Als Franziska Preuß zum letzten Schießen dieses olympischen Einzelrennens kam, war sie ihrem großen Traum zum Karriere-Finale ganz nah. Die 31-Jähre zählt seit Jahren zu den besten Biathletinnen der Welt, hat aber gesundheitlich und dadurch sportlich auch immer wieder ein Auf und Ab erlebt, bis sie dann im vergangenen Winter mit dem Gesamtweltcupsieg und WM-Gold ganz groß auftrumpfte. Eines aber fehlt ihr noch in ihrer Sammlung: eine olympische Einzelmedaille.

Die große Chance, sich diesen Traum zu erfüllen und sogar Gold zu holen, erkämpfte sich Preuß an diesem Mittwochnachmittag in Antholz. Dreimal schoss sie in diesem 15-Kilometer-Rennen fehlerfrei. Sie hatte es beim letzten Schießen selbst in der Hand. Preuß legte also an, das Gold im Visier – und verschoss ihre Chance. Zwei Fehler und damit zwei Strafminuten waren zu viel. Am Ende blieb ihr nur Platz zehn in 43:35,5 Minuten und mit 2:19,9 Minuten Rückstand auf Siegerin Julia Simon (1 Fehler) aus Frankreich.

Silber ging an Lou Jeanmonnot (42:08,7 min.), Bronze an die Bulgarin Lora Hristova (42:20,1). Heißt: Mit einem fehlerfreien Schießen wäre die Medaille sicher und Gold möglich gewesen. Auch ein einzelner Patzer hätte noch zum Podest reichen können, da die Schlussrunde beim Laufen schwer vergleichbar ist, wenn das Schießen anders gelaufen wäre.

„Ich hab’s einfach nicht mehr auf die Kette gekriegt“, sagte Preuß danach. „Das hat vom Timing zwischen Abzug und Zielen gar nicht mehr gestimmt. Ein klassisches Harakiri-Schießen, überhaupt nicht mehr im Rhythmus. Sauschade, ärgert mich natürlich sehr.“ Beste Deutsche wurde die Thüringerin Vanessa Voigt als Vierte.

Preuß: „Und dann fängt das Gedankenkarussell an“

Was war los beim letzten Stehendanschlag? Zitterten die Beine, kam die berühmt-berüchtigte Nähmaschine, wenn der Puls nach extremer Erschöpfung beim Laufen dann zu stark fällt? Oder waren es schlicht die Nerven angesichts der großen Chance? „Ich habe mir nach dreimal Null natürlich gedacht, dass ich gut im Rennen liege. Und dann fängt das Gedankenkarussell an“, erzählte sie in der ARD. Auf der Runde vor dem letzten Schießen blieb viel Zeit zum Grübeln. „Ich habe immer wieder versucht, in meinen mentalen roten Faden zu kommen, aber es hat überhaupt nicht funktioniert“, erklärt sie.

Der erste Schuss war noch ein Treffer. Der Zweite ging daneben. Und das übte noch mehr Druck aus. „Dann weiß man natürlich: Das ist bescheiden. Und versucht alles, um wieder in seinen gewohnten Rhythmus zu kommen“, erklärt sie. „Bei mir macht es die Sache dann auch nicht besser, wenn ich langsamer schieße, denn dann denke ich mehr.“

Ob auch Gedanken an die Mixed-Staffel von Sonntag zurückkehrten? Das deutsche Quartett mit Justus Strelow, Philipp Nawrath, Vanessa Voigt und Schlussläuferin Preuß war lange um den Sieg mitgelaufen, beim letzten Schießen war dann zumindest noch Platz zwei drin. Doch Preuß unterliefen nicht nur zwei Fehler – von den drei Nachladern traf nur einer. Sie musste in die Strafrunde. Am Ende war es Bronze. „Daran“, sagte sie nun nach dem Einzel, „habe ich nicht gedacht, das hat keine Rolle gespielt.“

Beim Einzelrennen nun traf Preuß zwar nach dem ersten Fehler wieder ins Schwarze, leistete sich danach aber erneut einen Fehler. Ärgerlich, aber sich lange damit aufhalten, geht bei Olympischen Spielen nicht. Es stehen schließlich noch das Sprintrennen, die Verfolgung, der Massenstart und die Staffel an. „Ich hake das jetzt ab“, sagte Preuß deshalb. „Wenn es für eine Medaille reichen soll, brauche ich wirklich den perfekten Tag. Ich habe noch die Hoffnung, dass der vielleicht noch kommt.“

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