Der französische Eistänzer Guillaume Cizeron hatte Olympia-Geschichte geschrieben. Vier Jahre nach dem Sieg in Peking mit Gabriella Papadakis gewann der 31-Jährige nun bei den Spielen in Italien Gold mit Laurence Fournier Beaudry – trotz eines eigenen Patzers. Cizeron ist damit der erste Eiskunstläufer, der mit verschiedenen Partnerinnen Gold im Eistanz gewann.
Doch eine Entscheidung sorgt nachträglich für mächtig Wirbel. Die Art und Weise, wie das französische Duo durch die Wertung triumphieren konnte, wirft Fragen auf.
Was war geschehen? Die US-Favoriten Madison Chock und Evan Bates mussten sich mit Silber begnügen – nur knapp hinter den Franzosen. Am Ende trennten beide Paare lediglich 0,86 Punkte.
Punktvergabe der Französin außergewöhnlich hoch
Für Zündstoff sorgt nun ein Bericht des US-Portals „SBNation“. Demnach soll es bei der französischen Wertungsrichterin Jézabel Dabouis deutliche Abweichungen vom Jury-Durchschnitt gegeben haben. Laut der Analyse habe sie das französische Paar um 6,45 Punkte höher bewertet als der Mittelwert der übrigen Richter. Gleichzeitig seien Chock und Bates um 7,19 Punkte niedriger eingestuft worden als im Schnitt. Dabouis war eine von neun Unparteiischen bei dem Wettbewerb, neben ihr richtete unter anderem auch Janis Engel aus den USA.
Rechnerisch ergebe sich daraus ein Unterschied von 13,64 Punkten zugunsten Frankreichs – ein statistisch außergewöhnlich hoher Wert. „SBNation“ spricht von einem wiederkehrenden Schema. Über mehrere Wettbewerbe hinweg habe Dabouis französische Athleten tendenziell besser bewertet, während deren Konkurrenten vergleichsweise schlechter abgeschnitten hätten.
Im Kürwettbewerb bei Olympia bewertete Dabouis nun Beaudry und Cizeron mit 137,45 Punkten, was die zweithöchste Punktzahl aller Preisrichter war, während sie Chock und Bates nur 129,74 Punkte gab. Sie war damit die einzige Preisrichterin, die ihnen nicht mehr als 130 Punkte zugestand.
Im Rhythmustanz zu Beginn der Woche gab es erneut einen großen Abstand zwischen den Punktzahlen von Dabouis für das amerikanische und das französische Paar, was zu einem Unterschied von fast sechs Punkten führte: Die Franzosen kamen auf 93,34 Punkte und das US-Paar auf 87,6 Punkte.
„Die Leute müssen verstehen, wofür sie jubeln“
„Immer wenn die Öffentlichkeit die Ergebnisse nicht versteht, schadet das unserem Sport“, sagte Chock. „Ich denke, es ist schwer, Fans zu halten, wenn es schwierig ist zu verstehen, was auf dem Eis passiert. Die Leute müssen verstehen, wofür sie jubeln, und sich sicher fühlen können in dem Sport, den sie unterstützen.“
Der italienische Eiskunstläufer Marco Fabbri, der mit seiner Partnerin Charlène Guignard einen enttäuschenden vierten Platz im Eistanz belegt hatte, stellte die Ergebnisse öffentlich in Frage. „Normalerweise bevorzuge ich Laurence und Guillaume“, sagte Fabbri, „aber an diesem Abend hatten Chock und Bates Gold verdient.“ Seine Partnerin Guignard sprach sich ebenfalls für eine Goldmedaille für die Amerikaner aus. „Ich stimme zu“, sagte sie.
Athleten aus den Vereinigten Staaten und Georgien wurden nach der Medaillenverleihung dabei fotografiert, wie sie Chock und Bates unter Tränen trösteten. Die US-Meisterin im Einzellauf, Amber Glenn, nannte sie „meine Olympiasieger“.
Auch das „Wall Street Journal“ greift die Debatte auf – und nimmt das gesamte Bewertungssystem ins Visier. Der Eistanz verfüge über ein hochgradig subjektives Punktesystem, das für viele Außenstehende kaum nachvollziehbar sei. „Es wäre wirklich hilfreich, wenn die Wertung für Zuschauer transparenter wäre – damit jeder versteht, was wirklich passiert“, sagte Chock nach dem Finale bei CBS. Eine direkte Kritik an einzelnen Juroren äußerten die US-Stars nicht.
Mittlerweile haben Fans bereits eine Petition eingereicht. Bates sagte, er und Chock, die 2024 geheiratet hatten, hätten die Petition nicht gesehen, aber davon gehört: „Es bedeutet uns sehr viel, dass Menschen sich für uns einsetzen.“ Über 13.000 haben bisher unterschrieben.
Der Eislauf-Weltverband wehrte sich jetzt. „Es ist normal, dass es innerhalb eines Panels unterschiedliche Wertungen gibt, und es existieren verschiedene Mechanismen, um diese Abweichungen zu mildern“, wurde die ISU von der US-Nachrichtenagentur AP an diesem Freitag zitiert. Gleichzeitig betonte der Dachverband sein „vollstes Vertrauen in die vergebenen Punktzahlen“ und seine „vollständige Verpflichtung zu Fairness“.
Olympiagewinner werden von Kontroversen begleitet
Guillaume Cizeron und die gebürtige Kanadierin Fournier Beaudry, die erst seit wenigen Monaten die französische Staatsbürgerschaft besitzt, polarisieren dagegen über diesen Wettbewerb hinaus. Das neu zusammengestellte Erfolgsduo wird von Kontroversen um ihre Ex-Eistanzpartner begleitet.
Im vergangenen Monat veröffentlichte oben erwähnte Papadakis ein Buch, in dem sie beschreibt, dass es in ihrer Beziehung zu Cizeron keine Augenhöhe, sondern vielmehr ein starkes Gefälle gegeben habe. Sie schrieb von einem stark kontrollierenden und fordernden Partner. Cizeron hatte sich kritisch über den Zeitpunkt der Veröffentlichung kurz vor den Winterspielen geäußert und die Vorwürfe als „Schmutzkampagne“ zurückgewiesen.
Beaudrys früherer Eistanzpartner Nikolaj Sörensen, der dem Vernehmen nach auch ihr aktueller Lebenspartner ist, war 2024 nach einer Untersuchung wegen des Vorwurfs der sexuellen Misshandlung von der kanadischen Sportintegritätsbehörde für sechs Jahre gesperrt worden. Sörensen soll demnach 2012 eine US-Eiskunstlauftrainerin und frühere Läuferin sexuell missbraucht haben. Beaudry betonte aber stets die Unschuld Sörensens.
Im vergangenen Juni wurde die Sperre aus Zuständigkeitsgründen aufgehoben. Der gebürtige Däne Sörensen war zu dem Zeitpunkt weder kanadischer Staatsbürger noch für das kanadische Team aktiv gewesen, wie es hieß. Der Fall ist weiter in der Schwebe.
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