Die Zielgerade im Eiskanal von Cortina d’Ampezzo war fest in deutscher Hand. Sechs Bobfahrer standen auf dem Eis und lagen sich in den Armen. Sie feierten einen kompletten Medaillen-Satz für die deutsche Olympiamannschaft. Mit dem besten Ende für Johannes Lochner und Anschieber Georg Fleischhauer. Mit einem gigantischen Vorsprung von 1,34 Sekunden ließen sie den großen Dauerrivalen Francesco Friedrich mit Alexander Schüller hinter sich. Auf Rang drei: der junge Herausforderer Adam Ammour mit Alexander Schaller. Der Eiskanal bleibt der deutsche Medaillen-Garant bei den Winterspielen.
Mit einem späten Happy End für Lochner. Dieser Wettbewerb war eine Machtdemonstration des Ewig-Zweiten und zum Ende seiner Karriere die olympische Krönung mit Gold – eine Medaille, die ihm noch fehlte. Dazu eine Machtdemonstration der deutschen Crews, die nach dem ersten historischen Dreifach-Triumph 2022 in Peking gleich den nächsten folgen ließen. Und: Sie bescheren dem Bob- und Schlittenverband (BSD) die Medaillen Nummer elf, zwölf und 13 dieser Spiele.
„Es gibt gerade nichts Geileres, als dass ein Plan aufgeht. Ich war selten sprachlos in meiner Karriere, aber das ist so ein Glücksgefühl. Ich kann das gar nicht beschreiben“, sagte Lochner in der ARD und nahm seinen fast zwei Meter großen Anschieber Fleischhauer in den Arm: „Mit so einem riesigen Vorsprung, das ist unfassbar, dass wir das hingekriegt haben. Danke an meinen kleinen Anschieber.“
Deutsche im Eiskanal auf Rekordkurs
Damit sind die deutschen Athleten im Sliding Centre von Cortina ihrer Traumbilanz von Peking mit insgesamt 15 Medaillen ziemlich nahe. Die Zielsetzung des Verbandes vor den Spielen lautete so: „Wir wollen in jeder Disziplin mindestens eine Medaille holen, insgesamt 15 wie in Peking ist aber vermessen. In den Zielgesprächen haben wir maximal elf Medaillen, minimal neun angegeben“, sagte der BSD-Vorstandsvorsitzende Thomas Schwab.
13-mal Edelmetall ist es jetzt bereits, und es kommen ja noch der Zweierbob der Frauen und der Vierer der Männer. Soll übererfüllt – im Gegensatz zu sämtlichen nordischen Sportlern und den Biathleten, die zwar teilweise ebenfalls noch Wettkämpfe haben, aber deutlich hinter den Erwartungen liegen, vor allem die Biathleten und die sonst so erfolgsverwöhnten Kombinierer. Die Sportler im Eiskanal richten es für die gesamte deutsche Mannschaft.
Lochner und Friedrich duellieren sich seit Jahren
Lochner war an diesem Montagabend als großer Favorit in die abschließenden beiden Läufe gegangen. Der Weltcup-Gesamtsieger aus Berchtesgaden hatte sich in den ersten beiden Durchgängen 0,80 Sekunden Vorsprung herausgefahren.
Im dritten Durchgang dann fuhr Lochner erneut die Bestzeit und baute seinen Vorsprung aus. Vor dem großen Finale hatte er 0,92 Sekunden Vorsprung auf Friedrich. Ammour behauptete sich auf drei. Lochner hätte schon ein Riesenpatzer passieren müssen, um das Gold eventuell noch aus den Händen geben zu müssen. Doch der 35-Jährige, der mit Fleischhauer zuvor in diesem Winter sechs von sieben Rennen gewonnen hatte, zeigte erneut seine ganze Klasse an den Lenkseilen. Und steht nun erstmals bei Olympischen Spielen ganz oben auf dem Treppchen.
Friedrich und Lochner – sie duellieren sich seit Jahren. Bei den großen Rennen zumeist mit dem besseren Ende für Friedrich. Bei den Winterspielen 2022 in Peking hatte der Mann aus Pirna im Zweierbob vor Lochner und Christoph Hafer gewonnen. Im Vierer sah es ähnlich aus, nur schob sich zwischen Lochner und Hafner noch eine kanadische Crew.
Friedrich also, zweimaliger Doppel-Olympiasieger. Lochner, zweimal Olympia-Zweiter. Zwei Giganten, Dauerrivalen und Familienväter, beide 35 Jahre alt. Lochner hat zwar viel in seiner Karriere erreicht – Weltmeister 2017 im Vierer, 2023 im Zweier, dreimal Gesamtweltcupsieger im Zweier, zweimal im Vierer – stand aber oft in Friedrichs Schatten. Diese Spiele, das hatte er vorher bereits verkündet, werden seine letzten sein, danach ist Schluss. „Wir haben uns immer auf Augenhöhe mit Francesco duelliert, er war oft beim Höhepunkt vorn“, hatte er vorher gesagt. „Nun wollen wir den Spieß mal umdrehen.“ Es gelang ihm gleich im ersten Versuch.
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