In ländlichen Regionen gehört es zum klassischen Panorama dazu: der Trecker auf Feld und Wiese. Stadtkinder kennen die Bilder von Ausflügen und Autobahnfahrten. Was sich beim Anblick jedoch kaum jemand gefragt haben dürfte: Verrichtet der Landwirt am Lenkrad des Traktors da gerade seine Arbeit, oder befindet er sich inmitten einer Trainingseinheit?

Zumindest wenn ein Pflug hinterhergezogen wird, sollte man sich der Sache nicht so sicher sein. „Bei der Weltmeisterschaft treten 30 Länder in zwei Disziplinen gegeneinander an: Beetpflug und Wendepflug. Bewertet wird in zehn Kategorien“, weiß Barbara Klaus.

Die Landwirtin aus Niederösterreich wurde 2013 in Kanada Weltmeisterin im Beetpflug, der Königsdisziplin des Leistungspflügens, wie sie im Podcast WELTMeister erzählt. Ihre Geschichte zeigt, mit welcher Leidenschaft und welch hohem Einsatz es auch in den Nischen und exotischen Regionen der bunten Sport- und Wettkampfwelt zugeht.

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„Mein Trainer hat immer gesagt, und das wird nie aus meinem Kopf rausgehen, bei 3,60 Metern, also wo man nur noch 3,60 Meter zum Pflügen hat, da fängt die Weltmeisterschaft erst so richtig an. Diese 3,60 Meter sind die Vorbereitung für die Schlussfurche. Und da geht es ja wirklich auf den Zentimeter genau. Da muss ich im Kopf noch mal richtig frei machen, dass man sich da nochmal richtig gut konzentrieren kann.“

Um sich optimal auf die Titelkämpfe in Kanada vorzubereiten und täglich trainieren zu können, fragte Klaus bei Nachbarn an, um deren Felder und Wiesen zu pflügen. Von Weizenfeldern haben wir hier eigentlich immer genug. Da habe ich immer bis zum Umfallen trainieren können“, sagt sie. Finanzielle Unterstützung erhielt sie von einigen Sponsoren und der Landjugend Österreich, aber auch dem Weltverband, der World Ploughing Organisation.

So wird eine Furche im Beetfpflug gesetzt: Fiona Schäfer bei den Deutschen Meisterschaften

So konnte sie auch den WM-Trip nach Nordamerika auf fünf Wochen ausdehnen, um sich schon drei Wochen vor dem Beginn des offiziellen Trainings den Gegebenheiten anzupassen. Sie schraubte ihren 100-PS-Traktor und den zweischarigen Pflug auseinander, ließ die Geräte verschiffen und weiter mit dem Zug nach Calgary, um sie dann auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans wieder zusammenzusetzen. „In Kanada brauchten wir zwei Tage für den Zusammenbau“, erinnert sie sich. Und dann wurde gepflügt. Über Google Maps suchte sie nach Übungsflächen, fragte bei Farmern an – und bereitete sich mit Akribie vor. Geschichten aus einer anderen Welt.

Drei Stunden hat sie im Wettkampf Zeit, um das Feld zu öffnen und ihre Furchen zu ziehen. Die Jury achtet auf Geradheit und Präzision und darauf, „ob der Furchenbalken schön gekrümelt ist oder niedergedrückt worden ist“, wie sie erklärt. Es geht um „gleichmäßige Zusammenschläge“ und kein Stroh oder Gras, das herausschaut.

Kritische Blicke: Die Jury entscheidet über Sieg und Niederlage

Nur 200 Quadratmeter ist das Rechteck groß, auf dem am Ende der Perfektionismus blüht. Dass GPS nicht verwendet werden darf, verwundert kaum. Der Grund dagegen schon: „Das wäre viel zu ungenau.“ Beim Leistungspflügen geht es meist um Zentimeter und auf den letzten um Gold, Silber und Bronze.

Barbara Klaus war bei ihrer Teilnahme die einzige Frau. Während der ersten Trainingseinheiten wunderte sich die Konkurrenz. „Die haben gesagt, dass die Österreicher ja wohl spinnen. Jetzt kommen sie schon mit Frauen.“ Doch genau die ließ die 31 Männer am Ende hinter sich.

Kurz nach ihrem Triumph hörte sie auf. Der Höhepunkt eines Pflügerlebens war erreicht. Der Landwirtschaft ist sie jedoch bis heute verbunden und führt den elterlichen Hof gemeinsam mit ihrem Mann und den zwei Kindern.

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