Alexander Nouri lebt den Traum eines deutschen Fußball-Trainers: Er hatte einen Job in der Bundesliga. Der gebürtige Buxtehuder trainierte Werder Bremen, später den Zweitligaklub Ingolstadt und war dann an der Seite von Jürgen Klinsmann bei Hertha BSC. Nach einer Station beim griechischen Klub AO Kavala wurde es ruhig um die sportliche Laufbahn des heute 46-Jährigen. Er beschloss, sich eine neue Existenz aufzubauen und ist nun Franchise-Unternehmer zweier McDonald's-Filialen. Hier spricht er über seine Karriere und seinen Neuanfang. Auf einen Big Mac mit Alexander Nouri.
Frage: Herr Nouri, seit Anfang des Jahres leiten Sie als Franchise-Nehmer zwei McDonald’s-Filialen in Würselen und Herzogenrath in NRW. Wieso kehrten Sie dem Profifußball den Rücken?
Alexander Nouri: Es bedurfte eines langen Reifeprozesses, ich habe die Entscheidung auch nicht leichtfertig getroffen. Der Fußball spielte in meinem Leben immer eine riesengroße Rolle, ich habe dem Sport unheimlich viel zu verdanken. Natürlich hätte ich im Trainerbereich weiterarbeiten können, ich hatte interessante Angebote aus dem Ausland. Aber ich habe mich nach Stabilität in meinem Leben gesehnt.
Frage: Das heißt?
Nouri: Das Leben eines Trainers kann sehr schnelllebig sein. Man unterschreibt bei einem Verein einen Dreijahresvertrag, doch nach nur einem halben Jahr ist man seinen Job los, weil die Ergebnisse ausgeblieben sind. Diese Unsicherheit und die ständige Wechselei des Standorts, das wollte ich nicht mehr. Für meine Familie, für mich. Darum habe ich mich nach intensivem Austausch mit meiner Frau entschieden, einen Cut zu machen und einen neuen Weg zu gehen.
Frage: In einem komplett neuen Berufsfeld.
Nouri: Ja, und in dem möchte ich nachhaltig etwas aufbauen. Ich möchte ein verlässlicher und guter Arbeitgeber für die Region sein. Ich habe jetzt die Verantwortung für 95 Mitarbeiter – und mein neues Leben macht unheimlich viel Spaß.
Frage: Wie kamen Sie auf McDonald’s?
Nouri: Auf einer Geburtstagsfeier eines langjährigen Freundes lernte ich jemanden aus der Führungsriege von McDonald’s Deutschland kennen. Im Gespräch haben wir schnell gemerkt, dass es viele Parallelen zum Trainerberuf gibt – gerade was Führung, Teamarbeit und Verantwortung angeht. Er hat mir dann das Franchisesystem von McDonald’s näher erklärt. Das hat meine Neugier geweckt.
Frage: Das war 2024. Wie ging es weiter?
Nouri: Ich musste mich bewerben, der Auswahlprozess ging über mehrere Runden – und anschließend musste ich eine sechsmonatige Ausbildung machen, um Franchise-Nehmer werden zu können. McDonald’s hat ein Ausbildungszentrum, die sogenannte Hamburger University in München. Ich besuchte verschiedene Kurse, auch in Hamburg, und machte meine Scheine – wie etwa in Personalführung. Dazu kam ein dreimonatiges Mentorenprogramm. Dabei stand das praktische Arbeiten im Vordergrund. Das machte ich in Aurich.
Frage: Wie sieht Ihr neuer Job aus?
Nouri: Es gibt schon einige Parallelen zum Trainerberuf. Ich muss ein Team führen und mit meinen engsten Mitarbeitern eine gewisse Struktur hereinbringen, damit alles vernünftig abläuft. Zuletzt hielt mal ein Bus mit 50 Personen, die gleichzeitig ins Restaurant strömten. Das war eine Herausforderung, alle innerhalb von 15 bis 20 Minuten zu bedienen und ihnen ein tolles Erlebnis zu verschaffen. Aber wir schafften es. Und es war wunderschön anzusehen, wie die Kids mit einem Strahlen im Gesicht unser Restaurant verließen. Zuletzt musste ich auch einen Businessplan für das Jahr 2026 erstellen und eine Präsentation halten.
Frage: Haben Sie Betriebswirtschaft studiert?
Nouri: Nein. Aber Gesundheitsmanagement. Das Studium habe ich mit einem Bachelor abgeschlossen. Einiges vom Erlernten kann ich in meine Arbeit einfließen lassen.
Frage: Kehren Sie nochmals auf die glamouröse Fußballbühne zurück?
Nouri: Man weiß nie, was im Leben kommt. Aber grundsätzlich steht für mich fest: Nein. Ich brauche dieses Statusdenken nicht. Und ich kann mich neu verwirklichen. Ich habe die unternehmerische Freiheit, etwas aufzubauen – mit dem Rückhalt eines großen Weltkonzerns. Das fängt bei kleinen Details an, wie beim Logo: Da steht „Team Nouri“ drauf und ein kleiner Fußball.
Das McDonald's-Restaurant von Team NouriFrage: Wer aus der Fußball-Szene hat Ihnen zum Jobwechsel gratuliert?
Nouri: Einige, spontan fällt mir Torsten Frings (Werder-Legende und Vize-Weltmeister 2002; d. Red.) ein. Er kommt gebürtig hier aus der Gegend und schrieb mir per WhatsApp, dass er in der McDonald’s-Filiale in Herzogenrath, dort habe ich mein zweites Restaurant, als Kind öfter zum Big-Mac-Essen war. Übrigens ist das auch mein Lieblingsburger.
Frage: Wie Frings als Spieler 1997 schafften auch Sie in Bremen in der Saison 2016/17 als Trainer Ihren Bundesliga-Durchbruch und führten den Verein auf Rang acht. Jetzt steckt Ihr Herzensklub im Abstiegskampf. Hält Werder die Klasse?
Nouri: Bevor ich auf die Frage antworte, möchte ich eines festhalten: Meine Zeit bei Werder war ganz besonders: Ich spielte dort in der Jugend, mein Vater war zu der Zeit Co-Trainer. Später schaffte ich es als Coach von den Amateuren zu den Profis, eine wunderbare Geschichte. Und was die Aktualität angeht: Ich bin fest davon überzeugt, dass Werder die Klasse hält.
Frage: Wieso?
Nouri: Ein Faustpfand sind die Fans. Dieser Zusammenhalt zwischen Klub, Mannschaft und Anhängern ist einzigartig. Und ich halte Daniel Thioune für den richtigen Trainer. Er hat unter anderem eine richtig gute Ansprache.
Frage: In der Bundesliga arbeiteten Sie auch für Hertha BSC, als Jürgen Klinsmann Sie im November 2019 als seinen Co-Trainer holte. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?
Nouri: Als Jürgen mich anrief, habe ich keine Sekunde gezögert, um bei dem Projekt dabei sein zu können. Hertha steckte im Abstiegskampf (Tabellen-15.). Uns gelang es, die Mannschaft zu stabilisieren.
Frage: Doch Klinsmann verließ Hertha nach nur 76 Tagen. „Sport Bild“ enthüllte wenige Tage später dessen Tagebuch, in dem er vor allem die Vereinsführung kritisierte – und dass der Verein keine Leistungskultur hätte.
Nouri: Jürgen wollte den Verein voranbringen. Dafür benötigt man aber eine Allianz der Veränderung. Die gab es damals bei Hertha leider nicht. Gefühlt gab es mehrere verschiedene Lager, die waren so festgefahren. Es ging da weniger um den Verein als um Personalien. Jürgen dagegen ging es um Hertha BSC. Es ist schade, dass das Projekt so schnell endete. Jürgen hatte so viele tolle Visionen.
Dezember 2019: Klinsmann und Nouri bei Hertha BSCFrage: Zum Beispiel?
Nouri: Er wollte eine Leistungskultur entwickeln, die im Sport sehr wertvoll ist, damit Hertha nachhaltig Erfolg hat und in den internationalen Wettbewerb zurückkehrt. Ich weiß noch, wie er Belastungsspitzen setzen wollte bei den Spielern. Er hatte die Idee, dass sie Mitte der Woche abends Trainingsspiele bestreiten, damit sie sich an den Rhythmus der Englischen Wochen gewöhnen. Jürgen lud auch Trainerpersönlichkeiten ein.
Frage: Wen?
Nouri: Berti Vogts etwa stand auf einmal in unserem Trainerbüro und erzählte von seinen Erfahrungen. Solche Maßnahmen sind sehr hilfreich. Es ist extrem schade gewesen, dass die Zusammenarbeit so schnell endete. Denn mit Jürgen wäre in Berlin so viel möglich gewesen. Wenn wir abends zum Essen gingen, wurde ihm der rote Teppich ausgerollt, alle waren positiv erfüllt.
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