Werder-Fans gelten als besonders treu und leidensfähig. Doch nach dem 1:2 (0:0) beim FC St. Pauli und nunmehr 16 Wochen ohne einen Sieg gingen die Fans in die Offensive und teilten den Bremer Spielern mit, den obligatorischen Gang vor den Auswärtsblock an diesem Tag besser auszulassen. Die Krise des norddeutschen Traditionsclubs spitzt sich zu: Werder steht seit Sonntag auf einem direkten Abstiegsrang.
Der Zusammenhalt zwischen Fans und Mannschaft wird angesichts der 13 Spiele ohne Sieg auf eine harte Probe gestellt. Die Szenen nach der bitteren Pleite verdeutlichten die sportliche Schieflage des Klubs. „Sie haben selber die Reaktion der Fans gesehen“, sagte Werder-Coach Daniel Thioune bei der Pressekonferenz nach der Partie.
Trotz der dritten Pleite im dritten Spiel unter seiner Regie bekräftigte der neue Trainer aber: „Meine Energie ist immer noch ungebrochen. Ich habe immer noch die Fantasie, dass wir gemeinsam den richtigen Weg einschlagen.“ Der 51-Jährige fügte hinzu: „Ich glaube, was unheimlich wichtig sein wird, dass wir beieinander bleiben, dass wir zusammenbleiben.“
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Wenige Tage vor dem nächsten Kellerduell gegen den fünf Punkte entfernten Tabellenletzten 1. FC Heidenheim am Samstag (15.30 Uhr/Sky) ist die Ernüchterung im Umfeld des Traditionsklubs groß. Nie seit der Bundesliga-Rückkehr 2022 waren die Bremer Abstiegssorgen so groß wie aktuell. Der letzte Erfolg gelang am 7. November 2025 beim 2:1 gegen den VfL Wolfsburg.
„Unsere Fans nehmen natürlich auch unheimlich viel auf sich, reisen überall mit, unterstützen uns bis zum Abpfiff. Und es ist ja auch klar, dass die Enttäuschung riesig ist“, sagte Profifußball-Geschäftsführer Clemens Fritz. Mittelfeldspieler Leonardo Bittencourt bezeichnete die Reaktion der Anhänger als „verständlich“.
Verantwortliche verteidigen Torwart nach Patzer
Ein großer Leidtragender des Abends in Hamburg war Torwart Mio Backhaus, der beim 0:1 schwer danebengriff, als er nach 55 Minuten einen harmlosen Kopfball von Hauke Wahl nicht festhielt und der Ball ins Tor rollte.
Die Werder-Verantwortlichen stellten sich vor ihren jungen Torwart. „Dann kriegst du so ein Tor, das kriegst du wahrscheinlich einmal im Jahr“, sagte Fritz. Ihm tue es „unheimlich leid für Mio, überhaupt kein Vorwurf an ihn“.
Auch Thioune verteidigte seinen Torwart: „Ein Fehler, der so nicht passieren darf, aber auch definitiv gar kein Vorwurf an Mio Backhaus“, sagte der Fußballcoach. In der ersten Halbzeit habe sein Team das Spiel schon „nicht finalisiert“, dann müsse man nicht über den Fehler reden. Trainer Thioune bekräftigte, dass er in seinen ersten drei Wochen eine „tolle Performance“ des deutschen U21-Torwarts erlebt habe. Zuletzt habe der 21-Jährige „sehr stabil“ und „sehr gut“ gespielt.
Mit der Suche nach Lösungen für die Misere schwindet die Zeit, und die Spieltage werden weniger. „Es ist einfach grotesk, dass man so viele falsche Entscheidungen von so vielen guten Fußballern einfach auch sieht“, kritisierte Thioune.
„Vorne kriegen wir es nicht rein, und hinten kriegen wir aus den dümmsten Situationen Gegentore. Und so ist es zu wenig – und so wirst du die Spiele nicht gewinnen“, sagte Werder-Kapitän Marco Friedl bei DAZN. „Wir brauchen einen Befreiungsschlag, und den brauchen wir ganz schnell.“
Durch die ausbleibenden Erfolge wird auch die Kritik an Fritz nicht geringer. „Das ist egal, was es mit mir macht. Ich arbeite daran und wir alle arbeiten gemeinsam daran, Lösungsansätze zu haben“, sagte er auf die Frage, was die Situation mit ihm persönlich mache: „Es geht nicht um persönliche Befindlichkeiten, das bringt uns jetzt auch nicht weiter.“
Heidenheim im Aufwind nach Bremen
Vor allem haben die Bremer momentan keine Zeit für Nebenkriegsschauplätze. Die Augen sind jetzt schon auf dem nächsten Spiel am Samstag. Das Duell gegen den Tabellenletzten 1. FC Heidenheim hat den Charakter eines Finals für Werder, wie auch Fritz feindet: „Es ist ein sehr, sehr wichtiges Spiel. Wir wissen auch, dass wir Punkte brauchen, dass wir Siege brauchen.“
Und der Gegner spürt nach dem überraschenden 3:3 (2:2) gegen den Champions-League-Aspiranten VfB Stuttgart wieder ein wenig Aufwind. Schließlich war nicht damit zu rechnen, dass sich die Heidenheimer angesichts der sportlichen Misere einen spannenden Schlagabtausch mit dem VfB liefern würden und am Ende sogar hätten gewinnen können – zumal nach einem frühen 0:1-Rückstand
„Es brennt noch Licht im Keller“, sagte FCH-Trainer Frank Schmidt, räumte aber auch ein: „Eigentlich helfen uns nur Siege.“ Er fordert für das Kellerduell in Bremen nun die gleiche Einstellung wie gegen den Tabellenvierten: „Jetzt sollte man schon mal ein Spiel gewinnen, damit noch mal so ein richtiger Schub durch uns geht“, sagte Schmidt: „Dann hat man schon die Fantasie weiterhin, dass wir bis zum Schluss die Chance haben, die Klasse zu halten.“
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