Während Bad Bunny beim Super Bowl ein Feuerwerk zündet, fühlt sich die Gegenveranstaltung des rechtskonservativen Lagers nach einer mühsamen Trotzreaktion an.

"This is real America" – mit diesem Song, der direkt das gewünschte Motto der Veranstaltung preisgab, eröffnete Country-Rock-Sänger Brantley Gilbert die alternative Halbzeit-Show des Super Bowls. Was dem folgte, hätte amerikanischer nicht sein können. Zumindest wenn wir von dem Amerika sprechen, wie es sich Donald Trump und die MAGA-Bewegung erträumen. In einer 30-minütigen Dauerschleife, untermalt von rot-weiß-blauen Lichteffekten, ging es vor allem um eines: glühenden Patriotismus. Und um ein Traumbild der USA, das realitätsfremder nicht sein könnte. 

Amerika, so wie Trump es sich erträumt

Das Event, das als Gegenbewegung zur ersten spanischsprachigen Halbzeit-Show in der Geschichte des Super Bowls stattfand, zeigte die verbitterten Fronten in einem sich stetig intensivierenden Kulturkampf. Der Headliner der diesjährigen NFL-Veranstaltung, Bad Bunny, hatte bereits vorher Kritik auf sich gezogen: Weil er ausschließlich auf Spanisch singt. Weil er sich politisch klar gegen Trump positioniert. Weil er die lateinamerikanische Kultur kompromisslos feiert. Dass ausgerechnet diesem Künstler die größte Bühne der Welt gehören sollte, ließ die rechtspopulistische Bewegung "Turning Point USA" nicht auf sich sitzen.

Bad Bunny performt beim Super Bowl in Santa Clara mit zahlreichen Tänzern inmitten einer Zuckerrohr-Plantage © Matt Slocum

Die vom Veranstalter als "all-american" deklarierte Konkurrenzshow fand an der University of North Dakota statt. Als Haupt-Act des Konzerts, das auch zum Gedenken an den ermordeten ultrarechten Aktivisten Charlie Kirk abgehalten wurde, stand Kid Rock auf der Bühne. Daneben eine Reihe von Country-Sängern, deren Texte genau das vermitteln, was man sich unter dem Klischee von "white America" vorstellt: Gott, Landleben, Arbeiterklasse. Doch bevor das Alternativ-Event der offiziellen Halbzeit-Show überhaupt Konkurrenz machen konnte, gab es einen Dämpfer: Der im Vorfeld beworbene Livestream auf X wurde aufgrund von "Lizenzbeschränkungen" abgeblasen. Empfohlen wurde stattdessen der Livestream auf Youtube, den Schätzungen unterschiedlicher Medienberichte zufolge bis zu sechs Millionen Menschen verfolgt haben sollen.

Das Event startet mit der Nationalhymne

Während Bad Bunny seine Performance auf einer Zuckerrohrplantage begann und in ein Kaleidoskop aus Szenen des puerto-ricanischen Lebens in den USA abtauchte, startete die alternative Halbzeit-Show mit der Nationalhymne der USA, gespielt auf einer elektrischen Gitarre. Eine Szene, die vermutlich an Jimi Hendrix' Version des "Star-Spangled Banner" erinnern soll, die er 1969 beim Woodstock-Festival auf der E-Gitarre vorgetragen hatte. Dass ein schwarzer Musiker die Nationalhymne, die damals als unantastbar galt, verzerrt, experimentell und laut performte, galt damals als Skandal. Dass die "all-american" Halbzeit-Show ausgerechnet damit eröffnete, mutete nach einem fast schon verzweifelten Versuch an, sich dieses "typisch amerikanische" Element gewissermaßen zurückzuholen.

Anschließend verkündete Brantley Gilbert: "Das ist das wahre Amerika." Während sich das Levi's Stadium in Kalifornien in ein Spektakel aus Klängen und Farben verwandelte, dominierten bei der Gegenveranstaltung Country-Klänge und ein immer gleiches Bühnenbild aus Pyrotechnik und Stars-and-Stripes-Motiven. 

Mit dem zweiten Act, Gabby Barrett, folgte immerhin ein kleiner Bruch im Line-up. Als einzige Frau im Programm der alternativen Show performte die Sängerin zwei emotionale, radiotaugliche Popsongs. Das gestriegelte Business-Outfit und das Glitzermikrofon sollten vermutlich einen Hauch von Taylor-Swift-Glamour versprühen, auf den Bad Bunny und Latina-Stars wie Karol G und Cardi B während der offiziellen Halbzeit-Veranstaltung komplett verzichteten. Trotzdem war die Gesamtdarbietung mit all den Tänzern, dem aufwendigen Bühnenbild und den unzähligen kulturellen Referenzen wesentlich spektakulärer.

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Unterdessen hätte der nicht ganz so patriotische Zuschauer der alternativen Halbzeit-Show langsam müde davon werden können, wie oft darauf verwiesen wurde, dass hier das "echte Amerika" zu sehen sei. Dazu gehörten – erneut – Country-Rock-Klänge, dieses Mal vom Sänger Lee Brice. Dazu gehörte auch seine Hommage an die Arbeiterklasse der USA, beziehungsweise die "Trinkerklasse", wie diese in seinem Song genannt wird. Dazu gehörte auch sein neuer Song "Country Nowadays", der unter anderem die Rechte von Transgender-Personen infrage stellt. Spätestens jetzt – eigentlich aber schon ab der ersten Minute – fühlte sich das Event nach einer einzigen Trotzreaktion des konservativen Lagers an.

Für Trump scheint es wichtiger, nach dem Super Bowl gegen Bad Bunny auszuteilen

Dasselbe zeigte sich noch einmal im abschließenden Auftritt von Kid Rock. Zuerst spielte der Musiker den rockigen Party-Song "Bawitdaba". Anschließend kehrte er unter seinem echten Namen Robert Ritchie auf die Bühne zurück, um eine Akustikversion des Liedes "’Til You Can't" zu singen. Dem Coversong fügte der Musik eine weitere Strophe hinzu, die dazu aufforderte, sich dem Glauben zuzuwenden. Die Show endete, indem Fotos und Videos von Charlie Kirk über die Leinwände flimmerten, wobei noch einmal Glaube, Familie und Patriotismus betont wurden.

Der Sänger Kid Rock ist ein großes Fan von Donald Trump. Der US-Präsident fand im Vorfeld lobende Worte für die Alternativ-Veranstaltung © SIPA USA/Sipa USA

Während Bad Bunny seine Performance mit einem eindeutigen Statement schloss – Liebe ist stärker als Hass – vermittelt die Botschaft, die nach der alternativen Halbzeit-Show zurückblieb, eher den Eindruck von Realitätsverweigerung. Sie lautete nicht: "Wir sind das wahre Amerika", sondern viel mehr: "Wir wären gerne das wahre Amerika." Denn die eigentliche Lebenswirklichkeit der USA bildete Bad Bunny im Levi's Stadium in Santa Clara ab: Lateinamerika ist Teil von Amerika und untrennbar mit US-amerikanischer Kultur verbunden. Dass Donald Trump das nicht gefällt, ist klar. Die Super-Bowl-Halbzeit-Show sei "absolut furchtbar, eine der schlimmsten aller Zeiten", wetterte der US-Präsident auf "Truth Social". Das Alternativ-Event, das hingegen ganz seinen Vorstellungen entsprochen haben dürfte, war Trump keine Erwähnung wert.

Quellen: San Francisco Chronicle, Yahoo News

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