Kenan Karaman wusste zunächst nicht, was da von ihm verlangt wurde. „Der Capo hat mich gerufen. Zunächst habe ich gar nicht verstanden, was er genau von uns will“, sagte der Kapitän von Schalke 04. „Dann erst habe ich gemerkt, dass wir alle hochkommen sollen. Ich war sehr überrascht, aber es war für mich ein sehr, sehr besonderer Moment“, so Karaman. Er war aufgefordert worden, mit all seinen Teamkollegen die Stufen der kleinen Treppe vor der Nordkurve hochzusteigen und sich in den Block der Ultras zu begeben. Und das machten die Schalker Profis dann auch.
Das außergewöhnliche Ritual, das nach dem 5:3 (2:1) über den 1. FC Magdeburg vollzogen wurde, mag verwundern. Mit welcher Berechtigung zitieren Ultras Profis, mit denen sie noch vor neun Monaten alles andere als zimperlich umgegangen waren, die sie sogar verspottet und beleidigt hatten, zu sich? Und vor allem: Warum löst das fast schon überwältigende Glücksgefühle bei den Spielern aus?
„Wahnsinn“ sei das, sagte Karaman und meinte dies im absolut positiven Sinn. Minutenlang standen die Profis und auch Trainer Miron Muslic inmitten der Fans – und ließen sich feiern. „Ich bin ja schon sehr lange hier, aber das habe ich zum ersten Mal erlebt“, erklärte Karaman.
Vier Tore und drei Vorlagen in nur fünf Spielen
Der türkische Ex-Nationalspieler war 2022 nach Gelsenkirchen gekommen. In seiner ersten Saison stieg Schalke in die 2. Liga ab, in der zweiten konnte erst am 32. Spieltag der Klassenverbleib eingetütet werden. Die darauffolgende Spielzeit 2024/25 war noch finsterer, die Angst vor einem Absturz in die 3. Liga noch größer. Die Spieler wurden nach dem letzten Spieltag mit einer höhnischen Botschaft verabschiedet: „Historisch schlechteste Platzierung – schöne Sommerpause, ihr Versager!“
Deshalb war Karaman so überwältigt: weil sich die Stimmung rund um den Traditionsverein so radikal verbessert hat und damit auch die Wahrnehmung der Spieler. Am Samstag verteidigten die Schalker mit einer begeisternden Leistung die Tabellenführung, die sie sich erst eine Woche zuvor zurückerobert hatten. Die Träume von der Rückkehr in die erste Liga werden realer.
Die Hoffnungen werden vor allem dadurch gespeist, dass die Mannschaft von Muslic mittlerweile auch reichlich Tore schießt. Dies war, trotz einer starken Hinrunde, das große Manko der vergangenen Monate. Alles schien ausschließlich auf einer stabilen Defensive zu beruhen. Doch das hat sich geändert. Erzielten die Schalker bis zum 17. Spieltag nur 22 Treffer (1,29 im Schnitt pro Partie), trafen sie in den vergangenen sechs Spielen elfmal (1,83).
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Das hat nicht nur, aber vor allem auch mit Edin Dzeko zu tun. Der 39 Jahre alte Routinier steuerte zu dem Spektakel gegen Magdeburg bereits sein viertes Tor sowie seine dritte Vorlage bei – und avancierte damit nach nur fünf Spielen zum zweitbester Schalker Scorer nach Karaman (10 Tore, 5 Assists). Mit dem Bosnier gibt es endlich einen spielstarken Mann im Sturmzentrum – jemanden, der nicht nur trifft, sondern auch die Mitspieler einsetzen kann.
„Ich spiele Fußball für die Tore, aber nicht nur. Ich spiele auch Fußball dafür, dass meine Kollegen Tore schießen. Ich will den Ball am Fuß haben“, sagte Dzeko. Auffällig ist tatsächlich, wie stark er bereits ins Kombinationsspiel einbezogen ist. Oftmals ist er Ideengeber für Angriffe. Mit ihm ist Schalke deutlich variabler geworden.
Das war der Plan, der hinter der Verpflichtung Dzekos stand, die zunächst auf die Zeit bis Saisonende befristet ist. Und er scheint aufzugehen. „Wir haben schon gewusst, welche Wucht die Jungs entwickeln können. Fünf Tore sind kein Zufall“, sagte Muslic nach der Partie. Allerdings räumte der Coach auch ein, dass es durch die veränderte, offensivere Spielweise noch Probleme gibt, die richtige Balance zu finden. „Was mich ärgert, sind die drei Gegentreffer. Das geht nicht“, erklärte Muslic. Tatsächlich hatten die Schalker in den letzten vier Partien sogar zehn Tore schlucken müssen. Es müsse aufgearbeitet werden, warum die Mannschaft gegen Magdeburg nach einer 3:1-Führung „das Spiel so aufgemacht“ habe, forderte Dzeko.
Dennoch zeigte sich der Deutscher Meister von 2009 zuversichtlich, dass sich die Königsblauen im nach wie vor engen Aufstiegsrennen durchsetzen werden – vor allem auch wegen der neuen Eintracht zwischen Spielern und Anhang. „Deswegen bin ich gekommen, weil ich wusste, was für Fans Schalke hat, was für ein großartiger Verein das ist“, sagte Dzeko. Schalke sei „kein Verein für die 2. Liga, Schalke darf nicht 2. Liga spielen.“ Die Chancen stehen gut, dass dies ab der kommenden Saison nicht mehr gemacht werden muss.
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