Anton Dukach stieg von seinem Schlitten, sein erster Weg führte ihn zu seinem Trainer, der ihm eine Fahne seines Heimatlandes umhängte. Der ukrainische Rodler schwang sich die gelb-blaue Flagge über seine Schultern, bevor er sich vor die Kameras stellte.
Als der 30-Jährige nach seinem vierten Lauf im Zielraum des Eiskanals von Cortina d‘Ampezzo stand, ging Pavel Repilov auf die Strecke. Repilov ist einer von 13 Russen, die bei den Olympischen Spielen antreten dürfen. Zusammen mit sieben Athleten aus Belarus starten sie als sogenannte „Individuelle Neutrale Athleten“ (AIN).
Dukachs und Repilovs Weg kreuzte sich im Zielbereich, sie würdigten sich keines Blickes. „Es ist natürlich eine Schande, dass ein Russe nach mir startet. Es ist eine Schande, sie hier bei Olympia zu haben, weil wir viele Beweise haben, dass sie nicht neutral sind“, sagt Dukach.
„Unsere Bürger verstecken sich in Schutzräumen, sie können hier teilnehmen“
Der Ukrainer glaubt, dass sein Konkurrent bei Wettbewerben in Russland von einer Firma gesponsert wird, die Drohnen für den russischen Angriffskrieg in der Ukraine produziert: „Diese Drohnen treffen unser Land und unsere Städte. Sie töten unsere Menschen. Unsere Bürger verstecken sich während dieser Angriffe in Schutzräumen und sie können trotzdem an diesen hochrangigen Wettbewerben teilnehmen. Es ist eine Schande, aber das ist die Realität.“
Dukach hält während der Spiele so gut es geht Kontakt in seine Heimat aufrecht. Stromausfälle und gestörte Internetverbindungen in der Ukraine erschweren ihm dies. „Ich bin sehr stolz darauf, mein Land während des Krieges in der Ukraine zu repräsentieren“, sagt er. Duckach hofft, dass er seinen Leuten etwas Ablenkung vom Krieg schenken könne: „Unsere Freunde, die jetzt in Gefangenschaft sind, Stromausfälle und keine Heizung in ihren Häusern haben, versuchen, unseren Wettbewerb zu verfolgen. Sie wollen etwas Freude erleben, ein paar gute Erinnerungen in dieser Zeit sammeln und nicht nur die schlechten Erfahrungen während des Krieges.“
Schon bei den Sommerspielen vor zwei Jahren in Paris waren Athleten aus Russland und Belarus zugelassen. Wie 2024 dürfen sie auch bei den Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo nur ohne Flagge, Hymne und Dress in ihren Landesfarben an den Start gehen. Vor der endgültigen Zulassung für Olympia hat ein Gremium des IOC geprüft, dass keine Verbindungen der jeweiligen Athleten zur Armee bestehen und keine Unterstützung des Krieges öffentlich bekannt ist.
Dukach landete beim Olympia-Sieg von Max Langenhan auf dem 16. Platz, sein Landsmann Andriy Mandziy wurde Zwölfter. Dazwischen auf dem 14. Rang: der Russe Repilov.
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