Die Anreise war recht kurz und reibungslos. Aus ihrem Quartier in Herzogenaurach ging es für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft Donnerstagmittag nach Basel. Hier trifft sie am Freitag (20.45 Uhr, im Sport-Ticker der WELT) im vorletzten Testspiel vor ihrem WM-Trainingslager auf die Schweiz.

Bundestrainer Julian Nagelsmann und sein Offensivspieler Serge Gnabry vom FC Bayern hielten Donnerstagabend nach der Ankunft in Basel im Stadion St. Jakob-Park eine Pressekonferenz ab.

Die Deutschen erwarten einen unangenehmen Gegner. Gegen ihn werden Nagelsmanns Spieler Freitagabend erstmals im blauen WM-Trikot auflaufen. „Die Schweiz wird uns alles abverlangen“, sagte Nagelsmann über den Gegner, der mit etlichen Bundesliga-Profis wie Borussia Dortmunds Torwart Gregor Kobel und Granit Xhaka, ehemals Bayer Leverkusen, sehr gut besetzt ist. Freundschaftsspiel-Charakter hat das Kräftemessen nicht.

Nagelsmann fehlen die Münchner Jamal Musiala und Aleksandar Pavlović und BVB-Profi Felix Nmecha. Einen weiteren Ausfall vermeldete der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Donnerstagabend: Nicht mit in die Schweiz reiste Jonas Urbig. Der erstmals nominierte Torwart vom FC Bayern hat eine Kapselverletzung im rechten Kniegelenk. Nagelsmann nominierte Finn Dahmen vom FC Augsburg nach. Der Bundestrainer erklärte, es sei eher eine Vorsichtsmaßnahme, man wolle kein Risiko eingehen.

Nagelsmann sagte am Donnerstag: „Idealerweise beenden wir die Woche mit zwei Erfolgserlebnissen. Sollte es nicht der Fall sein, bricht die Welt auch nicht zusammen.“

Für ihn geht es jetzt hauptsächlich darum, ein gutes WM-Gefühl in der Mannschaft und auch bei den deutschen Fans zu entfachen. Vor der EM 2024 in Deutschland war ihm das nach einem radikalen Umbau des Kaders mit der Rückholaktion von Toni Kroos mit zwei Testspielsiegen in Frankreich (2:0) und gegen die Niederlande (2:1) sehr gelungen. „Die Trainingseinheiten waren gut. Die Ausfälle sind ärgerlich“, so Nagelsmann auf der Pressekonferenz. Es gehe jetzt ums Einspielen.

Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck beginnen

Experimentieren wird Nagelsmann nicht mehr viel, das hat er zuletzt betont. Dennoch stellen sich einige Fragen: Wie präsentiert sich Oliver Baumann, nachdem er zum Turniertorwart ausgerufen wurde? Wie geht der langjährige Abwehrchef Antonio Rüdiger mit der ungewohnten Rolle des Herausforderers von Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck um?

Eröffnet der Pavlovic-Ausfall Angelo Stiller vom VfB Stuttgart doch noch die Chance, sich in den WM-Kader zu spielen? Und kann Kai Havertz vom FC Arsenal nach 16 Monaten Absenz wegen Verletzungen sofort wieder eine Hauptrolle in der Offensive einnehmen? Womöglich sogar mit Nick Woltemade? Einige dieser Fragen beantwortet Nagelsmann sehr klar. Und verriet ungewöhnlich viel von seiner Startelf.

Nagelsmann sagte, dass Tah und Schlotterbeck gegen die Schweiz in der Innenverteidigung beginnen würden. Stuttgarts Stiller wird mit Bayern-Profi Leon Goretzka im zentralen Mittelfeld spielen, Havertz in der Offensive, auch das verkündete der Bundestrainer. Antonio Rüdiger von Real Madrid bleibt draußen.

„Als Trainer wechselst du nicht Spiel für Spiel deine Innenverteidiger. Antonio hat eine gewichtige Rolle, auch wenn er mal nur reinkommt. Es wird auch Spiele geben, in denen er von Beginn an spielt“, so der Bundestrainer. Rüdiger akzeptiere die Situation und habe Respekt vor den Leistungen seiner Konkurrenten. Aktuell sei die Ordnung in der Abwehr aber so. Und wenn Tah und Schlotterbeck stabil bleiben, wird sich das wohl nicht ändern.

Nagelsmann lobte zudem den 18-jährigen Lennart Karl vom FC Bayern, den er erstmals nominiert hat. „Er hat sehr auffällig trainiert und macht einen angenehmen Eindruck“, so Nagelsmann. Er habe das Gefühl, dass Karl mit dem Hype um seine Person gut umgeht und „ganz normal bleibt“. Beide haben in dieser Woche ein Gespräch geführt, er sei von Karl und dessen Art sehr angetan.

„Ich bin guten Mutes“, sagt DFB-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus im Gespräch bei WELT TV bezugnehmend auf die Chancen von Deutschland bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft. Mit ihm haben wir auch über die aktuelle Kadernominierung für die beiden Testspiele gegen die Schweiz und Ghana gesprochen.

„Die Mannschaft soll für ihr und unser aller Gefühl einen couragierten Auftritt hinlegen“, sagte Nagelsmann. „Es wäre schön, wenn wir viele unserer Abläufe reinkriegen. Die Schweiz ist eine extrem gute Mannschaft, die defensiv sehr stabil ist. Sie haben eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern. Eine Mannschaft, die uns auf jeden Fall sehr fordern wird.“

Julien Wolff ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren über den FC Bayern sowie die Nationalmannschaft und wird Freitagabend im Stadion in Basel sein,

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