Das Thema nervt. Seit mehr als einem halben Jahr wird über die Zukunft von Verteidiger Nico Schlotterbeck geredet, geschrieben – und mittlerweile zunehmend gestritten. Spätestens seit der Nationalspieler am vergangenen Montag einen Medienbericht dementiert hat, in dem behauptet wurde, dass er unmittelbar davor stehe, seinen Vertrag mit dem BVB vorzeitig zu verlängern, sorgt das für große Unruhe unter den Dortmunder Fans.

In den Fanforen wird Schlotterbeck als eine Art Nimmersatt beschimpft – als Profi im schlechtesten Sinne des Wortes, der den BVB nur mit fadenscheinigen Argumenten hinhält, um andere, finanzstärkere Klubs auf sich aufmerksam zu machen. Als jemand, der mit dem Kopf schon längst in Madrid, London oder sonstwo ist. „Mit dem bin ich fertig“, schrieb ein Fan. Die „Bild“ zitierte einen Vereinsinsider: „Schlotterbeck ist übermannt von seiner eigenen Geilheit …“

Die Frage, die sich mittlerweile stellt, lautet tatsächlich: Ist eine weitere Zusammenarbeit vor diesem Hintergrund überhaupt noch sinnvoll? Schlotterbeck ist in der Wahrnehmung der Fans längst nicht mehr der, als den ihn der BVB versucht hatte, zu präsentieren: als Führungsspieler, um den herum eine Mannschaft entwickelt werden soll, die in Zukunft vielleicht auch mal wieder die Bayern angreifen kann. Und der vor allem die Werte des Klubs vertreten soll. Keine Frage: Der Ruf des 26-Jährigen hat gelitten.

Schlotterbecks Affront gegenüber Lars Ricken

Daran hat Schlotterbeck selbst seinen Anteil. Weil er den vollkommen legitimen Hinweis, dass die Gerüchte, er habe sich mit den Dortmundern bereits geeinigt, falsch seien, mit einer Ergänzung versehen hatte, die er sich besser verkniffen hätte. Er habe „lange mit Sebastian Kehl verhandelt“, hatte er gesagt. Doch da der BVB-Sportdirektor jetzt nicht mehr da sei, habe sich die „Situation schon ein bisschen verändert“.

Der BVB hatte vor zwei Wochen die Zusammenarbeit mit Kehl beendet – allerdings mit Ole Book bereits tags darauf einen neuen Sportdirektor präsentiert. Dass sich Schlotterbeck auf Kehls Abgang bezieht, ist ein Affront gegenüber Lars Ricken, den Sportgeschäftsführer und Vorgesetzten von Kehl. Auch für Book waren die Einlassungen nicht schmeichelhaft.

Allerdings haben nicht nur Schlotterbeck und die Leute, die ihn beraten, Fehler gemacht. Auch der BVB hat einiges dazu beigetragen, die Lage zu verkomplizieren. Es wurde enormer Druck auf den Spieler aufgebaut, sich endlich zu bekennen. Matthias Sammer, externe Berater, hatte bereits Mitte Dezember öffentlich empfohlen, Schlotterbeck eine Deadline zu setzen. Von da an wurde es ungemütlich. Es verging keine Woche mehr, in der in den Medien oder von den Fans nicht ein schnelles und unzweideutiges Bekenntnis des Spielers zum Verein verlangt wurde.

Auch der BVB pokert

Was bei der Bewertung der Causa oft vergessen wird: Schlotterbecks Vertrag in Dortmund gilt noch für eine weitere Saison. Es war ausschließlich der Wunsch des Klubs, bereits jetzt eine Verlängerung herbeizuführen. So soll ein drohender wirtschaftlicher Verlust vermieden werden. Denn am Ende der Saison 2026/27 könnte Schlotterbeck andernfalls ablösefrei gehen.

Das soll unbedingt verhindert werden – entweder durch eine Verlängerung oder, wenn dies nicht gelingt, einen möglichst gewinnbringenden Verkauf des Spielers. Es ist also nicht nur Schlotterbeck, der pokert – sondern auch der BVB. Mit einseitigen Schuldzuweisungen sollte man deshalb vorsichtig sein.

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Ein wenig mehr Gelassenheit würde guttun. Schlotterbeck ist ein guter Verteidiger mit spezifischen Fähigkeiten im Spielaufbau. Er ist zudem im besten Fußballer-Alter. Er spielt an der Seite von Abwehrchef Waldemar Anton eine wichtige Rolle, wenn auch nicht immer fehlerfrei. Gleichzeitig würde die Dortmunder Mannschaft ohne ihn nicht zusammenbrechen.

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