Ende Februar machte der Syntainics MBC Ulrike Wölfel zum Mitglied der Geschäftsleitung, zur neuen Saison soll die 36-Jährige mit Alexander Rolle (35) als Doppelspitze die Geschäftsführung übernehmen. Damit ist sie aktuell die einzige Frau in leitender Funktion bei einem Basketball-Bundesligisten. Der spielt an diesem Sonntagnachmittag (15 Uhr, Dyn) gegen Alba Berlin.

Frage: Sie waren TV-Moderatorin und Schlagersängerin, haben an Miss-Wahlen teilgenommen. Ein ungewöhnlicher Karriereweg ...

Ulrike Wölfel: Ich war immer sportlich unterwegs, das ist Teil meiner persönlichen Vita. Das macht mich aus. Aber das spielt ja keine Rolle bei der Verantwortung, die ich im Klub habe. Ich habe eine kaufmännische Ausbildung gemacht, bin Betriebswirtin, habe das fachliche Wissen und bin bereits über viele Jahre für den Klub tätig. Auf den ersten Blick sieht man vielleicht nur die Miss-Wahlen und meine Schlagerkarriere. Aber ich habe ja eine fachliche Kompetenz. Sonst hätte sich der Klub ja nicht für mich entschieden.

Frage: Um das Vorurteil direkt aus dem Weg zu räumen: Sie haben ja nicht wegen Ihrer Optik den Job bekommen ...

Wölfel: Nein, sicher nicht. Außerdem gibt es genug schöne Frauen. Daran lag es hoffentlich nicht. (lacht)

Frage: Sie kennen den Begriff Rampensau, oder?

Wölfel: Klar, aber das war einmal. Ich habe mit drei Jahren das erste Mal auf der Bühne gestanden, hab getanzt. Ich habe das 14 Jahre gemacht und mich weiterentwickelt. Dann die Miss-Wahlen, sieben Jahre täglich bei TV Halle moderiert, als Schlagersängerin viele Jahre auf der ganzen Welt unterwegs gewesen. Aber das Projekt soll jetzt wieder fortgeführt werden. Dass ich das alles gemacht habe, bringt mir sicher einige Vorteile. Und auf jeden Fall ein Alleinstellungsmerkmal in der Liga. (lacht)

Präsentation von weihnachtlichen Bademoden; Ulrike Wölfel (rechts) im November 2008 im Leipziger Freizeitbad „Sachsen Therme“

Frage: Sie sitzen für die CDU im Stadtrat. Wo begegnen Ihnen mehr Vorurteile: in der Politik oder im Basketball?

Wölfel: Vorurteile gibt es überall, wo Menschen Verantwortung übernehmen. Entscheidend ist aus meiner Sicht immer die Arbeit und die Ziele. Wenn man Dinge verlässlich und professionell umsetzt, relativieren sich viele Vorbehalte sehr schnell.

Frage: Wird man dennoch von einigen Männern unterschätzt?

Wölfel: Man muss als Frau sicher stärker kämpfen. Aber das geht sicher allen Frauen so, egal wo man ist.

Frage: Dennoch sind Sie eine der wenigen Frauen in einer Führungsposition in der Basketball-Bundesliga.

Wölfel: Ich würde mir wünschen, dass es mehr werden. Aber ich bin sehr stolz darauf, dass ich das machen darf. Und meine Familie steht da auch hinter mir. Das ist auch wichtig. Es sollten sich mehr Frauen wagen. Es gibt bestimmt viel mehr, die das könnten. Aber bisher nicht die Chance bekommen haben. Oder nicht das Selbstvertrauen haben.

Frage: Die Außendarstellung des MBC war zuletzt unglücklich: Trainer-Entlassung, der Rauswurf von John Bryant ...

Wölfel: In jedem Unternehmen gibt es mal Höhen und Tiefen. Wir wollen jetzt stabile Rahmenbedingungen schaffen, sowohl in der Organisation als auch in der Außendarstellung.

Frage: Woran lag es?

Wölfel: Das geht jedem Klub mal so. Wir hatten jetzt alles auf einmal. Aber jetzt wollen wir uns bis zum Ende der Saison auf das Sportliche konzentrieren. Und das heißt Klassenerhalt. Wir wollen in der Liga bleiben, alles andere wäre Bonus.

Frage: Wenn Geld keine Rolle spielen würde: Welchen Basketballer würden Sie für den MBC verpflichten?

Wölfel: Wenn man träumen darf, wäre natürlich ein Spieler wie LeBron James für jeden Klub eine unglaubliche Wunschvorstellung, sportlich und auch für die Aufmerksamkeit rund um den Basketball. Und wenn wir auf deutsche Spieler schauen, wären die Brüder Franz Wagner und Moritz Wagner natürlich ein Traum für jeden.

Frage: Würden Sie sich auch zutrauen, einen Fußball-Bundesligisten zu führen?

Wölfel: Profisport hat unabhängig von der Sportart – vor vielen Jahren war ich ja zuvor auch beim Eishockey tätig – viele ähnliche Strukturen: Organisation, Vermarktung, Partnerschaften und wirtschaftliche Stabilität. Aber aktuell liegt mein voller Fokus mit großer Leidenschaft auf dem Syntainics MBC und darauf, unseren Klub gemeinsam mit Alexander Rolle weiterzuentwickeln.

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Frage: Sie kommen aus der Unterhaltungsbranche. Muss sich die Bundesliga für mehr Show und Entertainment öffnen?

Wölfel: Sport ist immer das Herzstück und der Fokus. Aber ganz klar: Moderne Sportevents leben von Emotion, Atmosphäre, Entertainment und Erlebnis für die Besucher und Fans. Da ist schon viel los im Basketball und das liebe ich auch so daran. Luft nach oben ist aber immer.

Frage: Wenn der Klassenerhalt fix ist, gibt es dann einen spontanen Auftritt der „Himmelsstürmer“?

Wölfel: (lacht) Ich glaube, unsere Fans kommen in erster Linie wegen Basketball in die Halle. Vielleicht dann die neue Formation, da gerade Nachfolgerinnen gesucht werden.

Das Interview wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Bild am Sonntag“ veröffentlicht.

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