Die Olympischen Spiele machen Stars. Rodler, die zu Gold rasen und dann im Fokus der breiten Öffentlichkeit stehen. Skirennläuferinnen, die im Rampenlicht strahlen, oder Curlingspieler, denen auf einmal mehrere Tausend Fans zujubeln. In einer Sportart bei den Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo ist es anders. Im Eishockey machen die Stars Olympia.
Erstmals seit 2014 pausiert die National Hockey League (NHL) in Nordamerika für die Spiele. Das Eishockeyturnier wird zu einem Stelldichein der Superstars. „Ich kann mich nicht an Olympische Spiele erinnern, die so eine Konstellation an Spitzenspielern hatten, egal welches Land. Es sind die besten Spieler auf dem Planeten, die zu Olympia kommen“, sagt Bundestrainer Harold Kreis.
Kanada, USA, Schweden, Tschechien – es ist schwer, einen Topfavoriten auf Gold auszumachen. Erich Goldmann lief für die deutsche Nationalmannschaft bei Olympia 1998 und 2002 auf, spielte für die Ottawa Senators und ist bei den Winterspielen als Olympia-Eishockeyexperte für die ARD im Einsatz. Sechs Nationen, sechs Superstars – aber Goldmann hat unter den Besten der Besten einen klaren Favoriten.
Connor McDavid (Kanada) – der Beste unter den Besten
Wenn die Edmonton Oilers spielen, gibt den ersten Höhepunkt, bevor der Schiedsrichter den Puck zum Eröffnungsbully auf das Eis wirft – das Aufwärmen. Connor McDavid bringt die Fans regelmäßig zum Staunen, wenn er an der Bande steht und seine Künste zeigt. Der 29-Jährige macht mit dem Schläger und Puck Sachen, die physikalisch nicht möglich erscheinen. Niemand hat schnellere Hände als der Kanadier. Und niemand hat schnellere Füße. Der Center ist seit Jahren das Nonplusultra im Eishockey. Sogar in Kanadas Nationalteam der Superstars ragt McDavid heraus.
„Er ist der wahrscheinlich beste Eishockeyspieler unserer Zeit. Unglaubliches Tempo gepaart mit Technik, Abschluss und Wille. Allein er ist es wert, das olympische Eishockeyturnier anzuschauen“, sagt Goldmann. McDavid vereint Technik, Spielintelligenz und Puckkontrolle bei höchster Geschwindigkeit. Seine Richtungswechsel verursachen seit Jahren Schwindelanfälle bei den Gegenspielern. Sein enormes Tempo bestätigt er immer wieder bei den All-Star-Games, wo er regelmäßig den Wettbewerb des schnellsten Skaters gewinnt. Sein Bestwert: 13,78 Sekunden für eine Eisrunde.
Da es meist mehrere Gegner braucht, um ihn zu stoppen, schafft McDavid viel Raum für seine Mitspieler, die neben ihm glänzen. Trotzdem sind seine persönlichen Bilanzen herausragend: Im Durchschnitt erzielt er pro Spiel 1,5 Scorerpunkte. Seit seinem Premierenjahr in der NHL 2015 blieb er nur einmal unter der 100-Punkte-Marke. Wie Draisaitl fehlt aber auch McDavid, der bisher dreimal zum besten Spieler der NHL gewählt wurde, der Gewinn des Stanley Cups zur Krönung.
Leon Draisaitl – Deutschlands bester Eishockeyspieler aller Zeiten
Es ist diese eine Bewegung. Wieder und wieder. Der Querpass kommt, Leon Draisaitl nimmt ihn direkt, hat dabei das linke Knie auf dem Eis. Der Stürmer von den Edmonton Oilers drischt die Scheibe aus spitzem Winkel ins Tor. Die Keeper und Verteidiger der NHL wissen seit Jahren, was sie da zu erwarten haben und trotzdem sind sie zumeist machtlos gegen die Schusskraft von Deutschlands bestem Eishockeyspieler, der im vergangenen Jahrzehnt zum Superstar gereift ist.
Als erster Deutscher überhaupt wurde er 2020 zum „wertvollsten Spieler“ der NHL gekürt. In den vergangenen vier Spielzeiten übertraf er jeweils die Marke von 100 Scorerpunkten, mit dem Bestwert von 128 Punkten im Jahr 2023. Draisaitl stieg mit einem Jahresgehalt von 14 Millionen Dollar zum bestbezahlten Spieler der Welt auf.
„Für mich der beste deutsche Eishockeyspieler aller Zeiten. Ein Spieler, der allein Spiele entscheiden kann, einer der besten Offensivspieler unserer Zeit. Perfektes Paket aus Übersicht, Passspiel und Abschluss. Unbeschreiblicher Eishockey-IQ“, urteilt Goldmann.
Eine Sache fehlt dem bodenständigen Stürmer, der im vergangenen Dezember seinen 1000. Scorerpunkt in der NHL erzielte, noch: der Gewinn des Stanley Cups. „Für den Titel würde ich alle persönlichen Erfolge hergeben“, sagt Teamplayer Draisaitl. Bei Olympia wird sich im Spiel der Deutschen viel auf den Superstar fokussieren. Seine Passgenauigkeit, Körperlichkeit und Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor gepaart mit einem der härtesten und genauesten Handgelenkschüsse der Welt werden maßgeblich über den Erfolg des Teams entscheiden.
Quinn Hughes (USA) – Dauerläufer und Vorlagen-Maschine
Niemand steht in der besten Liga häufiger auf dem Eis als Quinn Hughes. Der Verteidiger der Minnesota Wild spielt in dieser Saison pro Partie durchschnittlich 27:52 Minuten, also beinahe die halbe Partie. Nicht nur dieser Wert zeigt den enormen Einfluss, den Hughes auf sein Team hat.
Der 26-Jährige verkörpert das moderne Defensivspiel wie wohl kein Zweiter in der NHL. Er ist perfekt im schnellen Umschaltspiel und beim Spielaufbau. Hughes bewegt sich auf dem Eis spielerisch, oft muss er gar nicht erst zu einem Check ansetzen, weil er die gegnerischen Stürmer abläuft. „Hughes ist ein Verteidiger mit einer großartigen Übersicht, die sich unter anderem im Überzahlspiel zeigt. Er ist ein Spieler, der vor allem nahezu perfekte schlittschuhläuferische Qualitäten mitbringt“, sagt Goldmann.
Diese Qualitäten spiegeln sich auch in einer für einen Verteidiger beeindruckenden Punkteausbeute wider: In der aktuellen Saison kommt er in 52 Spielen auf 57 Punkte. Seit er 2018 für die Vancouver Canucks debütierte, schoss er in der NHL 64 Tore und bereitete 402 Treffer vor. Hughes, dessen Brüder Jack und Luke für die New Jersey Devils spielen, forcierte in der laufenden Saison seinen Wechsel aus Vancouver zu den Minnesota Wild, da er mit den Canucks keine Möglichkeit sah, sich für das Play-off zu qualifizieren. Minnesota gab für den Topverteidiger drei Spieler und den Erstrundenpick für den kommenden Draft her. Mit der Verpflichtung von Hughes, der sich nahtlos ins Team integriert und in seinem ersten Spiel für die Wild getroffen hat, gilt Minnesota als Mitfavorit auf den Gewinn des Stanley Cups.
Roman Josi (Schweiz) – der stürmende Verteidiger
Die Grenzen bei Roman Josi sind fließend. Ist der Kapitän der Schweizer Nationalmannschaft stürmender Verteidiger oder doch Stürmer, der sich für die Arbeit vor dem eigenen Tor nicht zu schade ist? Auf dem Spielberichtsbogen wird der 35-Jährige als Defensivspieler aufgeführt.
Doch in diese Schublade ist für Josi zu eng. Der Rekordspieler der Nashville Predators (1007 Partien, 201 Tore und 562 Vorlagen) ist Verteidiger, Spielgestalter und Scorer. 2020 ehrte ihn die NHL mit der James Morris Memorial Trophy als besten Abwehrspieler der Saison. Im Jahr darauf sammelte er für einen Verteidiger unglaubliche 96 Scorerpunkte. Josi baut mit seiner überragenden Technik und seiner Ruhe am Puck das Spiel auf, kann es dank seiner läuferischen Fähigkeiten schnell machen und ist im Powerplay der Dreh- und Angelpunkt.
„Josi verkörpert perfekt das schweizerische Eishockey der vergangenen 15 Jahre: schlittschuhläuferisch auf Weltklasseniveau. Der Schweizer Leader Nummer eins ist ein unglaublich agiler Verteidiger, der im Powerplay von der blauen Linie Spiele entscheiden kann“, sagt Goldmann. Im Zweikampf offenbart der Techniker seine einzigen Schwächen. Seine Stärken kann er mit einem robusten Verteidiger an seiner Seite, der die Drecksarbeit übernimmt, am besten ausspielen.
Dies konnte er vergangene Saison nur selten tun, da bei ihm das posturale Tachykardiesyndrom diagnostiziert wurde, das beim Aufstehen einen erhöhten Puls und Schwindel auslöst. „Die Diagnose war eine Erlösung. Es geht mir viel besser. Ich weiß jetzt, wie man es behandeln muss“, sagt Josi, der wieder voll für seine Predators im Einsatz ist.
David Pastrnak (Tschechien) – auf Jaromir Jagrs Spuren
Marco Sturm weiß, was er an seinem Topstürmer hat. Der ehemalige Bundestrainer ist seit dieser Saison Chefcoach der Boston Bruins, bei denen David Pastrnak seit 2014 auf Torejagd geht. Auch in der aktuellen Saison ist der Tscheche mit 71 Scorerpunkten der gefährlichste Angreifer seines Teams. „David kombiniert einen tödlichen One-Timer-Schuss mit Kreativität und Geschwindigkeit, kämpft, checkt zurück und schafft Raum für seine Mitspieler. Er ist der perfekte Mix aus Talent und Einsatzbereitschaft“, sagt Sturm über den Tschechen.
Im Powerplay lauert Pastrnak, dessen Markenzeichen ein getöntes Visier ist, auf dem Flügel, um seine gefährlichen Direktabnahmen abzufeuern. Der schnellste von ihm gemessene Schuss beträgt 167 Kilometer in der Stunde. Dazu verfügt er über einen ausgezeichneten Handgelenkschuss, den er immer wieder perfekt platziert in die Winkel der gegnerischen Tore setzt.
Wann immer es der Spielplan der NHL zugelassen hat, ist der 29-Jährige am Ende einer langen NHL-Saison noch zur Nationalmannschaft gereist, um für sein Heimatland bei Weltmeisterschaften aufzulaufen. „Er ist ein Nationalheld, seit er 2024 die tschechische Mannschaft in Prag zum Weltmeistertitel geschossen hat. Er hat einen unglaublich geschmeidigen Umgang mit dem Puck. Ein purer Offensivspieler“, sagt Goldmann.
Wenn der Stürmer verletzungsfrei bleibt, hat er noch sechs, sieben gute Jahre in der NHL vor sich. Es ist möglich, dass Pastrnak sogar noch die Eishockey-Legende Jaromir Jagr, der mit 766 Treffern der torgefährlichste Tscheche der NHL-Geschichte ist, überholt.
Victor Hedman (Schweden) – 110 Kilogramm Defensiv-Power
Wenn Victor Hedman zum Bodycheck ansetzt, scheppert es. Der 1,98 Meter große Verteidiger wiegt 110 Kilogramm, die er in der Defensive gewinnbringend einzusetzen weiß. Oft zum Leidwesen der gegnerischen Stürmer.
Trotz seiner imposanten Figur macht der 35-Jährige viele Aktionen, die unauffällig, aber nicht weniger wichtig als Tore und Paraden sind. Hedman blockt viele Schüsse, räumt in Unterzahl vor dem eigenen Tor auf und nervt Gegenspieler mit seiner langen Reichweite. Er gilt als Meister des Poke-Checks, bei dem er mit seinem Schläger Pucks wegspitzelt und Schläger der Gegenspieler anhebt.
„Victor Hedman ist ein Verteidiger, der das perfekte Paket aus physischem Spiel, Spielverständnis und Schuss mitbringt. Er bringt mit seinen 35 Jahren zudem extreme Erfahrung mit ein und ist offensiv wie defensiv gleich wertvoll“, sagt Goldmann.
Der Koloss kann aber nicht nur zerstören. Hedman, der Schweden 2017 zum WM-Titel führte, hat einen knallharten Schlagschuss und besticht durch seine Übersicht im Spielaufbau. In der Saison 2021/2022 sammelte er in 82 Vorrundenspielen für die Tampa Bay Lightning 85 Scorerpunkte. 2020 wurde er zum wertvollsten Spieler des Play-offs gewählt – eine Ehrung, die zumeist Stürmern zuteilwird.
Der zweimalige Stanley-Cup-Gewinner ist seit 2024 Kapitän der Lightning und wird auch Schweden beim olympischen Turnier mit dem C auf dem Trikot auf das Eis führen. „Bei den Olympischen Spielen dabei zu sein, ist ein Traum, der wahr wird. Das ist wirklich nichts, was man als selbstverständlich ansehen kann. Für mich ist es wahrscheinlich die letzte Chance, da ich ja auch nicht jünger werde“, sagt Hedman.
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