Die deutsche Nationalmannschaft hat den Start in das WM-Jahr erfolgreich gemeistert. Das DFB-Team gewinnt das Testspiel in der Schweiz mit 3:4 (2:2). Nach der Partie wird Bundestrainer Julian Nagelsmann bei einer Frage richtig deutlich.
Im RTL-Interview fragt Moderatorin Laura Wontorra: „Warum war es heute kein Undav-Spiel?“ Der Stürmer vom VfB Stuttgart ist aktuell in Top-Form, hat in der Bundesliga 18 Tore erzielt. Nur Bayerns Harry Kane ist noch besser. Dennoch saß Undav die gesamte Partie über auf der Bank. Kai Havertz startet – für ihn wurde später Nick Woltemade nach rund einer Stunde eingewechselt.
Nagelsmann erklärte: „Es war ein super intensives Spiel, was Anlaufen angeht. Deniz hat super viele Qualitäten, gerade wenn man selber viel den Ball hat und viel kontrollierten Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte. Es war ein Umschaltspiel mit vielen Balleroberungen und schnellem Nach-vorne-Kommen. Nick hat bei uns eine super Quote, hat in Newcastle gerade keinen leichten Stand.“
Die Saisonbilanz von Woltemade (links) und Undav: Woltemade kommt in 27 Ligaspielen auf 7 Tore (3 Vorlagen / 1677 Spielminuten), Undav in 23 Partien auf 18 Tore (5 / 1733)Und weiter: „Jetzt habe ich eben die Wahl, einem Top-Stürmer, der gut drauf ist, noch weiter Selbstbewusstsein zu geben oder einen Top-Stürmer, der gerade nicht ganz gut drauf ist, fallen zu lassen. Ich werde mal ein paar Psychologen fragen, was die sagen. Wahrscheinlich das Gegenteil von mir. Das ist ja das Hobby der Psychologen, die nicht im Amt sind, dass sie gerne immer das Gegenteil von allen Trainern behaupten.“
Abschließend sagt Nagelsmann zu dem Thema: „Ich sage, es ist ratsam, dass Nick Woltemade bei uns wieder in die Spur kommt, weil bei Newcastle läuft es nicht 100 Prozent rund. Und Dennis hat eh einen Run, ob er jetzt heute spielt oder nicht, wird er in seinem Selbstvertrauen jetzt für diese Woche nichts ändern.“
Am Montag geht es für die deutsche Mannschaft im Test gegen Ghana weiter. Die Partie findet ausgerechnet in Stuttgart statt (20.45 Uhr, im Sport-Ticker der WELT). Ob Undav vor heimischer Kulisse starten darf? „Das haben wir noch nicht entschieden“, sagt Nagelsmann.
Fürs Erste wollte er ohnehin die positiven Aspekte in den Vordergrund stellen. Vor 34.316 Zuschauern im ausverkauften St. Jakob-Park nutzten Dan Ndoye (17. Minute) und Breel Embolo (41.) naive Abwehrfehler der DFB-Elf in der ersten Halbzeit zu Schweizer Toren. Jonathan Tah mit seinem Premierentreffer (26.) und Serge Gnabry (45.+2) glichen jeweils nach Vorarbeit von Wirtz aus.
Der Offensivstar des FC Liverpool traf aber in der 62. und 86. Minute in den neuen blauen WM-Trikots zum deutschen Start-Sieg 2026, nachdem Joel Monteiro in einem wilden Spiel für die Schweiz zwischenzeitlich ausgeglichen hatte (78.).
Gegentor-Flut hin oder her: Für den Bundestrainer stimmt der Weg. Gut elf Wochen vor dem WM-Start lieferte der Fußballabend in Basel ihm gleich mehrere wichtige Erkenntnisse für die Endrunde in Amerika. Gute wie schlechte.
Rudi Völler, Lothar Matthäus, Schweiz-Coach Murat Yakin und ganz sicher auch Joachim Löw als Tribünengast: Die versammelte Fußball-Prominenz verneigte sich vor Doppeltorschütze und Doppelvorlagengeber Wirtz. Mit dieser Leistung hat der 22-Jährige in einem Spiel alle beim FC Liverpool aufgekommenen Zweifel an seiner Weltklasse beseitigt.
„Er ist ja schon ein Weltfußballer. Und wenn er sich das beibehält, dann wird er über ganz, ganz lange Zeit ganz oben stehen bei allen Clubs. Weil er einfach unfassbar gut ist, engagiert und immer mit der nötigen Power“, jubilierte Nagelsmann förmlich.
Wirtz machte den Unterschied und kann den auch bei der WM machen. Die Aussicht, in Jamal Musiala einen weiteren Spieler gleicher Güte im Sommer wieder im Vollbesitz seiner Fähigkeiten dabei zu haben, verspricht große Perspektiven. Jetzt werden für Bayern-Profi Musiala die Daumen gedrückt, dass er bei der WM fit dabei sein kann. Damit „Wusiala“ wieder gemeinsam zaubert.
Natürlich wurden der Schweiz ihre drei Tore recht leichtfertig geschenkt. Aber das Plus, das Nagelsmann ausmachte, war die Reaktion auf die Nackenschläge. Kein Testspiel-Larifari wie einst im trüben Herbst 2023 bei den Niederlagen gegen die Türkei und Österreich, die den Bundestrainer heute noch wurmen.
Zwei Rückstände wurden wettgemacht, die Dominanz ging nicht verloren. Die Kontrolle, zumindest in der gegnerischen Hälfte, auch nicht. „Mentalitätsmäßig finde ich das schon sehr, sehr gut“, lobte Nagelsmann.
Auch bei der WM kann es Rückstände und Rückschläge geben. Antworten wie gegen die Schweiz können dann helfen. „Ich glaube, was man positiv herausheben kann, ist, dass wir zurückgekommen sind“, sagte Leon Goretzka. „Ich fand den Auftritt insgesamt nicht verkehrt, auch wenn wir drei Tore gekriegt haben“, sagte Kimmich.
Die Schlotterbeck-Patzer in einer anfälligen Defensive
Natürlich wird Nagelsmann die diversen Abwehrfehler thematisieren. Aber intern. Sogar Nico Schlotterbeck bekam für die seit langem schlechteste Halbzeit im Nationaltrikot ein mildes Urteil. Nicht Schlotterbecks Patzer im Spielaufbau, die zu zwei Gegentoren führten, wollte Nagelsmann in den Mittelpunkt stellen. Sondern die Reaktion des Dortmunder darauf.
„Er kriegt jetzt keinen Rüffel. Ich finde, er hat sich im Spiel gefangen. Das ist für mich das wichtige Zeichen“, sagte der Bundestrainer zum Abwehrspieler.
Diese Milde erfüllt einen Zweck. Das Teamgefüge stärkt Nagelsmann mit solchen Aussagen. Doch bedenkenlos kann der Bundestrainer natürlich nicht über die defensive Desorientierung hinweggehen. „Ja, verteidigt haben wir nicht ganz so gut in einigen Situationen“, räumte er ein.
Für personelle Konsequenzen sieht er aber offenbar noch keinen Anlass. Obwohl Antonio Rüdiger als Backup bereitsteht. Zu seiner Form, sagte Nagelsmann über Schlotterbeck, „findet er am Montag schon wieder zurück.“
Die Havertz-Rückkehr
16 Monate spielte Kai Havertz wegen Verletzungen nicht für Deutschland. Auch ohne Tor und noch ohne den großen Punch wurde deutlich, dass das viel zu lange war. Nagelsmann machte den Angreifer vom FC Arsenal gleich wieder zu seinem Rollen-Anführer im Sturmzentrum - vor Nick Woltemade, der immerhin die meisten Tore in der WM-Qualifikation (4) geschossen hatte.
„Er hat sechs, sieben sehr, sehr gefährliche Situationen. Und ja, er muss gesund sein und zu einer guten Fitness finden. Dann ist das für uns auf dem Niveau wie Florian Wirtz oder wie Jamal Musiala“, sagte Nagelsmann über Havertz. Gerade im Vergleich mit den Topnationen aus Frankreich, Spanien und Argentinien, die mehr Quantität in der Spitze haben, braucht der Bundestrainer jeden Weltklasse-Spieler.
Die Sané-Chancen
Viele Chancen habe Leroy Sané nicht mehr, sagte Nagelsmann im November. Der Auftritt in der Schweiz war eine weitere vergebene für den Flügelstürmer. Der Versuch des Bundestrainers, diesen Fakt zu relativieren, klang freundlich.
In 79 Tagen startet die deutsche Nationalmannschaft gegen Curacao in die Fußball-Weltmeisterschaft. Mit dem Testspiel gegen die Schweiz beginnt die heiße Phase der Vorbereitung.Nagelsmann verlieh vielem einen freundlicheren Touch. Doch Sané lieferte schlicht wieder nicht. Und die Zukunft kam für ihn aufs Feld. Lennart Karl (18) war der bessere Außenbahn-Flitzer bei seinem Länderspieldebüt. „Er wird uns in den nächsten Jahren sehr viel Spaß geben“, sagte Matchwinner Wirtz nicht über Sané, sondern über den Bayern-Youngster. Bestmöglich schon bei der WM.
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