Lindsey Vonn gab sich kämpferisch. Die Amerikanerin will trotz einer schweren Verletzung bei den Olympischen Spiele in Cortina d’Ampezzo an den Start gehen. „Ich habe einen Kreuzbandriss erlitten“, verkündete Vonn. Als alle damit rechneten, dass dies gleichbedeutend mit der Absage für die Spiele ist, schob sie hinterher: „Ich weiß, meine Chancen sind nicht mehr so groß wie vorher. Aber solange es eine Chance gibt, werde ich es versuchen.“
„Ich habe niemals erwartet hier zu sein. Das ist die Kirsche auf der Torte. Ich bin hier nicht in der Verfassung, die ich mir erhofft habe. Aber ich bin hier. Ich werde kämpfen“, sagte Vonn.
Sie wusste direkt nach dem Sturz am vergangenen Freitag, dass etwas Schlimmes passiert sei. Im Krankenhaus gab es dann die traurige Gewissheit für die 41-Jährige. „Ich habe nicht geweint, als ich die Bilder von meinem Knie gesehen habe. Ich habe dieses Mal nicht diesen Moment, in dem ich gemerkt habe, dass mir mein Traum weggleitet. Ich werde es tun, ich werde mein Bestes geben“, sagte Vonn.
Ein großer Antrieb, ihr Bestes zu geben und trotz der schweren Verletzung an den Start zu gehen, ist ihr ehemaliger Trainer und Mentor Erich Sailer, der im vergangenen August im Alter von 99 Jahren verstarb. Als Vonn nach ihm gefragt wird, wird ihre Stimme brüchig. Sailer, ein Ski-Pionier aus Tirol, war Vonns erster Trainer. Er erkannte und förderte ihr riesiges Talent. Auch für ihn will sie in Cortina an den Start gehen.
Vor Cortina besuchte Vonn das Grab ihres Mentors
„Er würde jetzt sagen: Es sind nur 90 Sekunden. Das ist nichts im Vergleich zum Leben. Das hat er mir vor meinem letzten Lauf in bei der WM 2019 in Åre gesagt, dann habe ich dort eine Medaille geholt. Und ich weiß, dass er es wieder sagen würde“, sagte Vonn, die kurz vor ihrer Anreise nach Cortina noch das Grab Sailers im österreichischen Telfs besuchte.
Bei der Weltmeisterschaft 2019 in Schweden hatte Vonn mit 34 Jahren und nach 82 Weltcup-Siegen abgedankt. Ihr Körper konnte einfach nicht mehr – die Stürze, Verletzungen und Strapazen forderten ihren Preis. Vor allem das rechte Knie streikte. Ein letztes Mal noch stürzte sie sich also in Schweden die Abfahrt hinunter – mit blauen Flecken und einem blauen Auge als Folgen eines Sturzes im Super-G. Dann holte sie WM-Bronze.
Im Dezember 2024 feierte sie in St. Moritz ihr Comeback – mit 40 Jahren. Immer mit dem Ziel Olympia vor den Augen kämpfte sie sich wieder in die Weltspitze. Es scheint, dass sie nicht einmal der fatale Sturz bei der Abfahrt in Crans Montana aufhalten kann.
Als sie nach dem Sturz gefragt wird, musste Vonn erneut mit den Tränen kämpfen. Nicht wegen der Schmerzen, die sie hatte, sondern wegen der Reaktionen anderer Starterinnen und Trainer. Unmittelbar nach Vonns Sturz entschied die Jury, das Rennen abzubrechen. „Wir wollten nicht noch mehr die Sicherheit der Athletinnen riskieren“, sagte Rennchef Peter Gerdol zu der Absage.
„Ich war verletzt von diesen Aussagen“
Fahrerinnen, die noch am Start standen, reagierten darauf mit Unverständnis. „Das ist lächerlich“, sagte etwa die Deutsche Kira Weidle-Winkelmann direkt nach der Absage. Selbst Vonns Teamkollegin und Weltmeisterin Breezy Johnson erinnerte daran, dass sie in diesem Winter schon bei schlechterer Sicht Rennen gefahren seien.
Worte, die Vonn noch immer schmerzen. „Ich war enttäuscht und fand es unsportlich von einigen, die mir wichtig sind. Wenn Athleten stürzen oder verletzt sind, ist das nie gut. Wenn die Organisatoren sagen, es ist nicht sicher, müssen wir ihnen vertrauen. Ich war verletzt von den Aussagen. Einige haben sich entschuldigt, das habe ich angenommen, aber insgesamt war es enttäuschend“, sagte Vonn.
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