Am Ende fehlten 3,7 Sekunden, um die historische Nullnummer zu verhindern. Philipp Nawrath hatte im allerletzten Rennen der Saison die Chance auf die deutsche Erlösung. Mit 20 Treffern hatte er sich im Massenstart von Oslo die Chance auf den Sieg eingeräumt. Auf den letzten Metern aber musste Nawrath abreißen lassen. Johan-Olav Botn setzte sich mit knappen Vorsprung durch. Ein Norweger war am Ende besser – wie so oft in diesem Winter.
Für Nawrath ist der zweite Platz zwar ein persönlich versöhnlicher Abschluss. Für die deutschen Biathleten aber besiegelt er ein historisch schlechtes Abschneiden. 69 Rennen – kein Sieg. Das gab es für die einst stolze Biathlon-Nation noch nie, seitdem Männer und Frauen seit der Saison 1987/1988 gemeinsam im Weltcup antreten.
„Wir müssen uns ankreiden, dass wir es dieses Jahr nicht so hingekriegt haben, wie wir uns das vorgenommen hatten“, sagte Sportdirektor Felix Bitterling im ZDF. Zu oft kosteten späte Fehler bessere Ergebnisse. So wie bei Janina Hettich-Walz, die im Massenstart am Holmenkollen ebenfalls lange Podestchancen hatte. Zwei Patzer im letzten Schießen verhinderten aber doch noch den Sprung auf Platz drei. Die 29-Jährige wurde am Ende Zehnte. Ähnliche Situationen gab es für sie und andere Deutsche zuletzt viel zu oft.
Abgehängt von Frankreich und Norwegen
In den 69 Rennen dieser Saison gab es insgesamt nur neun deutsche Podestplätze. Nawrath schaffte zweimal als Zweiter die besten Resultate. Daneben gab es sieben dritte Ränge, unter anderem für die Mixedstaffel bei den Olympischen Winterspielen in Italien. Es war die einzige Medaille beim Saison-Highlight. So schwach war die deutsche Auswahl bei Winterspielen nie zuvor. Sie wurde gnadenlos abgehängt, vor allem von Frankreich und Norwegen, die bei den Winterspielen zusammen 24 der 33 Biathlon-Medaillen abgeräumt haben.
Ein großes Problem: Nach dem Karriereende von Franziska Preuß gibt es niemanden, der die große Lücke der Weltmeisterin und Gesamtweltcupsiegerin füllen kann. Die 32-Jährige trat direkt nach Olympia zurück, kam aber als Besucherin doch noch mal nach Oslo. „Es ist voll okay, am Streckenrand zu stehen“, sagte Preuß im ZDF. Sie hatte vor fast genau einem Jahr den letzten deutschen Sieg im Massenstart geholt und so die große Kristallkugel gewonnen.
Gesamtweltcupsiegerinnen unter sich: Franziska Preuß (l.) übergibt Lou Jeanmonnot die große KristallkugelDiese übergab sie am Holmenkollen an Lou Jeanmonnot. Die Französin hatte sich Preuß im Vorjahr geschlagen geben müssen, nun triumphierte sie souverän und hängte mit ihrem Team auch die deutsche Konkurrenz ab. Preuß freute sich für Jeanmonnot und über ihr neues Leben. „Es war mir nie langweilig. Es fühlt sich voll gut an“, sagte Preuß: „Ich habe daheim gemerkt, dass die Freude am Sport zurück ist, das habe ich diesen Winter echt verloren. Ich brauche keine Startnummer mehr, ich kann jeden Tag einfach so sporteln.“
Eisenbichler kommt, Frauen-Trainer gehen
Aus der Ferne wird sie beobachten, wie es mit dem deutschen Biathlon weitergeht. Viel Arbeit wartet jedenfalls auf Sportdirektor Bernd Eisenbichler. Der 50-Jährige kehrt nach einem Abstecher zu einem Sportartikelhersteller in dieser Funktion ab 1. Mai zum Deutschen Skiverband zurück. Eisenbichler löst Bitterling ab, der zum Weltverband IBU zurückkehrt. Seit April 2022 hatte Bitterling viele Veränderungen angeschoben, unter anderem in der Trainerausbildung und der Entwicklung junger Sportler. Eisenbichler muss entscheiden, ob er diesen Weg so oder anders weitergeht.
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Künftig nicht mehr dabei sein werden die Trainer Kristian Mehringer und Sverre Olsbu Röiseland. Wie Bitterling nach dem finalen Wettkampf bestätigte, wird das Duo die Verantwortung für das Frauenteam abgeben. Mehringer werde eine neue Aufgabe im Verband bekommen, Röiseland kehre in seine norwegische Heimat zurück. Mehringer war in den vergangenen acht Jahren als Trainer der Frauen dabei, Röiseland hatte den Job vier Jahre lang gemacht. Wer die beiden ersetzt, ist bislang nicht bekannt.
Bei den Männern wird es hingegen keine Veränderung auf der Trainerposition geben. Tobias Reiter und Jens Filbrich behalten ihre Jobs trotz der schwachen Saison. „Die beiden arbeiten ja in dieser Konstellation erst seit einem Jahr. Da ist viel Gutes passiert“, sagte Bitterling: „Die Sache ist da auf dem richtigen Weg. Das braucht Zeit, Vertrauen und Ausdauer.“ Und in der nächsten Saison auch bessere Ergebnisse.
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