Wenn er es mit seinen Füßen lenkt oder mal aufstellt, um es dann um die eigene Achse zu drehen und wieder auf ihm zu fahren, bedarf es nur wenige Sekunden, um zu erkennen, wie eins er mit dem ist, was er da macht – oder warum es in der Szene in Bezug auf ihn auch heißt: Der mit dem Skateboard tanzt.
Guenter Mokulys, 62 Jahre alt, ist einer der weltweit erfolgreichsten und bekanntesten Skateboarder überhaupt. Nicht wenige sagen, er, der elf WM-Titel gewann, sei eine Ikone, eine Legende. Und diese Legende ist immer noch aktiv. Nach Italien geht es in diesem Jahr noch zu einem Wettbewerb nach Los Angeles und wahrscheinlich auch noch nach Tokio. „Da tut sich noch einiges in diesem Jahr. Ich bin zwar nicht mehr so gut wie früher, aber immer noch gut“, sagt Mokulys im WELT-Podcast WELTMeister.
Den ersten seiner elf WM-Titel gewann er 1986. Da war er noch Amateur – und trainierte neben seiner Arbeit als Dreher an einer Werkbank. Weil das tägliche Training irgendwann zu viel Zeit in Anspruch nahm, musste eine Entscheidung her. „Fünf, sechs Stunden Training – und acht Stunden Arbeiten. Ich habe das drei Jahre lang gemacht, aber darauf hatte ich keinen Bock mehr. Ich brauchte fünf Wochen Urlaub für die WM in den USA, aber mein Chef wollte mir das nicht geben. Da habe ich ihm gesagt: ‚Weißt du was, ich habe keinen Bock mehr auf diese Arbeit, ich kündige und gehe.‘ Ich bin dann rübergegangen und habe die Amateur-Weltmeisterschaft gewonnen.“ Rodney Mullen siegte bei den Profis.
In Dortmund, wo Mokulys aufgewachsen ist, hatte er 1983 die Liebe zum Skateboarden entdeckt. In der Fußgängerzone sah er damals immer mal wieder „ein paar Jungs, die auf dem Skateboard oder mit dem BMX-Rad gefahren sind. Das hat mich fasziniert. Das wollte ich auch können“. Weil es damals noch nicht so einfach war, mal schnell ein Skateboard zu kaufen, „da es schlichtweg ganz wenige gab“, musste er lange suchen.
In einem Shop in Witten fand Mokulys schließlich eins. Ein Kryptonics Freestyle Skateboard. „Das war mein erstes eigenes. Ich habe es heute noch“, erzählt Mokulys, der sich dann ausprobierte und mithilfe von Herrmann Finkmann, einem damals bekannten Freestyler, viel lernte. Er zog schließlich nach Münster, wo es einen kleinen Skateboardpark gab. Mokulys lernte schnell, aber nicht nur in Bezug auf das Fahren und Tricksen an sich, auch darüber hinaus.
„Die sind alle cool untereinander“, sagt der elfmalige Champion
Es sei ja immer mal überlegt worden, den Sport in ein bestimmtes Schema zu packen, erzählt Mokulys. Von Pflichtfiguren war die Rede, von klaren Vorgaben. „Doch was haben die Skater gemacht? Die haben boykottiert. Wettbewerbe – ja. Gewisse Regeln – ja. Das ist alles in Ordnung, aber wir haben keine Einheitskleidung. Denn wir brauchen einfach dieses gewisse Freiheitsgefühl, besonders beim Freestyle. Die Leute sind alle cool untereinander. Da ist der Wettbewerb, in dem man sich anstrengt und versucht, einen guten Platz zu machen. Aber danach sind wir alle zusammen essen und machen Faxen.“
Skateboarden ist für Guenter Mokulys ein Lebensgefühl. Er konnte und kann davon leben. Durch Preisgelder, durch einen Onlineshop. Zudem hat er nicht nur elf WM-Titel gewonnen, er hat dazu auch noch elf Bücher über seine Leidenschaft geschrieben. Bücher, in denen er Tricks erklärt, in denen er Tipps gibt. Seine Ratgeber haben sich mehr als 100.000 Mal verkauft.
Demnächst eröffnet Mokulys ein neues Skateboardgeschäft in Marl-Sinsen. Wohl wissend, dass es für Einzelhändler nicht so einfach ist. „Aber es passt einfach“, sagt Mokulys. „Die Leute sind cool dort, es gibt eine Skateboard-Szene dort – und einen Verein. Man bemüht sich, da was auf die Beine zu stellen.“ Zudem ist er bei Instagram und Tik Tok aktiv – mit Videos, in denen er Tricks erklärt, sammelt er unzählige Klicks. Sie werden angeschaut, weil er nicht irgendwer ist, sondern Guenter Mokulys, der bis heute an mehr als 150 Wettbewerben teilgenommen hat – und noch immer der ist, der mit dem Skateboard tanzt.
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