in seinem Rittersaal empfangen, so nennt er den großen Raum mit dem wuchtigen Esstisch im Obergeschoss seiner Villa. Man habe gegessen und die Dinge besprochen. Damals warb noch der Lastwagenbauer Iveco auf der Brust der Bayern, doch die Italiener dachten über ein Ende ihres Sponsorings nach.
Da hatten sich die Bayern noch dem Lastwagenbauer verpflichtet: Bayern Münchens Torjäger Karl-Heinz Rummenigge in der Saison 1983/84Die Runde habe vereinbart: Falls Iveco nicht Sponsor bleibe, sollte Trigema zum Zug kommen – und pro Saison 1,5 Millionen D-Mark zahlen. Ein Rekordbetrag für Werbung auf der Brust des Rekordmeisters. „Darauf haben wir uns die Hand gegeben“, wird Grupp zitiert: „Sollte Iveco die Option nicht einlösen, ist Trigema auf der Bayern-Brust.“ Man hätte sich beglückwünscht und zugesichert, dass man sich auf die Zusammenarbeit freue.
Iveco verlängerte nicht. Hoeneß habe versprochen, ihn sofort anzurufen. Doch der Anruf sei ausgeblieben. Also habe Grupp selbst zum Hörer gegriffen. Als er Hoeneß schließlich erreichte, habe dieser herumgedruckst. Und schließlich eingeräumt, dass man nicht ins Geschäft kommen könne. Adidas, der Ausrüster des FC Bayern, habe Protest angemeldet, dass ein Textilkonkurrent auf die Brust kommen sollte. Statt Trigema wurde der Computerbauer Commodore in der Saison 1984/85 neuer Trikotsponsor des FC Bayern München.
Die Grupp-Biografie umfasst 256 Seiten und kostet 30 EuroGrupp ist heute noch sauer: „Herr Hoeneß hat den königlichen kaufmännischen Handschlag gebrochen“, wettert er. Der Bayern-Manager hätte Adidas absagen und auf sein Versprechen gegenüber Trigema verweisen müssen.
Hoeneß erinnerte sich etwas anders an die Begebenheit. Mit Grupp habe er „mal eine lustige Geschichte erlebt“, berichtete Hoeneß vor einigen Jahren bei einem Unternehmerforum: „Der wollte mal bei uns aufs Trikot.“ Grupp sei ein „schwieriger Unternehmer“. Er habe eine klare Meinung, aber sei nicht „Everybody’s Darling“.
Iveco habe nur 900.000 D-Mark pro Saison gezahlt. Da habe er sich einfach mal gedacht, er verlange 1,5 Millionen. Grupp habe ihn irgendwann angerufen und gesagt: „Wir machen das.“ Dummerweise hatte er, Hoeneß, noch nicht mit Adidas gesprochen. Die drei Streifen auf dem Trikot und dann auch noch Trigema – „das war nicht so schön“. Zur gleichen Zeit hätte auch Commodore angefragt, die ebenfalls 1,5 Millionen boten. Um dem Problem mit Adidas aus dem Weg zu gehen, habe man sich dann gegen Trigema entschieden.
„Ich wurde immer unruhiger“, berichtete Hoeneß
Er hätte Grupp einen Brief schreiben oder anrufen können: „Nein, ich Idiot habe mich dafür entschieden, ihn zu besuchen und ihm das persönlich beizubringen.“ In einer Nacht-und-Nebel-Aktion sei er mit Schatzmeister Scherer auf die Schwäbische Alb gefahren, es hätte geschneit, geregnet und sei neblig gewesen.
Grupp sei offensichtlich der Meinung gewesen, dass nun der Vertrag unterzeichnet werde. Es habe einen „Wolfgang-Grupp-Wein“ und Hirsch von der Grupp’schen Jagd gegeben. „Es war ein wunderschöner Abend, und ich wurde immer unruhiger“, so Hoeneß.
Für den geschäftlichen Teil des Abends habe Grupp dann in den Rittersaal gebeten. Scherer und er hätten sich dann mal kurz auf die Toilette verabschiedet. Scherer habe gefragt: „Was machen wir denn jetzt?“ Darauf Hoeneß: „Wie immer: Die Wahrheit sagen, nützt ja nix.“ Sie seien dann zurück in den Rittersaal, Grupp habe ganz oben an der Kopfseite eines langen Tisches gesessen. Der Trigema-Prokurist sei nun ebenfalls zugegen gewesen.
„Er hat bei uns nichts zu sagen, aber er macht die Finanzen“, habe Grupp über seinen Mitarbeiter gesagt. Der Prokurist habe eine Mappe aufgeschlagen. Darin: ein Scheck über 1,5 Millionen. Als er ihm dann beigebracht habe, dass es da „ein kleines Missverständnis“ gebe und der FC Bayern den Deal nicht machen könne, habe Grupp dies zunächst nicht glauben wollen. „Sie meinen das wirklich ernst?“, habe er gefragt. Und als er begriffen hatte, dass es wirklich nichts wurde, habe er sie hinausgeworfen. „Raus! Raus! Ich möchte Sie nie mehr sehen!“ So erzählte es Hoeneß.
Grupp widerspricht dieser Version vehement. „Er hat die Geschichte umgedreht – zu seinen Gunsten“, wirft er Hoeneß vor. Dass Hoeneß jetzt so tue, als habe es gar keine Vereinbarung gegeben, sei falsch. Ebenso sei es bei dem ersten und einzigen Essen in Burladingen um keine Vertragsunterzeichnung gegangen, weil Iveco damals noch nicht erklärt hätte, ob das Unternehmen weiter Sponsor bleiben will. Auch der Scheck sei frei erfunden. Und hinausgeworfen habe er die Bayern-Bosse auch nicht.
„Wenn ich einen Handschlag gebe, dann gilt der“
Er könne verstehen, warum der FC Bayern damals auf Druck von Adidas den Deal nicht unterzeichnen konnte. Was er nicht verstehen könne: dass Hoeneß behauptet, er habe ihm persönlich die Absage übermittelt. Tatsächlich habe Hoeneß ihm erst nach einigem Hinterhertelefonieren abgesagt. „Jetzt erzählt er die Geschichte so, dass sie positiv für ihn ist. Die Wahrheit aber ist: Er hat sich mir gegenüber nicht fair verhalten.“
Was sagt Uli Hoeneß dazu? Der Ehrenpräsident des FC Bayern München sagte zu „Bild“: „Was ich gesagt habe, entspricht der Wahrheit. Wer mich kennt, der weiß: Wenn ich einen Handschlag gebe, dann gilt der.“
Ja, es stimme, dass es eine Einigung gegeben habe. „Trigema hat ein seriöses und tolles Angebot gemacht. Wenn Adidas dem zugestimmt hätte, hätten wir das auch gemacht.“ Doch die Einigung habe es gegeben „unter der Prämisse, dass Adidas zustimmt. Und diese Zustimmung bekam ich nicht“.
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