Weil es um die deutsche Herrlichkeit bei Olympia auf breiter Flur nicht zum besten bestellt war, haben sich womöglich einige wirklich schön klingende italienische Wörter ins Unterbewusstsein der deutschen TV-Zuschauer eingeschlichen. Mangels Medaillenchancen oder zu lahm orchestrierter Aufholjagden deutscher Eishockey-Spieler, Skifahrer oder Biathleten waren wir ja quasi mit dem Eiskanal in Cortina d‘Ampezzo verhaftet. Wer in Deutschland auf eine Medaille hoffte, für den platzte wenigstens da der Traum kaum einmal.
Gebaut in nur elf Monaten von deutschen Ingenieuren aus Leipzig (vielleicht deshalb?), nach offiziellen Angaben 124,8 Millionen Euro teuer, 1745 Meter lang, 16 Kurven – und mit denen beginnt die Erinnerung. Wenn einer in, sagen wir 17 Jahren, mal fragt, was man mit Olympia in Italien verbindet, dann ist es gut möglich, dass er herunterbetet: Belvedere, die Kurve mit dem Panoramablick auf das Ampezzotal. Oder die Antelao, benannt nach dem Monte Antelao, der von hier aus gut sichtbar ist.
Ebenso die Cristallo, der Monte Cristallo erhebt sich hinter ihr. Natürlich nicht zu vergessen die Tofana, zur Erinnerung an die Tofana-Kurve beim Startbereich der alten Bahn von 1956 – mit Blick auf die gleichnamige Berggruppe. Und zu guter Letzt die Arrivo, wo wir meist schon eine Medaille sicher hatten. Die Bahn ist der Stolz von tutto Italia – und sie sicherte auch uns etwas Respekt der Welt bei Olympia.
Eine Achterbahn der Gefühle, die meist in Enttäuschung endete
Durch die alte Bahn in Cortina kurvte in den 1980er-Jahren Roger Moore als James Bond im Film „In tödlicher Mission“. Sie war zuletzt nur noch eine, erfüllte die Sicherheitsanforderungen nicht mehr – die Kältetechnik war defekt. Auf der neuen waren wenigstens Rodler, Skeletonis oder Bobpiloten des Teams Deutschland in erfolgreicher Mission.
Ansonsten aber fühlten sich diese Spiele aus deutscher Sicht eher wie die Fahrt im Labirinti an – den drei eng aufeinanderfolgenden Kurven der Pista Olimpica Eugenio Monti: eine Achterbahn der Gefühle, die meist in Enttäuschung endete.
Patrick Krull ist Sport-Redakteur der WELT. In der Woche vor Beginn der Winterspiele in Italien war er ums Eck von Cortina auf dem Kronplatz Skifahren. Eine Gruppe von fröhlichen südtiroler Skilehrern wünschte ihm bei der Mittags-Einkehr auf der Hütte Lorenzi schöne Spiele. Er hatte da schon so eine Vorahnung, dass Olympia ihn zwar wieder in den Bann zieht, aber die Medaillen eher die anderen holen. Tofana klingt für ihn deswegen seither ein bisschen wie Trost.
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