Die jüngste Aufsichtsratssitzung des FC Bayern fand am 23. Februar statt. Um die bis 30. Juni 2027 gültigen Verträge der Vorstände Jan-Christian Dreesen und Max Eberl ging es dabei noch nicht. Auch der Vertrag von Sportdirektor Christoph Freund endet zu diesem Zeitpunkt. Alle drei Bayern-Bosse gehen in die nächste Saison mit auslaufenden Verträgen. Darum müssen demnächst Entscheidungen getroffen werden. Bei einer könnte es eine große Überraschung geben.

Nach „Sport Bild“-Informationen ist die Zukunft von Eberl über 2027 hinaus viel offener als gedacht. Die Chancen, dass mit dem Sportvorstand verlängert wird, stehen aktuell bei 50:50. Laut AG-Recht darf der Verein mit Vorständen erst ein Jahr vor Vertragsende verlängern. Dass die Causa Eberl kein Selbstläufer wird, zeigt bereits ein anderer Vertragsvorgang.

Eberl holte den 36-jährigen Nils Schmadtke, Sohn des früheren Bundesliga-Torwarts und langjährigen Managers Jörg Schmadtke, im Oktober 2024 zum FC Bayern. Der Abteilungsleiter Scouting ist Eberls absoluter Vertrauensmann; der Sportboss schätzt seine Expertise auch bei der Kadergestaltung. Schmadtkes Zweijahresvertrag hätte Eberl gerne langfristig verlängert, doch die Entscheidung fiel anders aus: Schmadtke wird nur einen weiteren Einjahresvertrag erhalten. Sollte mit Sportvorstand Eberl also nicht verlängert werden, läuft auch der Kontrakt seines Vertrauten zum 30. Juni 2027 parallel aus.

Kontroverse Debatten

Es mag von außen verwunderlich wirken, dass die Personalie Eberl intern kontrovers diskutiert wird. Der FC Bayern ist diese Saison auf Triple-Kurs. Die Bundesliga-Tabelle führt der Meister mit einem souveränen Vorsprung von elf Punkten an, steht dazu im DFB-Pokal-Halbfinale in Leverkusen. Das Champions-League-Achtelfinale wurde souverän erreicht, in der Ligaphase stand allein der FC Arsenal in der Tabelle vor den Münchnern.

Mit Vincent Kompany, der die Mannschaft nach der unruhigen Ära Thomas Tuchel befriedet hat, holte Eberl nach langer Suche einen Überraschungskandidaten, der voll einschlug. Aus der Premier League verpflichtete der Sportboss mit Michael Olise und Luis Díaz zwei absolute Leistungsträger – und sparte dabei sogar noch Gehalt ein.

Die Verpflichtung von Jonathan Tah konnte Eberl erst im zweiten Anlauf durchsetzen. Heute wird selbst im Aufsichtsrat eingeräumt, dass es ein Fehler gewesen sein könnte, dem Tah-Vorstoß von Eberl bereits im Transfersommer 2024 nicht gefolgt zu sein. Durch den Transfer von Jonas Urbig steht für Manuel Neuer ein Nachfolger bereit, sollte sich der Weltmeister im Sommer für ein Karriereende entscheiden.

Im Aufsichtsrat war auch Thema, wie ein neues Angebot für Neuer, dessen Vertrag ausläuft, aussehen könnte. Bereits bei der letzten Verlängerung war Eberl eine Reduzierung des Gehalts des Torwarts gelungen. Eberl hat – auch auf Druck des Aufsichtsrates – den Kader verkleinert, Gehaltskosten gespart, ohne den sportlichen Erfolg zu gefährden. Damit hat er die Vorgaben erfüllt. Die Vorbehalte sind anderer Natur.

Der Hauptgrund: Zwischen Eberl und den anderen Bossen soll noch immer kein uneingeschränktes Vertrauensverhältnis herrschen. So soll Eberl den Aufsichtsrat, der seine Millionen-Entscheidungen abnicken muss, oft erst sehr spät eingebunden haben. Zudem soll Eberl Vertragsabschlüsse sehr schnell vorantreiben wollen. Problem: Das Durchwinken käme den Klub oft teurer zu stehen, als nachzuverhandeln.

30 Millionen Euro für Coman

Ein Beispiel ist der Verkauf von Kingsley Coman. So soll Eberl bereits eine Einigung mit dem Saudi-Klub Al-Nassr bei einer angeblichen Ablöse von 25 Millionen Euro erzielt haben. Zu wenig, fanden die Bayern-Bosse. Vorstandschef Jan-Christian Dreesen verhandelte nach. Am Ende soll Al-Nassr 30 Millionen Euro bezahlt haben.

Zum Wohl und Wehe des FC Bayern knallhart in der Sache zu streiten – so wie es Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge jahrzehntelang gepflegt haben – soll mit Eberl, den Hoeneß im vergangenen Sommer als „zu empfindlich“ bezeichnete, nach wie vor schwierig sein. Ohne diese belastbare Basis wird eine gemeinsame Zukunft aber deutlich schwieriger.

Mit Jamal Musiala, Joshua Kimmich, Alphonso Davies und Dayot Upamecano gelangen Eberl die Vertragsverlängerungen mit wichtigen Leistungsträgern. Allerdings zu meist teureren Konditionen. Gespart wurde neben Neuer beim neuen Vertrag von Serge Gnabry. Spitzenverdiener wie Coman oder Leroy Sané stehen nicht mehr auf der Gehaltsliste, so wie ab dem Sommer auch Leon Goretzka.

Eine Personalie, bei der sich die sportliche Führung und das höchste Gremium uneinig waren, war Xavi Simons. Eberl wollte den damaligen Leipziger im Sommer nach München holen, auch Kompany machte sich für den Holländer stark. Der Aufsichtsrat wollte einen Kauf nicht bewilligen, da mit Musiala der perfekte Spieler für die Position bereits im Klub, aber nur verletzt sei – und das Simons-Paket viel zu teuer sei. Der Spielmacher wechselte letztlich für 65 Millionen Euro zu Tottenham, und Bayern lieh stattdessen für 16,5 Millionen Euro Nicolas Jackson für den vakanten Kaderplatz. Beide Transfers wickelte mit Ali Barat derselbe Agent ab.

Das Thema Vorstandsverträge soll bei der nächsten Aufsichtsratssitzung im Mai angesprochen werden, bevor es bei dem Termin im August auf die Tagesordnung gesetzt wird. Die Frage, ob für Eberl überhaupt ein Nachfolger auf dem Markt wäre, stellt sich aktuell nicht. Nach „Sport Bild“-Informationen ist der öffentlich oft gehandelte Name Markus Krösche, Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, derzeit kein Kandidat. Mit Dreesen und Freund sähe man sich auch für den Fall eines Ausscheidens von Eberl bei den Entscheidungsträgern sehr gut aufgestellt.

Teamarbeit geschätzt

Bei Vorstandschef Dreesen gilt eine Verlängerung derzeit nur als Formsache. Der Aufsichtsrat ist mit der geräuschlosen Arbeit seines CEO sehr zufrieden. Dreesen ist auch eingebunden, wenn die Vertragsgespräche mit Harry Kane, dessen Vertrag 2027 ausläuft, angegangen werden sollen. Dreesen hatte den Stürmer 2023 zu Bayern geholt, als der Posten des Sportchefs nach der Entlassung von Hasan Salihamidzic nicht besetzt war. Eberl hat damit kein Problem, er schätzt Teamarbeit.

Anders als bei Dreesen und Eberl entscheidet nicht der Aufsichtsrat über die Zukunft von Sportdirektor Freund. Das ist Sache des Vorstands, zu dem seit dem 1. Januar 2026 auch Rouven Kasper gehört. Kasper ist verantwortlich für Marketing und Vertrieb, schloss zuletzt Partnerschaften wie mit Viessmann ab und verlängerte mit Bitpanda. Damit das Frauen-Team mehr Aufmerksamkeit bekommt, sucht er derzeit Partner, um das Champions-League-Spiel gegen Manchester United im Free-TV zu zeigen.

Dreesen, Eberl und Kasper werden über einen neuen Freund-Vertrag entscheiden. Nach „Sport Bild“-Informationen soll Freund extrem gute Aussichten haben. Seine Arbeit rund um die Profi-Mannschaft sowie den Campus, wo ihm mehr Verantwortung übertragen wurde, wird sehr geschätzt. Bayern scheint mit seinen Bossen Dreesen und Freund in die Zukunft gehen zu wollen. Nur bei Eberl ist die Entscheidung offen – und eine Überraschung möglich.

Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Sport Bild“ veröffentlicht.

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