Vincent Kompany war sichtlich bewegt und gab eine sehr lange Antwort. „Sie haben etwas geöffnet in mir“, sagte der 39-jährige Trainer des FC Bayern Freitagvormittag auf der Pressekonferenz des deutschen Fußball-Rekordmeisters vor dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt am Samstag (15.30 Uhr, Sim Sport-Ticker der WELT) zu den Journalisten in der Klubzentrale an der Säbener Straße in München. Er sprach beinahe zwölf Minuten zu einem Thema, das ihm wichtig ist. Es war ein Statement, das über Deutschland hinaus nachhallen dürfte.
Ein Reporter hatte Kompany um ein Statement zum Thema Rassismus gebeten. Anlass war der Eklat beim Auswärtsspiel Real Madrids bei Benfica Lissabon (0:1) in den Playoffs der Champions League Mitte dieser Woche. Kompany schob die Frage höflich bis an das Ende der Pressekonferenz. Als dann alles Sportliche zu seiner eigenen Mannschaft beantwortet war, kritisierte der Belgier seinen prominenten Kollegen José Mourinho nach dem Rassismus-Skandal um Reals Starspieler Vinicius Júnior ungewöhnlich heftig.
„Es ist ein schwieriges Thema“, sagte Kompany. Und kam dann auf Mourinho. Der portugiesische Startrainer von Benfica habe nach dem Play-off-Spiel „den Charakter von Vinicius Júnior attackiert. Er hat die Art, wie er jubelt, gegen ihn verwendet. Für mich ist das aus Führungsperspektive ein klarer Fehler“, sagte Kompany emotional in Richtung Mourinho.
Der Bayern-Trainer kritisiert sonst quasi nie Trainerkollegen. Es waren auch deswegen besondere Sätze. „Ich urteile nicht über José Mourinho als Person“, betonte Kompany. „Aber er hat einen Fehler gemacht. Und ich hoffe, das wird in der Zukunft nicht mehr passieren.“
Der 63-jährige Mourinho habe nach dem Skandalspiel auch erklärt, dass Benfica „nicht rassistisch“ sein könnte, „denn der wichtigste Spieler in ihrer Geschichte war Eusébio. Aber wissen Sie“, sagte Kompany, „was Spieler in den 60er-Jahren durchgemacht haben? Mein Vater ist auch ein schwarzer Mann aus den 60ern – und damals hatten sie als einzige Option, ruhig zu bleiben, nichts zu sagen, darüberzustehen, zehnmal besser zu sein, um dann vielleicht ein bisschen Anerkennung zu bekommen. Das war Eusébios Leben. Und heute seinen Namen dafür zu verwenden, um etwas gegen Vinicius Júnior zu sagen …“
Reals Profi Vinicius Júnior hatte Benficas Spieler Gianluca Prestianni nach dem 1:0 vorgeworfen, ihn als „Affe“ bezeichnet zu haben. Mourinho hatte dagegen die Art des Torjubels des Brasilianers moniert. Der europäische Fußballverband Uefa hat inzwischen Ermittlungen eingeleitet.
Vincent Kompany wurde in Belgien geboren, sein Vater Pierre war 1975 aus der Demokratischen Republik Kongo nach Belgien gekommen. Er habe „hundert Menschen getroffen, die mit José Mourinho zusammengearbeitet haben. Und ich habe noch nie einen getroffen, der etwas Schlechtes über ihn gesagt hätte. Alle Spieler, die für ihn gespielt haben, lieben ihn“, sagte Vincent Kompany auf dieser besonderen Pressekonferenz. „Aber da hat er einen Fehler begangen“, so der Bayern-Trainer in Bezug auf die Äußerungen Mourinhos in dieser Woche.
Kompany berichtete, er habe die Partie Reals live im Fernsehen verfolgt. „Wenn du die Aktion siehst, kann die Reaktion von Vini Júnior nicht vorgetäuscht sein. Es ist eine emotionale Reaktion“, sagte er. „Und ich sehe keinen Nutzen für ihn darin, zum Schiedsrichter zu gehen und das ganze Elend auf seine Schultern zu nehmen. Aber er macht es, weil er findet, es ist in dem Moment das Richtige.“
Vinícius Júnior sei als ein berühmter Spieler im Gegensatz zu vielen anderen schwarzen Fußballern „wenigstens in einer Position, dass er eine Stimme hat zu protestieren“, so der Bayern-Trainer.
Vincent Kompany erlebte selbst Rassismus
Kompany war in seiner Zeit als Fußballprofi (unter anderem Manchester City) nach eigener Aussage selbst mehrfach rassistisch beleidigt worden. „Wenn es wahr ist, dass der Spieler von Benfica das gesagt hat, würde ich mir wünschen, dass es einen Raum für eine Entschuldigung gibt. Niemand auf der Welt ist perfekt. Aber wir berauben uns dieser Option. Es gibt immer nur links und rechts, schwarz und weiß“, sagte er Freitagvormittag.
Er hoffe einfach, „dass dies nicht mehr so passieren wird, sodass wir nach vorn blicken können und wachsen können. Und schaut mal auf die Dinge, die wir zusammen schaffen können und nicht auf die, die uns trennen.“
Für ihn sei es „eine ganz schwierige Thematik. Denn ganz ehrlich, ich passe nicht in diese Welt und was da alles passiert, ich sehe da meinen Platz oftmals nicht“.
Es war ein besonderes Plädoyer des Bayern-Trainers gegen Rassismus.
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