Der deutsche Langlauf-Teamchef hatte schon vor ein paar Jahren eine gute Idee. „Wir machen jetzt alles wie die Norweger“, sagte Peter Schlickenrieder mit einem Augenzwinkern – wohl wissend, so einfach ist das nicht. Norwegen ist auch bei diesen Olympischen Winterspielen die dominante Ski-Nation.

Der Olympiasieg im Massenstart-Wettbewerb der Biathleten durch Johannes Dale-Skjevdal bedeutete das 17. Gold für die Skandinavier. Das schaffte bislang noch keine Nation bei einzelnen Winterspielen. Warum ist das so und was können die in diesen Tagen bei Olympia so enttäuschenden Deutschen davon lernen?

Besondere Sportkultur

Ein Erfolgsfaktor ist die tiefe Verankerung des Sports im Leben der Norwegerinnen und Norweger. „In Norwegen spielt Sport eine große Rolle in der Kultur. Das ist der größte Faktor“, sagte der achtmalige Olympiasieger Ole Einar Björndalen „t-online“. Der frühere Biathlet ergänzte: „Wir genießen es einfach, draußen zu sein und Sport zu machen.“

Das „Friluftsliv“ – Freizeitaktivitäten im Freien – wird Kindern schon von klein auf nahegebracht. Auch in der Schule spielt der Sport an der frischen Luft eine große Rolle. Im breiten Angebot von Sportarten hat Wintersport zudem eine ganz spezielle Bedeutung.

IOC-Chefin Kirsty Coventry meinte mit Blick auf die Serien-Erfolge der Norweger in Italien sogar: „Wir sollten möglicherweise Olympische Spiele in Norwegen haben, denn wenn ihr so viele Goldmedaillen gewinnt, habt ihr ganz offensichtlich viele Wettkampfstätten, von denen die gesamte olympische Bewegung profitieren kann. Norwegen hat einen unglaublichen Job gemacht.“

Vorteil Schnee

In Norwegen sagt man, die Kinder werden mit Skiern an den Füßen geboren. Sobald sie laufen können, lernen viele Kinder Skifahren. Dazu haben sie bessere Gelegenheiten als Kinder in Deutschland. Schneereiche Winter und viele Skianlagen und Langlaufspuren helfen dabei, dass Norweger manchmal das halbe Jahr lang Wintersport in ihrer Heimat betreiben können.

„Das ist unser Nachteil, dass wir einen Monat oder zwei Monate weniger Schnee haben“, sagte Schlickenrieder: „Klaebo hatte bis zu seinem 25. Lebensjahr bestimmt eine Weltumrundung auf Schnee mehr als wir.“

Langläufer Johannes Hoesflot Klaebo hat bei diesen Winterspielen bereits fünfmal Gold gewonnen und an diesem Samstag über 50 Kilometer noch eine weitere Chance. Sechsmal Gold bei einer Ausgabe von Winterspielen holte noch niemand.

Kleines Land dominiert Medaillenspiegel

Neben den klimatischen Bedingungen spielt auch die Herangehensweise an Sport mit Kindern eine Rolle. Skiklubs legen in Norwegen besonderen Wert darauf, Kinder spielerisch an den Sport heranzuführen.

„Man versucht, den extremen Leistungsgedanken möglichst lange von den Kindern fernzuhalten“, sagt Schlickenrieder. Der 56-Jährige sieht auch darin einen von mehreren Gründen dafür, warum Klaebo zum Ausnahme-Langläufer werden konnte. Der 29-Jährige ist mit insgesamt zehn Olympiasiegen der erfolgreichste Sportler bei Winterspielen. Gerade im Kinder- und Jugendbereich könnte Deutschland von Norwegen lernen.

Hinter Klaebo folgen in der Rangliste seine Landsleute Marit Björgen (Langlauf), Björndalen (Biathlon) und Björn Dählie (Langlauf), die jeweils achtmal Gold gewonnen haben. Seit 2014 hat Norwegen jeden Medaillenspiegel beim wichtigsten Wintersport-Event der Welt gewonnen. Dabei hat das skandinavische Land mit rund 5,6 Millionen Einwohnern weniger als das Bundesland Hessen.

Viele Vorbilder

Schon seit den 1990er-Jahren werden in Norwegen Wintersportarten gezielt gefördert – auch im Jugendsport. Dass die Norweger so erfolgreich sind, schafft ständig neue Vorbilder und motiviert Kinder, auch Ski zu fahren.

Auch der Wirbel um die Seitensprung-Beichte des Biathleten Sturla Holm Laegreid bei diesen Winterspielen oder der Skandal um manipulierte Skisprung-Anzüge von bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr in Trondheim wirken sich nicht dauerhaft negativ aus.

Dass deutsche Sportlerinnen und Sportler in früher einmal starken Disziplinen bei diesen Winterspielen nicht liefern wie einst, fällt auch in Norwegen auf. Die Nordischen Kombinierer etwa nahmen erstmals seit 1998 keine einzige Medaille von Winterspielen mit nach Deutschland. Auch im Biathlon läuft es alles andere als gewünscht.

„Ich wüsste gern, was sie im Training genau machen“, sagte der norwegische Biathlon-Rekordweltmeister Johannes Thingnes Bø im Interview mit WELT: „Die Situation betrifft ja nicht nur einen Athleten, sondern beide Teams – Männer und Frauen. Sie laufen nicht schnell genug, sie schießen nicht gut genug. Es muss sich etwas ändern. Sie sollten mehr nach Frankreich und Norwegen schauen.“

Norwegen als Vorbild: Das wusste schon Peter Schlickenrieder.

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