In einem Höllentempo rast Rodlerin Julia Taubitz ihrem so lange ersehnten Gold im Eiskanal entgegen. Wenige Sekunden liegen nur noch zwischen ihr und dem großen Triumph, der ihr nicht mehr zu nehmen ist. Zu groß war ihr Vorsprung zum Start des vierten Laufs, zu sicher und schnell fährt sie auch jetzt. Im Ziel gibt Olympiasieger Max Langenhan den Zeremonienmeister, ruft das ganze Team an die Bande des Cortina Sliding Centre. Dann rauscht Taubitz heran – und die zweite Gold-Party der Rodler beginnt.

Mit einem gigantischen Vorsprung von 0,918 Sekunden auf die Lettin Elina Bota krönt sich Taubitz zur Olympiasiegerin. Langenhan klatscht sie als Erster ab, drückt ihr später die deutsche Fahne in die Hand und trägt ihr den Schlitten vom Eis. Für die 29-Jährige ist dies nach dem Drama von Peking eine olympische Erlösung und der verdiente Lohn jahrelanger Dominanz im Weltcup. Ihr Triumph bedeutet zudem die dritte Goldmedaille dieser Winterspiele für die deutsche Mannschaft. Zuvor hatten bereits Langenhan und Skispringer Philipp Raimund gesiegt. Taubitz und Langenhan dürften auch gesetzt sein für die Teamstaffel am Donnerstag – ihre nächste Goldchance.

Bronze sicherte sich am Dienstagabend Ashley Farquharson aus den USA. Anna Berreiter, die vor vier Jahren in Peking als Debütantin olympisches Silber gewonnen hatte, kam auf Rang sechs. Merle Fräbel vergab mit einem schweren Patzer im dritten Lauf alle Medaillenchancen und wurde Achte.

Das Drama von Peking beschäftigte sie lange

Dass die 29 Jahre Taubitz eine Ausnahmeathletin mit beeindruckender Konstanz ist, weiß die Rodelwelt seit Jahren: Fünfmal gewann sie schon den Gesamtweltcup – erstmals 2019/20, dann war sie einmal Zweite, bevor sie ab 2021/22 zur Seriensiegerin avancierte.

Nur auf der größten Bühne des Weltsports erlebte sie ein Debakel: Bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking legte Taubitz als Topfavoritin im ersten Lauf mit Bahnrekord vor – und stürzte dann nach einem Fahrfehler im zweiten Durchgang. Beim damaligen deutschen Doppelsieg von Natalie Geisenberger und Anja Berreiter blieb ihr als Siebte nur die Nebenrolle.

„Ich habe lange gebraucht, um diesen Rückschlag zu verarbeiten“, sagt sie. Taubitz arbeitete das auch mit einem Sportpsychologen auf: „Rückblickend bin ich dankbar für diese Erfahrung.“ Jetzt also hat sich die Einzel-Weltmeisterin von 2021 und 2025 mit Olympiagold belohnt.

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