Schon Sekunden vor dem großen, vor dem goldenen Erfolg, als Max Langenhan im Höllentempo auf seinem Schlitten Richtung Olympiasieg rast, feiert Felix Loch im Ziel den Erfolg seines Teamkollegen. Dann reißt Langenhan die Arme hoch – es ist vollbracht. Was für eine Triumphfahrt! Loch, der kurz zuvor weinend in den Armen seines Vaters versunken war, verbeugt sich tief und ist als erster Gratulant bei Langenhan.
Das deutsche Team rennt auf die Bahn, jubelt, feiert, herzt den Mann der Stunde – und Langenhan bleibt erst mal sitzen. Überwältigt von allem. „Geile Sau!“, sagt Loch. „Genieß es, genieß es!“ Dann steht der Gefeierte auf, mit Tränen in den Augen und verneigt sich vor den Zuschauern. Max Langenhan, 26 Jahre alt, Olympiasieger.
Nach dem Silber von Skirennfahrerin Emma Aicher zur Mittagszeit und Bronze durch die Mixed-Staffel im Biathlon holt er damit das erste Gold dieser Winterspiele für die deutsche Mannschaft. Für die Sportler des Bob- und Schlittenverbandes, die Erfolgsgaranten Deutschlands bei Olympischen Winterspielen, ein Start nach Maß. Der Eiskanal, er könnte zu ihrer Goldgrube werden.
Dabei war es eigentlich Loch und nicht Langenhan gewesen, der hier als Favorit auf Gold gegolten hatte. Loch, der so stark in die Saison gestartet war wie lange nicht mehr und dann als Weltcupführender nach Cortina gereist war. Der 36-Jährige aber erlebte am Samstag und Sonntag bittere Momente, wurde am Ende Sechster. Silber ging an den Österreicher Müller vor dem Italiener Dominik Fischnaller. Der Chemnitzer Timon Grancagnolo wurde Neunter.
Langenhans Meisterstück: viermal Bahnrekord
Es war am Sonntagabend alles angerichtet für Langenhans großen Moment: Als letzter Starter des olympischen Rodelwettbewerbs und damit als Führender nach drei Läufen, in denen er jeweils Bahnrekord gefahren war, stürzte er sich auf seinem Schlitten den Eiskanal hinunter. Nur einmal noch musste er eine exzellente Fahrt hinlegen, einmal noch 53 Sekunden – dann würde er den größten Erfolg seiner Karriere feiern können. Alle Augen waren auf den 26-Jährigen gerichtet, im Zielbereich versammelte sich die deutsche Mannschaft vor einem Bildschirm, an der Bahn und auf der Zieltribüne fieberten etliche deutsche Fans mit, darunter Langenhans Fanclub aus Thüringen.
Knapp drei Zehntelsekunden Vorsprung hatte er auf den Österreicher Jonas Müller – viel, doch nichts ist jemals sicher. „Der Max ist eine coole Socke“, sagte Bundestrainer Patrick Leitner nun. „Ich bin davon überzeugt, dass er es packt.“ Und Langenhan lieferte tatsächlich ab, als wäre Nervosität ein Fremdwort für ihn. Der Weltmeister von 2024 und 2025, der in dieser Saison zwar sechsmal auf dem Podest, aber kein einziges Mal ganz oben stand, vollbrachte im Zeichen der olympischen Ringe sein Meisterstück: Um 19.11 Uhr raste er als Olympiasieger und mit dem vierten Bahnrekord im vierten Lauf ins Ziel.
Melanie Haack ist Sport-Redakteurin und seit 2012 für WELT bei Olympischen Spielen für WELT vor Ort – aktuell ist sie in Cortina. Hier finden Sie alle ihre Artikel.
Stephan Flohr berichtet zwar auch über Fußball, aber zwischen Oktober und April über die beste Sportart der Welt: Eishockey – und zurzeit über die komplette olympische Wintersportwelt. Er ist bei den Winterspielen 2026 vor Ort in Cortina. Hier finden Sie seine Artikel.
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