Deutschlands Rodler sind traditionell Medaillengaranten bei den Olympischen Spielen. So auch Max Langenhan, in dieser Weltcup-Saison im deutschen Lager der zweitbeste nach Felix Loch. Der 26-Jährige gewann bei der WM in Whistler im vergangenen Jahr dreimal Gold und sicherte sich bei der EM in Oberhof am vergangenen Wochenende zwei Medaillen – darunter Gold im Mixed mit Julia Taubitz. Die 29-Jährige verpasste als Vierte im Einzel eine weitere Medaille, kommt in ihrer Karriere aber auf fünf Gesamtweltcupsiege und 15-WM-Medaillen.

Frage: Frau Taubitz und Herr Langenhan, Sie sind beide amtierende Weltmeister, im Einzel und gemeinsam im Mixed. Wie unterscheidet sich das Rodeln von Männern und Frauen?

Max Langenhan: Erst einmal wiege ich natürlich mehr. Das verändert die Dynamik des Schlittens. Jule könnte ja mal mit meinem Schlitten fahren. Da kann sie allerdings den Kopf ablegen, weil der so lang ist.

Julia Taubitz: Die Männer riskieren auch noch mehr.

Frage: Welche aerodynamischen Unterschiede gibt es?

Langenhan: Ich bin ein Bus und Julia ein Sportwagen. In St. Moritz habe ich zum Beispiel gar keine Chance gegen sie. Da muss ich bis zur Mitte der Bahn eine Sekunde herausfahren, brauche einen guten Start, weil ich unten so eine Dresche von Julia kriege. Sie ist da vier, fünf Stundenkilometer schneller.

Frage: Wie kommt das?

Langenhan: Ich bin zwar schwerer, aber habe dadurch auch mehr Luftwiderstand. Da kippt das Verhältnis: Aerodynamik übertrumpft den Vorteil der Hangabtriebskraft. Julias Aerodynamik ist einfach dann viel besser. Daher bin ich froh, dass wir vom höheren Herren-Start losfahren, dann fällt das nicht auf, dass die Frauen schneller fahren können als wir.

Frage: Bei den Frauen ist die Strecke meist ein paar Kurven kürzer. Würden Sie gern von ganz oben losfahren, Frau Taubitz?

Taubitz: Wir versuchen das ab und zu. Vor allem, wenn die Bahn im Laufe des Trainings langsamer wird, um dann noch das gleiche Tempo zu haben. Wenn du einmal vom Herren-Start losgefahren bist, dann gehst du ganz anders heran. Dann hast du die Respektschwelle schon einmal übersprungen. Daher tut es gut.

Langenhan: Manchmal sind wir vom Damen-Start gefahren, zwangsweise, wenn die Bedingungen es erforderten. Ich würde mir eher wünschen, wenn wir von noch weiter oben losfahren könnten. Das Gute ist: Jeder kann das Limit weiter verschieben. Je weiter du den Kopf nach hinten nimmst, umso risikoreicher, aber auch schneller wird es.

Frage: Welche Bahn liefert am häufigsten den Adrenalin-Kick?

Langenhan: Es gibt Bahnen, wo du von Kurve 1 bis 18 gar keine Ruhe hast. Bei anderen ist mal kurz Ruhe und dann wieder Terror.

Taubitz: In Sigulda oder Lake Placid ist es im Startbereich schon einmal etwas stiller, weil alle wissen, dass es dort gleich richtig zur Sache geht. Ich mag aber auch das gefühlvolle, entspanntere Rodeln in Cortina oder Innsbruck.

Frage: Seit 1994 holte stets eine Deutsche Olympia-Gold, die Männer gewannen drei der vergangenen vier Titel. Wie groß ist der Druck?

Taubitz: Der Druck gehört dazu. Als Mannschaft haben wir den Anspruch, bei Olympia sehr gut abschneiden zu wollen. Wir wollen die Rodel-Geschichte von Deutschland weitertragen.

Langenhan: Mich juckt das gar nicht, wie die Erwartungen von außen sind. Am Ende ist es natürlich wichtig, Erfolg zu haben. Allerdings sage ich auch: Für Deutschland ist es nicht wichtig, denn in Deutschland ist Sport nichts mehr wert. Aber für unseren Verband sind die Erfolge wichtig, um die Zielvorgaben zu erfüllen, die wir gesteckt bekommen haben, damit die Förderung weiter kommt. Aber in Deutschland wird es insgesamt nichts ausmachen, ob wir Gold holen oder nicht.

Frage: Wie meinen Sie das?

Langenhan: Wenn ich sehe, wie wenig Wert in der Gesellschaft auf den Sport gelegt wird, ist es total egal, ob wir da Gold gewinnen. Das wäre für eine Woche ganz interessant, aber zwei Wochen später weiß das keiner mehr.

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Frage: Wie steht es um die Anerkennung des Sports?

Langenhan: Man muss ja nur einmal durch Deutschland fahren und sich die Turnhallen, die Sportplätze angucken. Da weiß man, wo die Wertigkeit des Sports in Deutschland ist und wo die Regierung den Sport ansiedelt. Es wird viel darüber gesprochen, sich für Olympische Spiele zu bewerben, wobei mir nicht ganz klar ist, was man damit bezwecken möchte – denn wir bekommen es selbst im Land nicht hin, den Sport entsprechend zu fördern. Es ist traurig zu sehen, wenn wir in anderen Ländern sind, wie viel Geld dort in den Sport gesteckt wird. Aber wir haben halt so viele andere Probleme im Land, dass ich es dann doch auch verstehen kann, warum die Aufmerksamkeit woanders ist.

Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, SPORT BILD, BILD) erstellt und zuerst in SPORT BILD veröffentlicht.

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